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21. November 2009
 

aspekte

 
Unser täglich Brot, Kinostart: 18.01.2007. Quelle: Alamode
Sprüheinsatz über malerischen ostdeutschen Feldern

aspekte

Die bittere Wahrheit

Zwei neue Filme stellen in Frage, ob uns unser Essen noch schmecken kann

Kochbücher als Dauerbrenner, Brutzeln auf allen Kanälen. Auch am Kino geht das Thema Essen nicht spurlos vorbei. Den Raubbau an der Natur und die Verwüstung der Esskultur haben wir bereits im Kino erlebt. Jetzt erzählen "Unser täglich Brot" und "Fast Food Nation" erschreckende Geschichten über die Nahrungsmittelproduktion in der modernen Welt.

 
 
 
 

Machen wir uns nichts vor: Ein Hühnerleben im Mastbetrieb ist kein Spaß. Ausgebrütet, aussortiert, ein paar Monate aufgepäppelt und dann zum Schlachten eingesammelt. Ein Lebenszyklus zwischen Plastikkisten. "Unser täglich Brot" ist ein Dokumentarfilm, der uns vorführt, weshalb Lebensmittel immer billiger in die Supermärkte kommen. Das Porträt einer mechanisierten und effizienzgesteigerten Landwirtschaft und zugleich ein Spiegel unserer Gesellschaft.

 

Niemand ist verantwortlich

Regisseur von "Unser täglich Brot" ist Nikolaus Geyrhalter: "Die wirklich erschreckende Erkenntnis für mich war, dass dieses System ein Selbstläufer ist, in dem man niemanden findet, der dafür Verantwortung übernehmen könnte. Weil sich Arbeiter und Angestellte auf ihren Arbeitsplatz hinausreden, die Leiter reden sich auf den Markt raus, die Einkäufer sagen, der Konsument verlangt billige Nahrungsmittel, die immer verfügbar sind. Wir als Außenstehende, die die Nahrungsmittelproduktion nicht kennen, wenn wir das zum ersten Mal sehen, denken: Hallo, das kann es ja wohl nicht sein."

 
Unser täglich Brot, Kinostart: 18.01.2007. Quelle: Alamode
Alamode
"Unser täglich Brot": Schlachtereiszenario

 

Es sind Bilder wie von einem fremden Planeten. Kommentarlos, ganz auf die Geräusche der Maschinen und Kreaturen vertrauend, lässt uns der Film zugleich staunen und erschrecken. Etwa bei der Olivenernte irgendwo am Mittelmeer - oder auch beim Sprüheinsatz über malerischen ostdeutschen Feldern. Oder in einem hochautomatisierten Schlachthaus. Vorgänge, von denen wir lieber nichts wissen wollen.

 

Sch ... im Fleisch

Genau da setzt auch "Fast Food Nation" an, ein weiterer Film zum Thema Essen und Nahrungsproduktion. Es sei ein satirischer Rundumschlag gegen das Burger-Business, "schlechtes Gewissen für hier oder zum Mitnehmen", wirbt der Film. In einer Szene beschwert sich jemand: "Da ist Scheiße in unserem Fleisch".

 
Fast Food Nation, Kinostart: 01.03.2007. Quelle: Senator Film
Senator Film
Fast Food: Essen einer ganzen Nation

 

Tatsächlich: Da sind Bakterien in den Burger-Rohlingen. Don, der Marketing-Manager, wird in die Provinz geschickt, um das Publicity-Problem abzuwenden. Doch dabei muss er einige hässliche Wahrheiten schlucken. Inklusive der Weisheit, dass man manchmal auf Scheiße beißen muss. Bruce Willis gibt den Schlachthof-Manager. Er weiß: "Es war schon immer Scheiße im Fleisch, und Sie essen es vielleicht schon ihr Leben lang. Sie wollen Sicherheit? Erhitzen Sie das Fleisch, und es passiert nichts!"

 

Infobox

Unser täglich Brot, Kinostart: 18.01.2007. Quelle: Alamode
Alamode

Unser täglich Brot

Dokumentation
Österreich 2005
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch: Nikolaus Geyrhalter, Wolfgang Widerhofer




Kinostart: 18.01.2007

 

Ausbeutung von Mensch und Tier

Der Film ist auch ein Generalangriff gegen Hygienewahn und die Vereinheitlichung von Lebensmitteln. Eric Schlosser, der Autor von "Fast Food Nation": "Einheitlichkeit ist nicht schlecht, wenn es um die Herstellung von Präzisionsgeräten und passgenauen Stahlteilen geht. Vereinheitlichung wird aber da zum Problem, wo es um Schweine, Hühner und Rinder geht und die Produkte, die wir aus ihnen machen."

 
Unser täglich Brot, Kinostart: 18.01.2007. Quelle: Alamode
Alamode
Kurzes, qualvolles Kükenleben

 

Linklaters Episoden-Drama zielt nicht zuletzt auf die bittere Wahrheit hinter dem perfekt eingespielten Burger-System: Das billige Nationalgericht der USA ist nur deshalb so billig, weil Schwarzarbeiter in den Fleischfabriken ausgebeutet werden. Illegale Einwanderer aus Mexiko, die nicht viel anders behandeln werden wie billiges Fleisch. Richard Linklater, der Regisseur: "Für mich ist das ganz klar ein Verbrechen gegen den Tierschutz, die körperliche Unversehrtheit und die Natur. Es sollte strafbar sein - als Vergehen gegen Umwelt und Menschenwürde."

 

Billig-Massenware Essen

"Fast Food Nation" ist ein böser, unterhaltsamer Rundumschlag, bei dem Regisseur Richard Linklater nur manchmal etwas zu viel will. Alle kriegen ihr Fett ab. Auch die Tierschützer, ein paar übermotivierte Kids, die Millionen Kühe vor dem Schlachthof retten wollen. So haben sie es sich zumindest gedacht ...

 

Nachts sägen sie das Gatter am Schlachthof auf, doch die Rindviecher bewegen sich einfach nicht. Dumm stehen sie herum und muhen. Keine Beschwörung hilft. "Kommt Babys, wollt Ihr nicht in die Freiheit?", fleht eine Aktivistin in ihrer Verzweiflung. Blöd nur, dass sich Tiere und Menschen in einem sehr ähnlich sind: Die meisten laufen mit der Masse.

 

Infobox

Fast Food Nation, Kinostart: 22.02.2007. Quelle: Senator Film
Senator Film

Fast Food Nation

Episoden-Drama
USA 2006
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Eric Schlosser, Richard Linklater
Darsteller: Patricia Arquette, Luis Guzman, Ethan Hawke, Greg Kinnear, Kris Kristofferson, Avril Lavigne, Bruce Willis u.a.

Kinostart: 01.03.2007