Die bisher größte Rückrufaktion für Kreditkarten ist in vollem Gange. Sie war nötig geworden, nachdem Kundendaten vermutlich bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister gestohlen wurden. Die betroffenen Kunden wurden zwar direkt angeschrieben, dennoch empfiehlt es sich, die Kreditkartenabrechnung genau zu überprüfen und im Zweifelsfall seine Bank zu kontaktieren.
Die Kreditkarten-Rückrufaktion wird voraussichtlich Hunderttausende Kunden sämtlicher deutscher Bankinstitute erfassen, die Karten von Visa- und Mastercard besitzen. Dies bestätigte ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) am Mittwoch. Die betroffenen Verbraucher seien bereits informiert worden. Wer in den kommenden Tagen kein Schreiben erhalte, sei laut ZKA auch nicht betroffen.
Wie viele Kunden insgesamt von dem Datenklau betroffen sind, konnte der ZKA aber nicht angeben. Allein bei den Volks- und Raiffeisenbanken sollen es 60.000, bei den Sparkassen 190.000 Karten sein, die ausgetauscht werden. Einige Kunden der Postbank sind vermutlich schon zu Schaden gekommen: Die Bank bestätigte Kundenbeschwerden über Unregelmäßigkeiten und Fehlbeträge.
Über die Hintergründe und das Ausmaß des Missbrauchs herrscht weiterhin Unklarheit. Eine Sprecherin von Visa Europe wollte wegen der laufenden Ermittlungen keine weitergehenden Auskünfte über den Vorfall geben - weder darüber, wer der Dienstleister in Spanien ist, noch wie viele Visa-Karten genau ausgetauscht würden oder wie ein Missbrauch mit den Daten funktionieren könnte. Auch Mastercard wollte keine Einzelheiten nennen.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigt sich angesichts der unklaren Informationslage zerknirscht: "Wir wissen auch nichts Genaues, wir erfahren auch täglich aus der Presse neue Dinge, die sich zum Teil auch widersprechen. Wir wissen nicht genau, welche Firma attackiert worden ist, welche Banken betroffen sind, all das ist völlig unklar."
Ebenso wenig kann sie den Kreis der Betroffenen umreißen: Anfangs sei nur von Verbrauchern die Rede gewesen, die in den letzten Wochen in Spanien waren und dort ihre Kreditkarte benutzt haben. "Dann hieß es, alle Menschen, die in diesem Jahr in Spanien waren und dort die Karte benutzt haben, seien betroffen. Inzwischen ist es so, dass auch Kreditkarteninhaber betroffen sein sollen, die gar nie in Spanien waren." Daher sollten sich besorgte Kunden, die nicht angeschrieben wurden, an ihre Bank wenden und um eine Überprüfung bitten.
Laut Auskunft des ZKA kommt die Kreditwirtschaft selbst für die Schäden auf, die durch den Datenmissbrauch entstehen. Vom Kartenbesitzer nicht autorisierte Buchungen müssen unverzüglich der Bank gemeldet werden. Diese gleicht den Fehlbetrag aus. Geschädigte Kunden sollten darauf bestehen, auch möglicherweise angefallene Überziehungszinsen erstattet zu bekommen. Die Kreditkartenunternehmen werden Rückbuchungen nicht von selbst tätigen: Wer nicht reagiert, bleibt auf dem Schaden sitzen!
Bei Falschbuchungen aus dem Ausland sollte der Hinweis ausreichen, dass der Kunde im fraglichen Zeitraum nicht vor Ort gewesen ist. Die Bank kann die Haftung bei nachgewiesener Fahrlässigkeit des Kunden aber ablehnen, etwa wenn er die PIN nicht geheim gehalten oder die Kreditkarte nicht sorgfältig aufbewahrt hat. Wenn es sich aber um einen nicht autorisierten Zahlungsvorgang handelt, dann haftet der Zahlungsdienstleister.

Verbraucher sollten ihre Karte sorgfältig und von der PIN getrennt aufbewahren. Somit schützt man sich immerhin vor dem Missbrauch durch Diebe. Gegen Hackerangriffe auf Kreditkarten-Dienstleister und Datenmissbrauch in den Unternehmen ist der Verbraucher allerdings machtlos. Hier müssen die Kreditkarten-Anbieter selbst Sicherheitsvorkehrungen treffen. Trotz der immer wieder bekannt werdenden Fälle von Datenmissbrauch halten auch Verbraucherschützer die Kreditkarte nach wie vor für ein relativ sicheres Zahlungsmittel, das vor allem auf Reisen oftmals praktischer ist, als große Summen Bargeld bei sich zu tragen.
Allerdings sollte gerade beim Einsatz im Ausland oder im Internet auf die Seriosität des Händlers geachtet werden. Seriöse Internetseiten zeichnen sich etwa durch Qualitätssiegel oder Merkmale wie eine verschlüsselte Verbindung beim Zahlungsvorgang aus. Beim Bezahlen im Laden sollte die Karte nicht aus den Augen gelassen werden. Bei Verdacht auf Kartenmissbrauch sollten Sie Ihre Karte sofort sperren lassen: Der zentrale Sperr-Notruf ist gebührenfrei und lautet 116 116.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband forderte die Banken auf, ihre Kunden über Missbrauchsfälle schneller zu informieren und für mehr Schutz der Daten zu sorgen. Die Dienstleister müssten zudem sicherstellen, dass ihre Systeme nicht von außen geknackt werden. Verbrauchern raten sie zu erhöhter Aufmerksamkeit und dazu, ihre Kontoauszüge regelmäßig zu kontrollieren.