Zwei Jahre sind seit Einführung der ersten Umweltzonen vergangen. Mittlerweile sind es deutschlandweit 40 Städte, die dem Feinstaub den Kampf angesagt haben. Wie sieht die Bilanz aus?
Man sieht ihn nicht, und doch ist er da: Feinstaub - das sind winzige Teilchen mit großer Wirkung. Sie stammen aus Industrieanlagen, Heizungen und vor allem aus dem Straßenverkehr. Die Partikel sind so klein, dass sie in Nase und Rachen nicht hängenbleiben, in die Lunge und somit in unseren Körper gelangen. Dort können sie Entzündungen, Asthma oder sogar Krebs auslösen. Laut einer Studie sterben europaweit jährlich 310.000 Menschen an den Folgen von Feinstaub, in Deutschland allein 65.000.

Seit 2005 erlaubt eine EU-Richtlinie eine Tagesobergrenze von maximal 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, die höchstens an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden darf. Der Jahresmittelwert soll nicht über 40 Mikrogramm liegen. Ein Wert, der gerade in Ballungszentren mit hohem Verkehrsaufkommen nur schwer einzuhalten ist.
Um die Feinstaubbelastung zu reduzieren, richteten in den letzten zwei Jahren 40 Städte in Deutschland Umweltzonen ein, die von Fahrzeugen mit hohen Feinstaubemissionen nicht durchfahren werden dürfen. Mit mäßigem Erfolg. Eine traurige Bilanz gibt es beispielsweise in Stuttgart. An einer Messstation wurde im vergangenen Jahr der Grenzwert an 111 Tagen überschritten. Auch in München sieht es trüb aus. An der schon berühmt gewordenen Landshuter Allee verzeichnete man 52 Überschreitungen. Deutschlandweit haben im vergangenen Jahr 23 der 408 Messstationen die Grenzwerte an mehr als 35 Tagen überschritten.
In Umweltzonen dürfen nur noch Fahrzeuge fahren, die entsprechende Schadstoffstandards einhalten. Die Schadstoffklasse muss mit einer entsprechenden Plakette ausgewiesen werden. In die Schadstoffgruppe 1 fallen Fahrzeuge mit dem höchsten Schadstoffausstoß. Sie erhalten keine Plakette und damit Fahrverbot in Umweltzonen. Gruppe 2 (rote Plakette) und Gruppe 3 (gelbe Plakette) gelten nur für Dieselfahrzeuge. Gruppe 4 (grüne Plakette) gilt für Fahrzeuge mit modernster Dieseltechnik oder Rußpartikelfilter sowie für Benziner mit geregeltem Katalysator. Sie haben in allen Umweltzonen freie Fahrt. Ob man mit einer roten oder gelben Plakette in eine Umweltzone fahren darf, hängt von den Bestimmungen in der jeweiligen Stadt ab.

Einige Städte haben auf die schlechten Messergebnisse reagiert. In Bremen und Frankfurt dürfen seit dem ersten Januar keine Fahrzeuge mehr mit roter Plakette in die Umweltzone einfahren, in Hannover und Berlin ging man noch weiter. Dort müssen Fahrzeuge mit roter und gelber Plakette draußen bleiben. Trotz dieser Maßnahme wurde in Berlin allein im Januar schon an mehreren Tagen der Grenzwert überschritten - hervorgerufen durch austauscharme Wetterlagen.
Dass Umweltzonen trotzdem die Feinstaubbelastung reduzieren, zeigt eine Untersuchung, die das Institut für Epidemiologie des Helmholtz-Zentrums in München durchgeführt hat. Danach haben die Messstationen nach Einführung der Umweltzone in München durchschnittlich zehn Prozent weniger Feinstaubpartikel gemessen.
Dies erscheint zunächst nicht viel. Allerdings sieht die Rechnung schon anders aus, wenn man berücksichtigt, dass Feinstaub zu 80 Prozent aus weniger gesundheitsgefährdenden Stoffen wie beispielsweise Blütenpollen oder Sahara-Sand besteht. Die restlichen 20 Prozent sind die wirklich gefährlichen Rußpartikel, die aus der Verbrennung von Kraftfahrzeugmotoren, speziell Dieselmotoren stammen. Von diesen gefährlichen Partikeln wurden nur noch halb soviel gemessen, was durchaus bemerkenswert sei, meint Professor Wichmann vom Helmholtz-Zentrum.
Doch um die EU-Toleranzgrenzen einhalten zu können, werden weitere Maßnahmen notwendig sein. In München denkt man beispielsweise an Ampelschaltungen, die bei hohen Belastungen weniger Autos in die Stadt lassen. Erst ab 2012 dürfen hier nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Umweltzonen.
Das Problem mit dem Feinstaub hat man noch nicht gelöst, da steht schon die nächste Richtlinie aus Brüssel an, die seit dem ersten Januar erfüllt werden muss, nämlich die Reduzierung der Stickstoffdioxidbelastung in der Luft. Sie stammt überwiegend aus dem Verkehr.
Hier überschreiten die Städte die für diesen Stoff geltenden Grenzwerte noch um ein Vielfaches. Falls Deutschland das Schadstoff-Problem nicht in den Griff bekommt, drohen empfindliche Geldstrafen aus Brüssel. Es bleibt also noch einiges zu tun.