Die Expedition Ganovex X der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Reiseziel: Antarktis. Die Wissenschaftler der Ganovex X wollen mehr über die Antarktis erfahren, denn sie gilt als eine der Schlüsselregionen, um ein Gesamtbild des geologischen Aufbaus der Erdkruste zu bekommen und somit das System Erde besser zu verstehen. Das ZDF war mit dabei und dokumentierte dieses außergewöhnliche Unterfangen.
Das Basiscamp, die Gondwana Station der BGR, liegt am Rossmeer-Schelf, etwa am 74. südlichen Breitengrad, knapp 1700 Kilometer vom Südpol entfernt. Zudem gab es mehrere Außencamps, um ein möglichst großes Gebiet zu untersuchen. 32 Männer und Frauen - Wissenschaftler, Logistiker, Hubschrauberpiloten und Bergführer - nahmen an der drei Millionen Euro teueren Expedition teil. Keine leichte Aufgabe: Die Temperaturen sind extrem, der Wind stark und 98 Prozent der Kontinentfläche vereist. Mit dem Frachter "Italica" ging es in die Antarktis.

Um eine Expedition dieser Art durchführen zu können, bedarf es enormer logistischer Anstrengungen. Etliche Tonnen Material, alles was die Wissenschaftler in dieser unwirtlichen Region brauchen, vom Toilettenpapier, Treibstoff, Zelt, Nahrung, Medikamenten bis zur persönlichen Ausrüstung muss transportiert werden. 12,5 Tonnen insgesamt, die von Hannover via LKW nach Mailand und dann per Schiff nach Neuseeland gebracht wurden. Dort stiegen dann auch die Wissenschaftler zu. Sieben Tage dauerte die Seereise, über das unruhigste Meeresgebiet der Welt. Am Packeisrand angekommen, wurde das komplette Material per Hubschrauber ins Basislager geflogen. Kontakt zur Außenwelt ist über Funk oder SAT-Telefone möglich - meistens auf jeden Fall, wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht.
Großflächig und dick ist in diesem Jahr das Packeis. Liegt es vielleicht am Klimawandel? Da die "Italica" kein Eisbrecher, sondern nur ein eisverstärktes Schiff ist, navigierte der Kapitän mit äußerster Vorsicht. Würde die "Italica" eingeschlossen vom Eis, könnte es brenzlig werden. Genau so sank auf einer der ersten Ganovex-Expeditionen die "Gotland". Als wäre es Papier, war das Schiff vom Eis aufgerissen worden. Zweimal blieb der Frachter diesmal im Eis stecken. Und obwohl der Kapitän ein erfahrener Antarktisfahrer ist, merkte man ihm seine Anspannung an. Großräumig umfuhr er die Packeisgürtel - das kostete Zeit.
Auf dem weißen Kontinent selbst herrschte Sonnenschein, bei null Grad ohne Wind. Dafür zahlreiche Pinguine und Robben. Gondwana, der einstige Superkontinent, der aus den Landmassen Südamerikas, Afrikas, Australien, Madagaskars und Indien bestand, bildet einen Schwerpunkt der Forschungen. Warum und wie zerfiel dieser Superkontinent, zu dem bis vor 180 Millionen Jahren auch die Antarktis gehörte?, fragen sich die Geologen. Neue Erkenntnisse könnten den Wissenschaftlern helfen, einen Teil des gigantischen Puzzles der Kontinentaldrift zu entschlüsseln. Und das ist wichtig für die Zukunft.
Doch vor der Wissenschaft kommt erst einmal die Logistik. Vier Jahre war die Station nicht besetzt, es gab einiges zu tun. Die Stromgeneratoren sprangen auf Knopfdruck an - so waren die miteinander verbundenen Container, in denen es Werkstatt, Küche, Toilette, Funk- und Arbeitsräume gibt, schnell geheizt. Geschlafen wurde draußen in Zelten. Probleme machten aber die Meerwasseraufbereitungsanlage und einige defekte Leitungen. So deckte das Team seinen Bedarf in der ersten Woche mit Schnee, der allerdings knapp wurde. Acht Tage dauerte der Aufenthalt an der Station. Außerdem wurde das ZDF-Team als offizielles Mitglied der Expedition auch zu Diensten wie Kochen, Wasserholen, Toilette entleeren, etc. eingeteilt.

Komplett eigenständig funktioniert die Station, es gibt auch eine biologische Abwassereinigung. Sämtlicher Abfall aber muss wieder mitgenommen werden. Der Hubschrauber ist das Fortbewegungsmittel in der Antarktis. Drei Maschinen hatte die BGR zur Verfügung, um Wissenschaftler in die Außen-Camps zu fliegen oder um vom Basislager aus weite Entfernungen ins Gebirge zu schaffen. Quads und Schneemobile waren auch vorhanden. Einen Arzt gab es nicht im Expeditionsteam. Das nächste Krankenhaus ist rund 500 Kilometer entfernt - das ist kein Papenstiel in der Antarktis. Deshalb müssen alle Teilnehmer sehr fit sein und einen gründlichen Gesundheitscheck über sich ergehen lassen. Und das ist nur eine von mehreren Voraussetzungen, um überhaupt in die Antarktis zu dürfen. Ein mehrtägiger Kursus "Überlebenstraining Eis" ist genauso unabdingbar.
Insgesamt drei Wochen waren die Polarforscher und das ZDF-Team mit Oliver Deuker und Ulf Neumann auf Spurensuche in der Antarktis. Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad kein leichter Job. Ob bei Ausflügen mit Quad und Schneemobil oder bei Hubschrauber-Flügen in die Außencamps: Es ging über riesige Gletscher und gewaltige Felsmassive. Hier wurde die unglaubliche Weite des Kontinentes sichtbar. Alle Beteiligten bekamen Respekt - Respekt vor der Leistung der Entdecker und Eroberer dieser Eiswüste, die zu Fuß oder mit Hunden, wesentlich schlechter ausgerüstet, den Südpol bezwangen.
Ganovex X hat "neue Erkenntnisse geliefert, mit denen wir die Prozesse, die zur Entwicklung des heutigen antarktischen Kontinents geführt haben, besser verstehen können", so Dr. Andreas Läufer, einer der beiden Expeditionsleiter der BGR. "Weitere Ergebnisse erwarten wir von den Laboruntersuchungen der mitgebrachten Gesteinsproben." Und das waren immerhin drei Tonnen. Mit gut 15 Stunden Drehmaterial kamen Oliver Deuker und Ulf Neumann nach Deutschland zurück, wo es ihnen kälter vorkam als auf dem weißen Kontinent.