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Fluss-Verbindung zwischen Orinoco und Amazonas. Quelle: ZDF
Die Fluss-Verbindung zwischen Orinoco und Amazonas ist entdeckt.

Tropenfieber: Vorstoß am Orinoco

Unter Strapazen ans Ziel

Humboldt entdeckt die mysteriöse Verbindung zum Amazonas

Ab dem 2. Mai 1800 wird die Piroge durch den Regenwald geschleppt. Von Javita aus, einer Missionsstation am oberen Orinoco, vier Tage lang zu einem schmalen Nebenfluss des Rio Negro. Und wieder kommen Zweifel auf: Gibt es den natürlichen Kanal zwischen den beiden Stromsystemen wirklich?

 
 
 
Gegrillter Leguan, Schlange und Ameisen. Quelle: ZDF
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Gegrillter Leguan, Schlange und Ameisen probiert Humboldt.

In den Indianersiedlungen zwischen den beiden Strömen kommen auf Humboldt sehr spezielle Kostproben zu. Gegrillte Kaimane und Schlangenfleisch - mit Vorspeise. Die zerdrückten Ameisen mit Maniok-Mehl erinnern den deutschen Baron an "ranzige Butter in Brotkrumen geknetet". Doch Humboldt isst alles, was ihm die Stammesältesten auftischen.

 

Infobox

Historiker Frank Holl über Humboldts Einfühlungsvermögen:

"Humboldt hat auch versucht, die Indianersprachen zu lernen, er hat sich so in jede Landschaft eingepasst. Nicht nur in die Natur, sondern auch an die Menschen. Er ging immer respektvoll mit den Indianern um und ich glaube, das ist auch eines der Geheimnisse, warum er diese so gefährliche Orinocoreise überlebt hat."

 

Erste Zwischenetappe geschafft

Am 6. Mai 1800 macht sich Erleichterung breit in der Piroge. Die Expedition erreicht den Rio Negro - und damit das Wassersystem des Amazonas. Über 800 Kilometer Flussfahrt liegen hinter ihnen. Doch Humboldt glaubt, dass ihnen noch mindestens weitere 1500 bevorstehen. Falls sie den rätselhaften Kanal zurück zum Orinoco überhaupt finden würden. Gegen den herzlichen Rat ihrer Führer setzen Humboldt und Bonpland die Reise fort.

 
Ankunft am Rio Negro. Quelle: ZDF
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Nach endlosen Anstrengungen erreicht die Expedition den Rio Negro.
 

Am 10. Mai erreichen sie die Mündung des mysteriösen Casiquiare. Sie schlagen zum letzen Mal ihr Nachtlager an einer entlegenen Missionsstation auf - San Francisco Solano. Ein letztes Mal nutzen sie das bescheidene Dach über dem Kopf zur Durchsicht ihrer Sammlung und Notizen. Alexander von Humboldt verarbeitet seine notierten Daten zu einer ersten provisorischen Karte. An diesem Abend notiert er in sein Tagebuch: "Unsere Karten wimmelten von willkürlich abgekürzten oder entstellten Namen, welche 'Wasser, großes Wasser, Strömung' bedeuten."

 
Humboldt beobachtet die Sterne. Quelle: ZDF
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Humboldt beobachtet die Sterne.
 

"Im Wald zerrissen"

Am 13. Mai 1800 gelingt Humboldt die letzte gute Sternenbeobachtung am Casiquiare. Dann zieht der Himmel zu. Humboldt durchwacht sieben Nächte in der Hoffnung auf klare Sicht. Und notiert frustriert: "Vom 14. bis 21. Mai brachten wir die Nacht unter freiem Himmel zu, ich kann aber die Orte nicht angeben. Dieser Landstrich ist so wild und so wenig von Menschen betreten, dass die Indianer keinen der Punkte, die ich mit dem Kompass aufnahm, mit Namen zu nennen wussten."

 

Am Abend des 20. Mai wacht Expeditions-Hund Turco an seiner Seite. Doch plötzlich verschwindet die Dogge. Eine Suche verläuft erfolglos. Die Indianer sind sicher, ein Jaguar habe Turco gerissen und verschleppt. "Die Dogge, die seit Caracas unser Begleiter gewesen und so oft schwimmend den Krokodilen entgangen war", notiert Humboldt, "war im Wald zerrissen worden."

 
Humboldt und Expeditionshund Turco. Quelle: ZDF
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Kurz vor dem Ende der Expedition verschwindet Humboldts treuer Begleiter spurlos im Wald.

Zitat

„Hätte man das Unglück, in diesen unbewohnten Strichen zu scheitern, so verschwände man, ohne dass eine Spur verriete, wo und wie man untergegangen.“

Alexander von Humboldt

Beschwerlichste Etappe

21. Mai 1800. Die Strapazen nehmen kein Ende. Moskitos, Nässe und nun auch der Mangel an Essbarem schlagen auf die Moral. Der Casiquiare erweist sich als beschwerlichste Etappe ihrer Reise. "Hätte man das Unglück, in diesen unbewohnten Strichen zu scheitern", schreibt Humboldt, "so verschwände man, ohne dass eine Spur verriete, wo und wie man untergegangen." In Humboldt steigt die Ahnung auf, dass der Preis der Erkenntnis hoch ausfallen könnte.

Am Ende dieses Tages erreicht das Boot endlich den Orinoco. Die Verbindung zum Amazonas ist nachgewiesen. 1390 Kilometer stromabwärts liegt Angostura. Die Rückfahrt scheint ein Kinderspiel, als wenige Tage nach der Ankunft in Angostura alle erkranken. Humboldts Freund Bonpland und der Diener Carlos ringen im Typhus-Fieber Wochen lang mit dem Tode. Bis Mitte Juli bleibt Humboldt in Angostura, um einen Rückfall Bonplands auszuschließen.

 
Humboldt wacht über den kranken Bonpland. Quelle: ZDF
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Humboldt wacht über den kranken Bonpland.
 

Gefeierte Stars

Erst vier Jahre später, werden die beiden Forscher als gefeierte Stars nach Europa zurückkehren. Humboldt ist dort unterdessen fast so berühmt wie Napoleon - auch dank seiner Gabe, die gegenseitige Abhängigkeit aller Dinge und damit die Bedeutung des kleinsten Bausteins eines Systems zu begreifen. Er wird - typisch Humboldt - sich und mehrere Verleger mit der Veröffentlichung seiner Forschungsberichte beinahe ruinieren. Denn er engagiert die besten - und teuersten - Kupferstecher seiner Zeit - für die Farbdrucke darin.

 

Am Ende wird er im verhassten Berlin eine Stelle als Hofgelehrter annehmen. Der große Charles Darwin wird über ihn sagen: "Er war der größte reisende Wissenschaftler, der jemals gelebt hat. Ich habe ihn immer bewundert. Jetzt bete ich ihn an."

 
 
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