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12. Februar 2012
 

George Gently

 
Sonntagskrimi
Lee Ingleby spielt John Bacchus. Quelle: ZDF,ZDF/All3Media
Lee Ingleby spielt John Bacchus

Interview

"Bacchus beginnt zu rennen, bevor er laufen gelernt hat"

Ein Gespräch mit Lee Ingleby

In "George Gently - Der Unbestechliche" spielt Lee Ingleby den jungen Sergeant John Bacchus, der sich durch seinen Übereifer und seine altmodische Haltung zunächst heftig an seinem neuen Partner George Gently stößt. Im Gespräch mit dem ZDF beweist er, dass seine persönliche Haltung zu den 60er Jahren eine ganz andere ist, als die seiner Rolle.

 
 
 

ZDF: Was hat Sie am Drehbuch zu "George Gently" am meisten fasziniert?

 

Lee Ingleby: Es war anders als all die anderen Polizeifilme, die man so kennt, denn es wird in erster Linie von der Beziehung der beiden Hauptfiguren zueinander angetrieben. Was ich am meistens genossen habe, waren Gentlys und Bacchus' unterschiedliche Stile und Methoden in der Polizeiarbeit. Sie haben nicht nur unterschiedliche Lebensalter, sondern kommen auch aus völlig unterschiedlichen Landesteilen. Das macht sie zu zwei sehr verschiedenen Persönlichkeiten, die lernen müssen, sich gegenseitig zu akzeptieren.

 

ZDF: Können Sie uns etwas über John Bacchus erzählen? Welche Rolle spielt er in "George Gently"?

Zitat

„George Gently behandelt Bacchus wie einen Schüler, dem er etwas beibringen will, bevor dieser Opfer seines falschen Ehrgeizes wird und der Versuchung korrupter Polizeimethoden verfällt.“

Lee Ingleby

Ingleby: John Bacchus ist ein einheimischer Polizist, der in seinem Polizeibezirk ganz oben angekommen ist. Als dann Gently erscheint, fühlt es sich für ihn an, als wäre dort plötzlich jemand, der seine Methoden und Fähigkeiten kontrolliert, ja fast überwacht. Er ist hundertprozentig davon überzeugt, dass sein Weg der beste ist und hat keinerlei Verständnis dafür, dass jemand aus London von der Metropolitan Police auftaucht und sich in seinen Fall einmischt.
Bacchus beginnt schon zu rennen, bevor er überhaupt laufen gelernt hat, und dann behandelt ihn George Gently auch noch wie einen Schüler, dem er etwas beibringen will, bevor dieser Opfer seines falschen Ehrgeizes wird und der Versuchung korrupter Polizeimethoden verfällt. Dabei will Bacchus unbedingt weiterkommen, er will nach London zur Metropolitan Police und empfindet es als große Ungerechtigkeit, dass Gently ihn so zügelt.

ZDF: Was haben Sie getan, um mit dem Charakter vertraut zu werden?

 

Ingleby: Die Hauptaufgabe bestand darin, sich in die Zeit einzufühlen, in der "George Gently" spielt, denn die Einstellungen damals waren andere - die Haltung gegenüber Kultur, Gesellschaft und der Polizeiarbeit insbesondere. Die Kriminaltechnik steckte noch in ihren Kinderschuhen und neue Methoden wurden gerade eben erst angewendet. Es war eine Zeit, in der die junge, unangepasste Generation für ihre Ideale aufgestanden ist und, ich habe mich gefragt, wie Bacchus sich dort einfügt, zum Beispiel im Umgang mit den Bikern. Er ist ein sehr ehrgeiziger junger Mann, der vermutlich altmodisch erscheint im Vergleich zu einigen seiner Altersgenossen - obwohl er selbst das natürlich niemals so sehen würde!

 

ZDF: Wie wird sich das Verhältnis von Bacchus und Gently im Verlauf der Reihe weiterentwickeln?

 

Ingleby: Ich denke, Bacchus freut sich darüber, dass jemand kommt, der die Dinge durcheinanderbringt und aufrüttelt, aber er ist auch enttäuscht als Gently in Nothumberland auftaucht, denn plötzlich fühlt er sich wie ein altmodischer Spießer und nicht wie ein moderner junger Mann. Gently wiederum empfindet Bacchus als unreifen Emporkömmling, mit Zügen von Größenwahn, der sich für besser hält als er ist. Am Ende finden sie zueinander, und für Bacchus ist es sehr wichtig, dass Gently ihn anerkennt, denn er möchte von einem so erfahrenen und hoch geachteten Ermittler natürlich respektiert werden.

Zitat

„Ich selbst liebe es, die Menschen kennen zu lernen, denen ich im Fernsehen zuschaue - mit ihnen zu leiden und mitzufühlen. Und genau das bekomme ich bei "George Gently". “

Lee Ingleby

ZDF: Wie ist Ihre Wahrnehmung der 60er Jahre? Hat sie sich seit den Dreharbeiten zu "George Gently" verändert?

Ingleby: Ich finde, es war eine spannende Zeit, Meinungen wurden sozusagen über Nacht geändert. Ich bin ein großer Fan der damaligen Musik und der Mode - ich bin ziemlich dünn, mir hätte die Kleidung gut gestanden. Außerdem war ich schon immer Beatles- und Stones-Fan. Es ist erstaunlich, wie weit weit wir heutzutage davon entfernt sind, dabei ist es nur knappe 45 Jahre her. Vor allem die Polizeiarbeit und die Forensik sind seit dieser Zeit sehr vorangekommen.

ZDF: Was ist in Ihren Augen der Reiz von "George Gently"?

 

Ingleby: Ich selbst liebe es, die Menschen kennen zu lernen, denen ich im Fernsehen zuschaue - mit ihnen zu leiden und mitzufühlen. Und genau das bekomme ich bei "George Gently". Man versteht wirklich, was diese beiden bewegt.

 
 
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