In Hamburg Ohlsdorf liegt der größte Parkfriedhof der Welt. Tausende namenlose Opfer des Feuersturms liegen dort in Massengräbern begraben. Wer den Feuersturm überlebt hat, kann ihn nie mehr vergessen. Eine Wissenschaftlergruppe geht nun der Frage nach, inwiefern dieses Trauma bis heute bei den Betroffenen und ihren Angehörigen weiterlebt.
Unterstützt von der Gerda Henkel Stiftung erforscht ein Team von Wissenschaftlern am Universitätsklinikum Eppendorf erstmals die psychischen Auswirkungen des Feuersturms auf die Überlebenden fachübergreifend. Unterstützt werden die Psychoanalytiker und Psychologen des Krankenhauses von Historiker Malte Thießen.
Alleine 65 Interviews mit 72- bis 91-Jährigen Zeitzeugen konnten bereits im Jahre 2007 durchgeführt werden. Die Wissenschaftler gingen unter anderem auch der Frage nach, ob die Ängste, die Panik, Flucht und das unsagbare Grauen hervorgerufen haben, vielleicht sogar über Generationen weitergegeben wurden. Hunderte von Interviews wurden geführt und umfangreiche Fragebögen sollten systematisch die emotionalen Nachwirkungen des Feuersturms erfassen.

Psychotherapeut Ulrich Lampater vertiefte in Einzelgesprächen die wichtigsten Fragen: Welche Rolle spielt das Ereignis im Leben der Betroffenen? Wie wirken ihre Erzählungen? Und was ist mit ihren Kindern und Enkeln? Vor allem: Was wird erinnert? Im Videoraum zeichneten die Trauma-Forscher die Interviews zur Auswertung auf. Viele Überlebende schieben die Erinnerungen einfach weg, andere bewahren bis heute Erinnerungsstücke auf wie beispielsweise eine im Inferno verbrannte Tasse auf. Die Tasse wurde für eine Zeitzeugin zu einem Symbol der Hoffnung: Sie hatte überlebt, wenn auch mit Blessuren. Aber genau das gab ihr Halt.

Ziel der Forschergruppe war auch, herauszufinden, wie die Betroffenen die Folgen des Feuersturms positiv verarbeiten können. Immer wieder trafen sie sich, werten Hunderte von Einzel- und Gruppengesprächen aus, analysierten Tausende Seiten Fragebögen und stellten schließlich fest: Jeder bewältigt das Trauma auf seine Weise, jeder geht anders damit um. Dennoch gelingt den Wissenschaftlern eine Einordnung der Verarbeitungsmuster.

Was sich ebenfalls herausstellte, war, dass es gibt einen Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Typen gibt, wie sie ihre Erlebnisse verarbeiten und den Ängsten und Krankheiten, die sie daraufhin entwickeln. Für die Forscher ist dies ein wichtiger Durchbruch zur Bewältigung von Kriegstraumata. Die Erkenntnisse lassen sich möglicherweise auch auf andere - heutige - Katastrophen übertragen.
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