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21. November 2009
 

Maybrit Illner

 
donnerstags, 22.15 Uhr
CDU - Angela Merkel. Quelle: ZDF/dpa/ap
Was will Angela Merkel?

Berlin Mitte am 11. August 2005

Chefsache Deutschland

Was will Angela Merkel?

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist der Kritik von CSU-Chef Edmund Stoiber am Wahlverhalten der Ostdeutschen entschieden entgegen getreten und hat einen betont gesamtdeutschen Wahlkampf angekündigt. Nach den Worten der CDU-Vorsitzenden will sie ihr Wahlteam nun definitiv am kommenden Mittwoch vorstellen. Einzelne Mitglieder nannte sie in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte" nicht. Ob der frühere stellvertretende Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) als Wirtschaftsexperte dazu gehören könnte, ließ die Kandidatin offen. Eine große Koalition lehnte sie ab.

 
 
 
 

"Ich habe 35 Jahre nicht frei wählen können, und wir haben jetzt die Chance der freien Wahl, wir haben den Schatz der freien Wahl. Und ich kann nur sagen, dass heißt für mich, werben um jede Stimme. Und das werde ich in den neuen Bundesländern tun, das werden wir von der CDU tun, das werden wir von der CSU tun. Aber Wählerbeschimpfung, das ist das Falsche, was wir nicht brauchen können", sagte sie auf Fragen zu den Äußerungen Stoibers. "Alles, was dazu beiträgt, ob gewollt oder nicht gewollt, dass Deutschland letztlich eher wieder gespalten wird, als dass wir zur Einheit kommen, ist völlig kontraproduktiv", so Merkel weiter.

Angela Merkel. Quelle: ZDF
ZDF
Angela Merkel

Zitat

„Wahlen werden in Nord und Süd, in Ost und West gewonnen. Und da gibt es nicht wichtige und unwichtige Regionen, sondern da gibt es nur den Kampf um jede einzelne Stimme“

Angela Merkel

"Kanzlerin aller Deutschen werden"

Merkel betonte: "Wahlen werden in Nord und Süd, in Ost und West gewonnen. Und da gibt es nicht wichtige und unwichtige Regionen, sondern da gibt es nur den Kampf um jede einzelne Stimme." Merkel kündigte aber zudem an, sich nun auch besonders in den neuen Ländern zu bemühen - "mit Zuneigung und Ehrlichkeit". "Ich möchte Kanzlerin aller Deutschen werden. Und die Wahlen finden in Ost und West statt, und deshalb kann ich nur sagen: Ost und West und die Probleme dort gehen mich an. Und das ist das, was zählt."

Stoiber hatte unter anderem erklärt, dass die Wahl nicht wieder im Osten entschieden werden dürfe und nicht die "Frustrierten" das Schicksal des Landes bestimmen sollten. Diese Aussagen hatten in allen Parteien für Unverständnis bis Empörung gesorgt. In der CSU, aber auch von einigen CDU-Politikern wurde Stoiber verteidigt.

 

"Ungute Konstellation"

Merkel sagte, Stoiber treibe die Sorge um ein Erstarken der Linkspartei, der ehemaligen PDS, um. Die Linkspartei, die derzeit nach den Umfragen stärkste Kraft im Osten ist, sei nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. Merkel verteidigte ausdrücklich die Bürger in den neuen Ländern. Sie habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass die Menschen dort bereit seien, nahezu jede Arbeit anzunehmen. Sie betonte aber auch: "Ich glaube Edmund Stoiber und ich, die CDU und die CSU, können überhaupt nur gemeinsam gewinnen. Und deshalb heißt es, alle Menschen überzeugen."

Zitat

„Ich hielte das für eine ganz ungute Konstellation.“

Angela Merkel zu einer möglichen großen Koalition

Erneut lehnte die Parteivorsitzende eine große Koalition ab. "Ich hielte das für eine ganz ungute Konstellation und für eine Koalition, die Deutschland nicht voranbringen würde, weil der Bundeskanzler, der ja richtigerweise mit der Agenda 2010 vernünftige Schritte eingeleitet hat, ja gescheitert ist genau an seiner Partei."

 

Volkspartei will über 40 Prozent

Die Unions-Kanzlerkandidatin schloss sich nicht der Zielvorgabe der CSU für ein Wahlergebnis in Höhe von 45 Prozent an. Merkel wollte keine konkrete Zielmarke nennen. Die CDU-Vorsitzende sagte lediglich: "Wir sind eine Volkspartei. Wir haben den Anspruch, über 40 Prozent zu kommen." Es gehe bei der Bundestagswahl Mitte September darum, zusammen mit der FDP die Mehrheit der Sitze im Bundestag zu erringen.

 
Angela Merkel stellt sich den Fragen von Maybrit Illner. Quelle: ZDF
ZDF
Angela Merkel stellt sich den Fragen von Maybrit Illner

 

CSU-Generalsekretär Markus Söder hatte für die Kanzlerkandidatin am Mittwoch als Wahlziel die Marke von 45 Prozent der Stimmen festgelegt. In den jüngsten Wahlumfragen sind CDU und CSU auf rund 42 Prozent abgerutscht. Die Einbußen in den vergangenen Tagen führten Meinungsforscher unter anderem auf Merkels Interview-Pannen bei der Unterscheidung von Brutto- und Nettolöhnen zurück.

"Realistische Politik"

Die Kanzlerkandidatin reagierte gelassen auf die zuletzt geäußerte Kritik aus der FDP an der Union. "Ich glaube, da ist ein bisschen die Angst dass die CDU oder die Union vielleicht zu stark in den Vordergrund kommt. Das muss man ganz locker sehen", sagte die CDU-Chefin.

 

Sie nahm für sich in Anspruch, dass die Union im Gegensatz zu den Liberalen für eine realistische Politik stehe. "Dass die FDP an dieser Stelle versucht, sich abzusetzen und zu sagen, wir schaffen alles, wir können den Haushalt sanieren und gleichzeitig die Steuerlast senken, und dann können wir noch die Arbeitskosten senken, das sehen die Menschen inzwischen, glaube ich, sehr, sehr nüchtern und sagen, na okay, ist gut, dass einmal auch jemand auf Steuersenkung drückt, aber wir haben ja die große Union, und da wird die realistische Politik auch stattfinden."

Zitat

„Mit einer Regierung, die von mir geführt würde, würde es genauso wenig deutsche Soldaten geben im Irak, wie es sie mit Gerhard Schröder gegeben hat.“

Angela Merkel

"Keine Soldaten im Irak"

Sie betonte mit Blick auf die Kritik an der Unionshaltung im Punkto Irakkrieg, dass es mit einer Regierung, die von ihr geführt würde genauso wenig deutsche Soldaten im Irak geben würde wie unter der Regierung Schröder. Der Unterschied in der Beurteilung des damaligen Vorgehens bestünde darin, "dass ich mir gewünscht hätte, dass Deutschland nicht als erstes Land ausgeschert wäre aus der Drucksituation, die die westlichen Demokratien hätten bilden müssen". Ein gespaltenes Europa habe diesen Krieg leider nicht verhindert. "Ob er anders hätte verhindert werden können, weiß ich nicht. Ich kann nur konstatieren, er ist nicht verhindert worden, und das halte ich für bedauerlich", sagte Merkel.

 

Infobox

Zu Gast:

Angela Merkel, CDU-Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin der Union