Eine volle Haarpracht schützt nicht nur unseren Kopf, sie gilt auch als Schönheitssymbol. Ein täglicher Verlust von etwa 100 Haaren ist normal und nicht sichtbar. Doch was ist zu tun, wenn plötzlich vermehrt kahle Stellen auftreten?
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut. Diese kann jede behaarte Region inklusive Augenbrauen und Wimpern befallen. Im schlimmsten Fall geht die gesamte Körperbehaarung verloren. Einer der bekanntesten Betroffenen ist der ehemalige Fußballschiedsrichter Pierluigi Collina, dessen Glatzkopf zu seinem Markenzeichen wurde.
Die Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt, das körpereigene Immunsystem richtet sich aus unbekannten Gründen plötzlich gegen die Haarwurzeln und bekämpft sie wie körperfremde Eindringlinge. Die Folge ist eine Entzündungsreaktion des Organismus, die sehr schnell zum Verlust der Haare führt.
Gelegentlich ist ein familiär gehäuftes Auftreten zu beobachten. Etwa ein bis zwei Prozent aller Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben unter einer leichteren Form der Alopecia areata. Meist ist dann nur das Kopfhaar betroffen.

Bei manchen liegt nur ein Herd vor, bei anderen sind es mehrere gleichzeitig oder es treten kurz hintereinander immer wieder Herde auf. Die befallenen Bezirke sind typischerweise kreisrund oder oval und scharf begrenzt. Der Durchmesser liegt meist bei etwa drei bis vier Zentimetern. Am Rand der kahlen Stellen finden sich oft dünnere Haare, die gespalten sein können oder leicht abbrechen und wenig Farbe enthalten.
Mediziner bezeichnen diese Haare als "Ausrufezeichen-Haare". Klassische Entzündungszeichen wie Rötungen oder Schuppungen sind nicht vorhanden. Die Areale schmerzen und jucken auch nicht. Bei manchen Betroffenen liegen gleichzeitig Veränderungen der Nägel vor, z.B. Rillen oder Vertiefungen.
Die Diagnose ist für den Arzt in der Regel durch die typischen Veränderungen auf den ersten Blick zu stellen. Es können auch Gewebeproben der betroffenen Bereiche entnommen werden. Darin finden sich mikroskopisch entzündliche Veränderungen rund um den Haarschaft.
Bei den meisten Patienten wachsen die Haare auch ohne Behandlung innerhalb weniger Monate wieder nach. Allerdings kann die Alopecia areata jederzeit wieder aufflackern. Die neuen Haare sind häufig fein und weiß. Erst nach einiger Zeit kommen wieder Haare von gleicher Beschaffenheit und Farbe wie vorher. Die Heilung kann durch kortisonhaltige Präparate unterstützt werden, beispielsweise als lokale Lösung in Form von Injektionen direkt in die kahlen Stellen oder als Tabletten.
Bei stärkerem Befall können Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken und so den Entzündungsprozess stoppen, eingesetzt werden. Allerdings sind dabei starke Nebenwirkungen zu erwarten, außerdem fallen die Haare nach dem Absetzen der Medikamente häufig wieder aus.

Die besten Erfolge sind derzeit mit der Substanz Diphenylcyclopropenon (DCP) zu verzeichnen. Lokal aufgetragen bewirkt die Substanz eine starke allergische Reaktion, also wiederum eine Reaktion des Immunsystems. Damit sind die Immunzellen so eingebunden, dass sie sich nicht länger auf die Haarwurzeln konzentrieren, das Haar kann nachwachsen. Nebenwirkungen sind Rötungen, Juckreiz und Schuppungen im behandelten Areal. Die Behandlung erfolgt einmal die Woche und dauert etwa ein Jahr. Frühestens nach etwa vier Monaten ist mit Erfolgen zu rechnen; bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen wachsen die Haare wieder.
Nach dem Absetzen von DCP ist ein erneuter Haarausfall möglich. Die Therapie kann dann wiederholt werden. DCP ist bisher nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern gilt als Chemikalie. Daher werden die Kosten (etwa 20 Euro pro Behandlung) in der Regel nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen. Eine Haartransplantation hilft bei Alopecia areata nicht, da die Entzündung auf die verpflanzten Haare übergreifen kann.