Seit 27 Monaten sucht Oliver Leischner aus Wertheim in Bayern nach seiner Tochter Lorena. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Mutter mit Lorena untergetaucht - als Folge eines Sorgerechtsstreits. Behörden und Polizei tappen im Dunkeln.

Immer wieder betrachtet Oliver Leischner gemeinsam mit seiner Freundin Ellen Goldschmitt die Fotos seiner geliebten Tochter. Doch die Bilder der kleinen Lorena lösen keine Glücksgefühle bei ihm aus, im Gegenteil, sie machen ihn traurig. Seit mehr als zwei Jahren sucht Oliver Leischner nun schon nach seiner Tochter.
"Wenn ich die Fotos sehe, weiß ich teilweise sogar noch, was sie dabei gesprochen hat. Was wir dabei erlebt haben, das sind Erinnerungen an Erlebtes mit ihr", sagt der 44-Jährige traurig. Immer wieder fragen er und seine Freundin sich, wie Lorena wohl heute aussieht, wie es ihr geht, und lassen Revue passieren, wie es zu dem Kindesentzug kommen konnte:
Im Mai 1999 heiratet Oliver Leischner seine damalige Lebensgefährtin Eva S. Die Goldschmiedin und der Mercedes-Benz-Angestellte sind überglücklich. Alles scheint in bester Ordnung. Ein Kind soll ihre Liebe krönen. Oliver Leischner erinnert sich: "Als wir zusammen gekommen sind, da war sie eigentlich ein Mensch, der keinen Streit gesucht hat, eigentlich sehr harmonisch sein wollte." Mit den Jahren aber habe sie sich sehr verändert.

Die Probleme fangen während der Schwangerschaft an und verstärken sich nach Lorenas Geburt. Eva S. habe sich vollkommen auf ihre Tochter fixiert und sich nach außen hin abgeschottet, sagt Oliver Leischner. Er selbst und alle anderen seien ihr mehr und mehr egal geworden.
Die Krise zwischen den Eheleuten spitzt sich zu. Für Oliver Leischner wird die Situation irgendwann unerträglich. Er beschließt, sich zu trennen, hofft jedoch, dass sie im Guten auseinandergehen könnten - natürlich auch Lorena zuliebe. Doch seine Frau reagiert sehr verletzt, verschwindet für etliche Wochen mit dem Kind nach Österreich, ohne ihm Bescheid zu geben. Es folgt ein großer Streit. Danach kommunizieren die Eheleute nur noch über Anwälte.
Zunächst haben beide das gemeinsame Sorgerecht. Doch der Kontakt zu seiner Tochter wird Oliver Leischner immer schwerer gemacht. Die Mutter habe immer wieder Termine kurzfristig bzw. wegen Krankheiten des Kindes abgesagt, erinnert sich der Vater. Die Situation spitzt sich zu, als seine Ex-Frau das alleinige Sorgerecht beansprucht. Als der Antrag abgelehnt wird, verlässt Eva S. Würzburg und zieht mit dem Kind in den äußersten Norden Deutschlands - mehr als 600 Kilometer von Lorenas Vater entfernt. Die Beziehung zwischen Oliver Leischner und seiner Tochter wird noch komplizierter.
Schließlich greift Eva S. zum härtesten Mittel: "Von meiner Ex-Frau wurde mir vorgeworfen, dass ich meine Tochter sexuell missbraucht haben soll. Das war einer der schlimmsten Tage in meinem Leben, als ich das erfahren hatte.", erzählt Oliver Leischner. Noch heute ist er schockiert.
Für den Vater jedoch wendet sich der Vorgang zum Guten. In zwei unabhängigen Gutachten wird Oliver Leischner vom Verdacht des sexuellen Missbrauchs eindeutig freigesprochen. Die Gutachter halten Lorenas Aussagen für manipuliert - und zwar von der eigenen Mutter. Hinzu kommt, dass Eva S. mit 17 Jahren selbst vergewaltigt wurde - laut Gutachten übertrug sie diese Erfahrung auf ihre Tochter.
Gerichtlich wird nun beschlossen, dass Lorena sofort in die Obhut ihres Vaters kommen soll, sie bei der Mutter nicht mehr gut aufgehoben sei. Doch als Oliver Leischner mit dem Gerichtsvollzieher im Juli 2007 das Kind abholen will, ist Eva S. längst über alle Berge.
Hinweise zum Aufenthaltsort von Lorena nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Oder schreiben Sie eine E-Mail an hallod-online@zdf.de.
Oliver Leischner erstattet Anzeige. Über den Stand der Ermittlungen erklärt Frauke Wilken von der Staatsanwaltschaft Oldenburg: Die Ermittlungsmaßnahmen hätten bislang nicht dazu geführt, aufzuklären, "wo das Kind und wo die Mutter sich befindet. Im Einzelnen haben wir auch versucht, an die Eltern der Mutter heranzutreten, also an die Großeltern des Kindes, sie sind als Zeugen befragt worden, sie haben sich allerdings auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Das ist in diesen Fällen so, dass Verwandte nichts sagen müssen, und dieses Recht haben sie wahrgenommen. Es ist auch eine Durchsuchung bei den Großeltern gewesen mit dem Ziel, den Aufenthaltsort des Kindes und der Mutter herauszubekommen, auch das hat aber letztendlich nicht zum Ziel geführt."

Oliver Leischner sucht weiter verzweifelt nach seiner Tochter. Damals wie heute stellt er sich immer wieder dieselben Fragen: "Häufig denkt man, was macht sie jetzt? Wo ist sie? Geht sie in die Schule? Hat sie Freunde? Ja, man fragt sich einfach, was macht sie im Moment?" Viel hat er in den vergangenen Jahren unternommen, um Lorena zu finden. Doch alle Bemühungen waren bisher umsonst. Die Ungewissheit belastet sowohl ihn als auch seine Lebensgefährtin Ellen schwer.
Lorena hat blaue Augen, blonde Haare und eine kleine Narbe unter dem linken Auge. Mögliche Aufenthaltsorte: Deutschland, Österreich, Spanien (Mallorca). Lorena hat bereits 2007 das Reiten als Hobby ausgeübt (Führzügelklasse). Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie auch heute noch dasselbe Hobby ausübt. Informationen auch auf der Website der Initiative für vermisste Kinder.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)
Jetzt hat der 44-Jährige nur noch eine Hoffnung. Er wendet sich an die Öffentlichkeit: "Wenn irgendjemand einen Hinweis geben kann, wo sie sich aufhält oder was sie macht, dann bitte an jede Polizeidienststelle weiterleiten. Danke! Ich werde nicht aufgeben, Lorena zu suchen". Oliver Leischner hofft auf die Mithilfe der Bevölkerung. Viel mehr ist ihm nicht geblieben. Denn mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt, obwohl es das Jugendamt nicht für gut hält, dass Lorena bei ihrer Mutter aufwächst.
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