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 Quelle: ZDF
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Fordlandia

von Eduardo Sguiglia

Brasilien in den 20er Jahren: Der erfolgreiche Unternehmer Henry Ford stampft eine Stadt mitten aus dem Dschungel von Amazonien. Der Roman "Fordlandia" erzählt vom Aufbau und Scheitern eines Projekts, das in der Industriegeschichte längst vergessen ist.

 
 
 
 

Henry Ford verkörperte mit seinem Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen an die Spitze der Unternehmer den vollendeten amerikanischen Traum. Berühmt wurde er durch die Einführung von Fließbandarbeit und das Ford-Modell "Tin Lizzy", das erste Auto für "Jedermann".

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Buchcover

Machtkämpfe im Hause Ford

Die Ford Motor Company, in den 20er Jahren das größte der Welt, leitete er mit strenger Hand und unbedingtem Machtanspruch. Bald ärgerte es Ford, dass der Markt für Autoreifen von britischen Firmen wie Goodyear beherrscht wurde. Um die Konkurrenz auszustechen, erstand er 25.000 Quadratkilometer Amazonasgebiet von der brasilianischen Regierung. Dort wurde jetzt eigener Kautschuk für die Ford-Produktion angebaut. Zwei Welten trafen aufeinander: westliches Erfolgsstreben und die Wildheit des Dschungels - eine Auseinandersetzung, die der Roman "Fordlandia" von Eduardo Sguiglia aufgreift.

 

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Verlosung

Die Buch "Fordlandia" haben gewonnen: Frau M. von Weihe, Herr F. Kuhnert und Frau J. Lang. Herzlichen Glückwunsch!


Henry Ford ist von seinem Projekt am Tapajos, einem Nebenfluss des Amazonas, überzeugt. Zweifel seines Sohnes Edsel ignoriert er. Zwar hat er Edsel inzwischen zum Präsident des Ford-Konzerns ernannt, doch hinter den Kulissen bleibt er selbst zeitlebens der Kopf des Unternehmens. Lediglich sein enger Vertrauter Thomas Edison unterstützt ihn bei dem brachialen Vorhaben, das Kautschuk dem unwegsamen Urwald abzugewinnen. Ein regelrechter Kampf um die Macht im Hause Ford begleitet die Planungen im Roman "Fordlandia". Der argentinische Schriftsteller Eduardo Sguiglia verknüpft die beunruhigenden Erzählungen aus Detroit mit den Abenteuern eines argentinischen Ingenieurs am Tapajos.

Henry Ford

Zusammenprall der Kulturen

Sguiglias Held geht in Santarém an Bord eines Flussdampfers. Sein Ziel ist die Stadt "Fordlandia", benannt nach ihrem Schöpfer Henry Ford. Hier soll er für die hochtrabenden Pläne des Automobilherstellers Arbeitskräfte anwerben. Es erwartet ihn eine penibelst saubere Reißbrettsiedlung, die Platz für mehrere tausend Einwohner Platz hat. Die Retortenstadt im Dschungel bietet einen Tanzsalon, Kinounterhaltung, Restaurants und ein Krankenhaus. Die Stromversorgung regelt ein eigenes Elektrizitätswerk. Alles funktioniert nach dem Vorbild einer perfekten US-Kleinstadt - aber vielleicht ein wenig zu perfekt.

Der Argentinier stößt bald auf Probleme. Die ansässigen Indianer reißen sich nicht gerade um die Arbeit. Ein präzise auferlegter Tagesablauf schreckt sie trotz guter Bezahlung ab. Denn in Fordlandia ist der Tagesrhythmus durch Sirenen geregelt, die morgens, mittags und abends über die ganze Stadt schallen. Nur englisches Radio und Kino darf gespielt werden, außerdem ist Alkoholkonsum gänzlich untersagt. Und das nordamerikanische Essen stößt den Indios bitter auf. Zugleich lernt der Ingenieur die erdrückende Macht des Urwalds kennen, als er sich während einer Jagd verirrt und fast dem Wahnsinn erliegt. Kurz darauf befällt dann auch noch ein Pilz die Kautschukbäume, der nur durch einen Flächenbrand zu stoppen ist.

Emotionen im Dschungel

Sguiglia gelingt mit seinem Roman "Fordlandia" eine Mischung historischer Tatsachen und der Abenteuerfiktion des Argentiniers. Pioniergeist und Machtpoker sorgen für spannende Unterhaltung mit einem überraschenden Finale. Die Fakten böten zwar genug Stoff für ein Sachbuch, dennoch will Sguiglia mit seinem Roman vor allem die Emotionen und die Atmosphäre des Unternehmens am Tapajos einfangen. Dabei nimmt der brasilianische Urwald eine wichtige Rolle ein. Er wird als lebendige Naturmacht dargestellt, die sich gegen die industriellen Fortschritte zur Wehr setzt.

Eduardo Sguiglia, hauptberuflich Professor an der Universität von Buenos Aires, offenbart hier seine Wurzeln in der Sozialwissenschaft. Mit seiner Neuauflage der Zivilisationskritik erhält der Roman "Fordlandia" eine Doppelbödigkeit, die sich von einer Abenteuergeschichte abhebt.

 

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Fordlandia.

von Eduardo Sguiglia
Europa-Verlag, Hamburg 2002
288 Seiten, 18,90 Euro