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11. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
Das "Vagabond" - eingefroren in der Arktis.
Die "Vagabond" im arktischen Eis

Experimente im arktischen Eis

Überwintern im Packeis

Ein Forscher mit seiner Frau und einem Baby überwintern auf ihrem Segelschiff - eingefroren im Storfjord vor der Ostküste Spitzbergens. Der Schauplatz des ungewöhnlichen Forschungsabenteuers liegt etwa 1000 Kilometer nördlich des Polarkreises, dort, wo die Klimaerwärmung schon deutliche Spuren hinterlassen hat. Hier will die Forscherfamilie das Rätsel vom Wachsen und Schwinden des Meereises lösen. Bis ihre Arbeit abgeschlossen ist, bleiben sie an Bord der "Vagabond".

 
 
 
 

Das knallrote, 15 Meter lange Segelboot hat einen Eis brechenden Bug und ist speziell für solche Einsätze im Polargebiet konstruiert worden. Der Rumpf aus zwei Zentimeter dickem Stahl verhindert, dass die Eisblöcke das eingefrorene Schiff zerdrücken.

 
Das Schiff "Vagabond" eingefroren im arktischen Eis.
Die Unterkunkft im Eis für neun Monate
 

Alltag an Bord

Der französische Meereswissenschaftler Eric Brossier und seine Lebensgefährtin France Pinczon du Sel sitzen neun Monate an Bord der "Vagabond" fest im Eis. Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist ein Satellitentelefon, E-mail und ein Funkgerät. Die nächste Siedlung liegt 45 Kilometer entfernt.

 

Sie sind ganz auf sich gestellt. Ein dieselbetriebener Kanonenofen sorgt für Wärme. Alle Lebensmittel, die sie benötigen sind an Bord vorrätig. Nur für das Trinkwasser müssen sie selbst sorgen. Das Eis ist zwar sauber, aber es kostet zwei Stunden Arbeit, Wasser für eine Woche zu bunkern.

 
Blick in das Innere des Schiffes "Vagabond".
Innen ist das Schiff recht geräumig.

Ans Aufgeben haben sie nie gedacht. Auch nicht, als ihr gemeinsames Kind Leonie zur Welt kam und es an Bord noch enger wurde. France Pinczon du Sel: "Für uns ist das Leben hier ganz normal. Das Baby ist etwas Außergewöhnliches. Wir haben uns hier angepasst. Mit dem Kind ist es unproblematisch und kein Risiko."

Eric Brossier auf der Vagabond im arktischen Eis.
Eric Brossier muss täglich Messungen durchführen.

Experimente in der Eiswüste

Weltweit betrachten Klimaforscher mit Besorgnis, wie schnell das Meereis der Arktis schmilzt. Die Forschungsmöglichkeiten auf der "Vagabond" sind einmalig. Das Schiff dient hauptsächlich als Mess- und Wetterstation. Täglich werden alle atmosphärischen Prozesse genau aufgezeichnet wie zum Beispiel Temperatur- und Luftdruckmessungen. Das System von Wind, Meeresströmungen, Eis und Sonneneinstrahlung ist überaus komplex. Eric Brossier macht wichtige Experimente, die als wichtige Indizien für die globale Erwärmung gelten. Er sammelt die Daten von Salzgehalt und Dichte des Meereises, Temperatur und Tiefe des Meerwassers.

Der Wissenschaftler Eric Brossier mit dem Schneemobil im arktischen Eis.
Das Fahren mit dem Schneemobil muss man hier schon gut beherrschen.

Regelmäßig ist Eric Brossier mit dem Schneemobil unterwegs, um spezielle Bojen mit Sonden einzusetzen. Dank der mobilen Technik wird ein feinmaschiges Netz von Messpunkten erstellt. Der Forscher bohrt ein Loch durch die Eisdecke und versenkt das Messgerät. Dies kann gleichzeitig Salzgehalt, Temperatur, Dichte des Wassers und Dichte des Eises aufzeichnen. Mit dem Verfahren lassen sich die spezifischen Vorgänge im Polarmeeres analysieren.

 

Tückisches Eis

Bei seinen Exkursionen in die Eiswüste fährt der Forscher bis zu zehn Kilometer über das Meereis, um die Sonden unter dem Eisfläche einzusetzen. Die geschlossene Oberfläche des Eises ist aber trügerisch. Nur wo es mindestens 15 cm dick ist, trägt es die Last. Schon nach wenigen warmen Tagen können sich unsichtbare Risse entwickeln. Deshalb muss Brossier die Eisformationen genau einschätzen können, um nicht in Lebensgefahr zu geraten.

 
Landschaft: Eiswüste in der Arktis.
Schön und gefährlich: die Eiswüste der Arktis

Eric Brossier, Meeresforscher: "Es kann gefährlich sein, wenn man auf dünnes Eis gerät. Bei vielen Eishügel hat man außerdem keine freie Sicht. Dann kann auch plötzlich ein Eisbär auftauchen, wenn man gerade seine Messungen macht. Man muss auf gute Sicht achten, um sicher zu sein." Für solche Fälle hat der Forscher immer ein Gewehr dabei. Auf dem Schneemobil ist er letztlich auch sicherer unterwegs als zu Fuß.

 
Eric Brossier bohrt ein Loch durch die Eisdecke.
Für seine Experimente bohrt Eric Brossier ein Loch durch die Eisdecke.

Eric Brossier versenkt die Sonden auch an besonders tiefen Stellen im Meer. Dafür muss er so weit hinaus, dass das Eis ihn gerade noch trägt: "Das Meereis ist die Barriere zwischen Ozean und Atmosphäre. Sollte es weiter schmelzen oder im Sommer gar und ganz verschwinden, wird es gravierende Auswirkungen auf das globale Klima haben."

Luftaufnahme: Küstenlinie der Arktis mit Treibeis.
Luftaufnahme Arktis

Infobox

Schmelzverhalten von Meereis

Der Meteorologe Dirk Notz vom Max-Planck-Institut untersucht das Schmelzverhalten von Meereis. Es besteht nicht nur aus gefrorenem Wasser, sondern hat auch Poren, in denen Salzlösung eingeschlossen ist. Je höher dieser Salzgehalt im Eis ist, desto schneller schmilzt es. Die Experten haben herausgefunden, dass der Salzgehalt in dünnem Meereis viel höher ist als bisher angenommen.

Dirk Notz: "Wir wissen heute, dass das Meereis im Moment sehr viel schneller abschmilzt, als alle unsere Modelle es voraussagen. Es gibt sogar Modellstudien, die vermuten, dass im Jahre 2040 die Sommer in der Arktis komplett eisfrei sein könnten." Daraus folgt, dass in etwa 30 Jahren das polare Meereis verschwunden ist und nicht erst wie angenommen in 80 Jahren.

 

Auch Eric Brossier hat bei seinen Messungen einen auffällig hohen Salzgehalt festgestellt. In der Arktis deuten alle Zeichen in die gleiche Richtung. Das Abschmelzen des Gletschereise ist nicht nur eine Folgeerscheinung, sondern auch Triebfeder des Klimawandels. Eis reflektiert das Sonnenlicht und verhindert so das Aufheizen des Meeres. Wenn das Eis geschmolzen ist, wird die dunkle Land- oder die dunkle Wasseroberfläche das Sonnenlicht besser absorbieren als die weißen Gletscher- und Eisflächen. Die globale Erwärmung würde zusätzlich enorm angeheizt.

 
 
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