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Rückkehr der Sintflut

 
Rheinufer in Düsseldorf. Quelle: dpa
In Zukunft wird das Thermometer häufiger über 30 Grad Celsius steigen.

Hitzewellen und tropische Krankheiten

Der Klimawandel hat Folgen für die Gesundheit

von Dagmar Reuber

Hitzewellen im Sommer, milde Winter ohne Frost, deutlich mehr Niederschläge: Das sind die Trends, die die Klimaforscher für Europa vorhersagen. Die Klimaveränderungen werden sich auf den Alltag und die Gesundheit der Menschen auswirken. Aber auch die Lebenszyklen der Tiere, die Krankheiten übertragen, ändern sich.

 
 
 
 

Wenn die Szenarien der Klimaforscher zutreffen, wird die Durchschnittstemperatur um circa zwei Grad Celsius ansteigen - im günstigsten Fall. Das bedeutet für Mitteleuropa unter anderem, dass die Sommer heißer und trockener werden. Bei Hitzewellen, wie zum Beispiel im "Jahrhundertsommer" 2003, steigt die Sterberate rasant an. So gab es damals im Vergleich zu den Vorjahren 1998 bis 2002 europaweit über 70.000 mehr Tote als erwartet, davon rund 9000 allein in Deutschland.

 

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Hitze-Kollaps

Bei extremen Temperaturen sind vor allem geschwächte, ältere und kranke Menschen und Kleinkinder in Lebensgefahr: "Ihr Thermoregulations-System ist überfordert", sagt Dr. Klaus Bucher, Medizinmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Aber auch Gesunde sollten ihren Körper bei Hitze nicht zusätzlich belasten, zum Beispiel durch Sport.

Erlenkätzchen. Quelle: ZDF
ZDF
Erle: Der Beginn ihrer Blüte hat sich nach vorne verschoben.

Nur noch einen Monat pollenfrei

Eine weitere direkte Folge des Klimawandels spüren seit einigen Jahren die Pollenallergiker. Für sie beginnt die Leidenssaison inzwischen früher und endet später. "Man hat festgestellt, dass sich der Blühbeginn zum Beispiel von Hasel oder Erle aufgrund der milden Winter nach vorne verschiebt - durchschnittlich um zwei, manchmal sogar um vier bis sechs Wochen", sagt Medizinmeteorologe Bucher.

 

Hinzu komme, dass sich in unseren Breiten zunehmend Pflanzen ansiedelten, deren Blüte spät im Jahr beginne - bis in den Oktober hinein. Als Beispiel nennt der Experte die nordamerikanische Ambrosia, deren Pollen zudem besonders aggressiv seien. Insgesamt könnte die "pollenfreie Zeit" bald nur noch einen einzigen Monat währen, befürchtet er.

 Quelle: dpa
dpa
Zecken: Überträger von FSME und Borreliose

Gutes Wetter für Wirtstiere

Durch das veränderte Klima werden möglicherweise auch vektorbedingte Krankheiten zunehmen. Ihre Erreger - Viren, Bakterien oder Einzeller - werden zum Beispiel durch Insekten, Zecken oder Mäuse (Vektoren) übertragen. Einige dieser Erkrankungen sind bereits in Europa verbreitet, wie die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und die Borreliose. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich weiter ausbreiten, ist groß: je milder die Winter, desto größer die Überlebenschancen für die Erreger und ihre Überträger, die Zecken.

 

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"Rückkehr der Sintflut" im ZDF

Das ZDF zeigt den Zweiteiler "Rückkehr der Sintflut" am 15. und 22. April um 20.15 Uhr.

 

Ähnliches gilt für einige der vektorbedingten Krankheiten, die als Tropenkrankheiten gelten und bislang höchstens vereinzelt in Europa aufgetreten sind. Doch sie könnten dank globaler Erwärmung in gemäßigten Zonen heimisch werden. Ein Beispiel für diese von Experten bezeichneten "emerging diseases" ist das West-Nil-Fieber: "Das könnte auch bei uns auftreten", sagt Professor Alexander Kekulé, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle. Jedes Jahr sterben zwischen rund 200 Menschen an dieser Infektion, die meisten allerdings in den USA.

 

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West-Nil-Fieber

Bei einer West-Nil-Virus-Infektion entwickelt jeder fünfte Infizierte eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, das West-Nil-Fieber. Bei jedem 150. Infizierten kommt es etwa zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, die in seltenen Fällen tödlich endet. (Quelle: Robert Koch-Institut, Berlin)

 

Das West-Nil-Virus gelangt über Stechmücken in Zugvögel. Wenn der Sommer sich in die Länge zieht, verweilen sie in ihren nördlichen Nistgebieten - und mit ihnen die Parasiten. Hinzu kommt, dass diese sich in warmen Wintern besonders wohlfühlen: "Die Insektenlarven überleben, schlüpfen früher und in größerer Zahl", erklärt Kekulé.

 

Auch bei der Verbreitung des von Mäusen übertragenen Hanta-Virus, das auch in Deutschland schon häufiger aufgetreten ist, spielt der Lebenszyklus der Überträger (Vektoren) eine große Rolle. In wärmeren Sommern finden die Tiere mehr Nahrung und vermehren sich stärker. In milderen Winter werden sie und ihre Parasiten zudem nicht so stark dezimiert - bislang war diese natürliche Auslese ein wichtiges Regulativ.

 

Neue Krankheiten breiten sich aus

Sowohl das Hanta-Virus als auch zum Bespiel das von der Aedes-Mücke übertragene, allerdings wesentlich seltenere tropische Chikungunya-Virus, das Fieber, Muskel- und Gelenkbeschwerden verursacht, gehören auf die Liste der "emerging diseases". Ein weiterer Kandidat könnte der Erreger der Leishmaniose sein, der schon heute in Südeuropa verbreitet ist und durch Sandmücken übertragen wird. Die europäische Form äußert sich vor allem durch Hautgeschwüre. Allerdings braucht dieser Parasit nicht nur Wärme zum Wohlfühlen, sondern auch dreckiges Wasser.

Stechmücke. Quelle: dpa
dpa
Einige Stechmückenarten übertragen Tropenkrankheiten

"Es wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit 'neue Krankheiten' geben", fasst Professor Kekulé zusammen. Welche das tatsächlich sein werden, ist nicht sicher vorherzusagen. Denn nicht immer sind nur allein die Temperaturen oder die Hygiene für die Ausbreitung ausschlaggebend. So können sich zum Beispiel auch die durch bestimmte Stechmückenarten übertragene Malaria oder das Dengue-Fieber nur dann gefährlich ausbreiten, wenn genügend geeignete Brutstätten vorhanden sind. Vereinzelte kleine Ausbrüche dieser Krankheiten halten Experten aber auch in Mitteleuropa für durchaus möglich.