Wer träumte nicht schon einmal davon, alles hinter sich zu lassen, fremde Welten zu erkunden und für eine Zeit lang auszusteigen? In Südafrika, im nördlichen Krügerpark, ist das möglich: Hier können sich Touristen zum Ranger ausbilden lassen. In einem mehrwöchigen Kurs kann ein staatlich anerkannter Abschluss erworben werden, der es den Gästen ermöglicht, anschließend in einer der vielen privaten und staatlichen Lodges Südafrikas zu arbeiten. Für so manchen ist dieser Ranger-Kurs nur eine unkonventionelle Form seines Urlaubs. Für andere ist er eine Möglichkeit, hier neue berufliche Perspektiven zu finden.
Eine Autopanne im Busch: Das ist nur eine von vielen praktischen Übungen, die im Ranger-Kurs auf dem Programm stehen. Ecotraining heißt der Kurs.
Will Lawson kommt aus England. Er gehört zu den Gästen, die die etwas andere Form von Urlaub bevorzugen. In Manchester studiert er Naturwissenschaften. Im Busch sucht er jetzt nach neuen Herausforderungen. Für Marius Swart ist das nichts Ungewöhnliches. Seit vier Jahren bringt der Ranger-Ausbilder Fremden seine Kenntnisse zu Südafrikas Flora und Fauna näher. Und eben auch ganz praktische Dinge wie das Montieren eines Ersatzrades. Das sind Aufgaben, die ein künftiger Wildhüter im Busch beherrschen muss.
Bereits in zwei Tagen beginnen die Ranger-Schüler mit ihrem Diplom. Ein staatlich anerkannter Abschluss, mit dem die Gästen anschließend in einer der vielen privaten und staatlichen Lodges Südafrikas arbeiten können. Die Nachfrage nach Rangern ist groß. Tourismus ist in Südafrika nach Bergbau, Landwirtschaft und Autoindustrie der viertgrößte Wirtschaftszweig und dank der Wildtiere auch ein wachsender.
Sechs Uhr morgens im Busch-Camp, Trommeln statt batteriebetriebener Wecker signalisieren: Ein neuer Tag hat begonnen. Inmitten des Krüger Parks leben und lernen die Urlauber gemeinsam. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Kein Problem für die Urlauber aus Deutschland und Frankreich. Sie alle besuchten bereits den vierwöchigen Grundkurs im Süden des Parks. Er ist Voraussetzung, um hier mit dabei zu sein.
Der Preis für den 28-tägigen Urlaubs-Aufenthalt kostet die Kurs-Teilnehmer, inklusive Unterkunft und Mahlzeiten, umgerechnet etwa 1700 Euro.
"Dieser zweite Kurs konzentriert sich auf die praktischen Aspekte, während der erste Lehrgang vor allem theoretisches Wissen vermittelt. Und auf den bauen wir auf", erklärt Ranger-Ausbilder Marius Swart. Und ein praktischer Aspekt ist das Fährtenlesen. Marius hat die Gruppe aufgeteilt, zu einem nicht ganz ungefährlichen Weg über das freie Feld. "Eine goldene Regel, wenn sich dir ein Tier nähert: Verhalte dich ruhig! Renne niemals los! Wenn du weg läufst, signalisierst du Schwäche und das Tier könnte dich angreifen. Bleibst du stehen, demonstrierst du, dass du keine Angst hast. Das Tier fühlt sich unwohl und es lässt vielleicht von seinem Vorhaben ab", versucht er den Teilnehmern einzuschärfen.
Die Nachmittage im Camp haben nur bedingt etwas mit Urlaubsromantik zu tun. Fernab jeglicher Zivilisation tauschen hier die Gäste vier Wochen lang Privatsphäre gegen Gemeinschaftssinn ein. Tägliches Büffeln steht hier auf dem Programm.
Nach all der Theorie stehen am nächsten Morgen die praktischen Tests für die Abschlussprüfung an. Im späteren Arbeitsalltag ist Theorie und Praxis gefragt, wie Ranger-Ausbilder Marius betont: "Einen guten Guide zeichnet das Wissen um die Natur aus. Aber auch die Fähigkeit mit Menschen umgehen zu können und sein Wissen leidenschaftlich zu vermitteln."

Viel von diesem Wissen wird von ihnen in den nächsten Tagen gefordert. Bei Erfolg steht dann ein neuer beruflicher Weg offen. Der Engländer Will hat da klare Vorstellungen: "Ich würde gerne hier als Guide und Ranger arbeiten und hoffe, dass ich meine Fähigkeiten im Umgang mit Gästen perfektioniere." Im Leben neue Wege zu gehen, bleibt dank dieser Ranger-Ausbildung in Südafrika, nicht nur für Will spannend, sondern für alle, die für wenige Wochen eine neue Welt entdecken möchten.