Im Gegensatz zu Atlantis ist die Existenz Trojas wissenschaftlich belegt. Unter dem Hügel von Hissarlik in der heutigen Türkei entdeckt Heinrich Schliemann 1868 die sagenhafte Stadt. Traf die beiden Seehandelsstädte ein ähnliches Schicksal?
Die wahren Dimensionen der Anlage haben erst in jüngster Zeit Forscher der Universität Tübingen erkannt. Lange wurde Troja als unbedeutende Piratenfestung eingestuft. Heute umfasst die bekannte Fläche mindestens 300.000 Quadratmeter. Noch sind die Grenzen der antiken Mega-City nicht abzuschätzen. Möglicherweise hat sie ihr größtes Geheimnis bisher nicht preisgegeben.
"Wenn man sich einfach nur auf die Idee einlässt, dass Troja Atlantis sein könnte, dann bedeutet das, dass Platons Beschreibung der Stadt uns jede Menge Anregungen liefert, wie Troja ausgesehen haben könnte. Und demnach muss Troja ganz anders ausgesehen haben als man sich das bisher vorgestellt hat. Es muss eine größere Stadt gewesen sein, die sich ausdehnte weit in die Ebene hinein. Und dort in der Ebene von Troja unter dem Auelehm liegt ein größerer Teil dieser Stadt noch verborgen, einschließlich der Hafenanlagen, der technischen Einrichtungen, der Pferderennbahn und so weiter."
Wie Troja war auch Atlantis eine Seehandelsstadt. Sie lag "hinter den Säulen des Herakles", weiß Platon. Meinte er damit die Straße von Gibraltar? Oder eine andere Meerenge: die Dardanellen, den Zugang zum Schwarzen Meer? Über die schmale Einfahrt wachte das einflussreiche Troja. Vor Atlantis ankerte eine Flotte von 1200 Schiffen, berichtet Platon. Homer lässt die Griechen mit 1186 Booten in den Krieg gegen Troja ziehen. Atlantis wird als Inselkontinent beschrieben. Ein Aspekt, der auf die Stadt des Priamos nicht zutrifft - ein Übersetzungsfehler? Das ägyptische Zeichen für Insel bedeutet "fremdes Land an ferner Küste". Ein Eiland muss Atlantis also nicht gewesen sein.
Nach unserem Kalender soll das rätselhafte Reich vor 12.000 Jahren untergegangen sein. Die Ägypter jedoch rechneten zu Solons Zeiten in Mondjahren, die nur 30 Tage dauerten. Atlantis hätte demnach um 1.200 vor Christus existiert - zur Blütezeit Trojas. Doch auch die Hafenfrage bleibt ein Knackpunkt. Das "Venedig der Vorzeit" war vermutlich von ringförmigen Wasserstraßen umgeben, schnurgerade Kanäle führten vom Meer bis zum Zentrum. Von einem vergleichbaren Hafen aber fehlt in Troja jede Spur.
In der Zeit nach dem Krieg - so Platon - "gab es gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen". Ein dunkles Zeitalter begann. Poseidon, der Schutzgott von Troja und Atlantis, kann nichts mehr tun. Es kam "ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht", in der Atlantis im Meer versank. Um 1250 vor Christus erschütterte tatsächlich ein Erdbeben die Stadt Troja. Die Naturkatastrophe könnte die militärische Schlagkraft des Volkes geschwächt und sein Ende verursacht haben. Bis heute konnten die archäologischen Funde einen Zusammenhang nicht nachweisen. Werden Forscher eines Tages Platons Code endgültig knacken? Oder stürzt auch dieses Gedankengebäude ein - wie viele Atlantis-Theorien zuvor?