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21. November 2009
 

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Jerusalem: hierher wollte Hitler den Holocaust tragen

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Holocaust in Palästina

Hitlers geheime Pläne jetzt enthüllt

Was bisher niemand wusste: Die Nationalsozialisten planten eine Ausweitung des Holocaust auf das damalige Palästina und wollten mit arabischer Unterstützung die Entstehung eines jüdischen Staates verhindern. Dies haben die beiden Historiker Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers herausgefunden.

 
 
 
 

Der Plan sah so aus: die Nazis hatten in Athen eine Truppeneinheit in Bereitschaft gehalten, die etwa 500.000 aus Europa geflohene Juden ermorden sollte. Dieses Einsatzkommando war Erwin Rommels Afrikakorps unterstellt.

 

Streng geheim

Vermutlich hat Rommel von der SS-Todesschwadron nichts gewusst. Ihre Existenz war streng geheim, ihr Einsatz heimlich von Hitler und Himmler beschlossen. Hätte der von den Nazis gefeierte Rommel 1942 die britischen Truppen in Ägypten geschlagen und wäre anschließend bis nach Palästina vorgedrungen, hätte das Einsatzkommando den Auftrag erhalten, die Juden in Palästina zu töten.

 

Das SS-Einsatzkommando sollte nach dem Muster der massenhaften Judenvernichtung in Osteuropa arbeiten. Allerdings räumt Klaus-Michael Mallmann ein: "Das Einsatzkommando selber war lächerlich, muss man sagen. 24 Mann stark. Allein hätte es den Massenmord gar nicht durchführen können. Es wäre wohl verstärkt worden."

Adolf Hitler. Quelle: NA
NA
Hitler schickte heimlich ein SS-Kommando mit Rommel

Rauff-Truppe

Leiter des geheimen SS-Kommandos war Walter Rauff, Experte für Massenmord. Er hatte mobile Gaskammern entwickelt, die in Osteuropa eingesetzt wurden.

Trotz vieler Dokumente über die Rauff-Truppe verschwand das Wissen mit Kriegsende in den Archiven. Die Historiker Mallmann und Cüppers setzen das Puzzle in ihrem Aufsatz "'Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina'. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika 1942" wieder zusammen. Dabei hätte der Holocaust-Plan in Palästina schon viel früher entdeckt werden können.

 

Hitler als Volksheld

Klaus-Michael Mallmann: "Es existiert ein genaues Gesprächsprotokoll, was seit vielen Jahren veröffentlicht ist, wo auch von der Vernichtung der Juden in Palästina die Rede ist. Das hat man bis jetzt nicht für wörtlich zu nehmen. Es ist aber für wörtlich zu nehmen."

 

Viele Juden flüchteten vor dem Holocaust nach Palästina und hofften auf den Schutz der Engländer. Gleichzeitig leisteten die Araber gewaltsamen Widerstand gegen die ungeliebten britischen Besatzer. Hitler galt in Teilen der Bevölkerung als Volksheld, der sie von Briten und Juden gleichermaßen befreien könnte.

 

"Eine Schnittmenge"

Klaus-Michael Mallmann: "Man sieht, dass es damals eine gewisse Achse gab zwischen dem Dritten Reich, dem faschistischen Italien und Teilen der arabischen Welt. Ich sage nicht, 'der arabischen Welt insgesamt', ich sage auch nicht 'der gesamten muslimischen Welt' aber Teilen. Und da gab es eine Schnittmenge von gemeinsamen Interessen."

Der Holocaust. Quelle: ZDF
ZDF
Gedenken an den Holocaust

Die braunen Machthaber wollten sich diese Deutschfreundlichkeit eines Teils der palästinensischen Bevölkerung für ihre Pläne zunutze machen. "Bedeutendster Kollaborateur der Nationalsozialisten und zugleich ein bedingungsloser Antimsemit auf arabischer Seite war Hadsch Amin el-Husseini, der Großmufti von Jerusalem", schreiben Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers. In seiner Person habe sich exemplarisch gezeigt, "welch entscheidende Rolle der Judenhass im Projekt der deutsch-arabischen Verständigung einnahm".

 

Endlösung übernehmen

Der erklärte Antisemit el-Husseini floh 1941 vor den Briten nach Berlin und plante zusammen mit den Nazis die Judenvernichtung. Bei mehreren Treffen mit Adolf Eichmann seien Details der geplanten Morde festgelegt worden. Und Hitler versprach er, genügend willige Araber zu mobilisiern. Sie sollten als Schergen die Endlösung übernehmen - über die Art und Weise lässt sich allerdings nur spekulieren. "Aber es wäre wahrscheinlich weit mehr in militärischen Formen abgelaufen, denn die Juden Palästinas waren auch bewaffnet", so Klaus-Michael Mallmann. "Es wäre zu wilden Schiessereien gekommen, dominant Araber gegen Juden in Palästina."

 

"Die Geschichte des Nahen Ostens wäre völlig anders verlaufen und ein jüdischer Staat hätte dort wohl nie gegründet werden können, wenn das Vorhaben von Deutschen und Arabern gemeinsam in die Tat umgesetzt worden wäre", schreiben Mallmann und Cüpppers.

 

Ausweitung des Massenmords

Nur die Niederlage Rommels Ende 1942 in Ägypten gegen die britische Armee habe eine Ausweitung des Massenmords verhindert, so die beiden Historiker in ihrem Aufsatz in dem gerade erschienenen Sammelband "Deutsche, Juden, Völkermord - Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart". Im Herbst erscheint von gleichem Autorenduo ein ganzes Buch zum geplanten Holocaust in Palästina.

 

Infobox

Klaus-Michael Mallmann, Jürgen Matthäus: Völkermord. 2006. Quelle: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Deutsche, Juden, Völkermord - Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart

von Klaus-Michael Mallmann, Jürgen Matthäus (Hrsg.)
Wissenschaftliche Buchgesellschaft
März 2006
ISBN 3534184815

Preis: 59,90 Euro