Die Luftschutzräume der Nazi-Führungselite waren sehr komfortabel ausgestattet. Für alle 43 Gauleiter des Dritten Reiches standen Privatbunker mit Schlaf- und Arbeitsräumen zur Verfügung. In Hamburg ist solch ein Bunker im feinen Hamburger Bezirk Pöseldorf nahe der Alster noch erhalten. Seit 60 Jahren hat ihn niemand mehr betreten. Abenteuer Wissen geht mit den Bunkerforschern auf Spurensuche in die Vergangenheit.

Jahrelang hatte sich Ronald Rossig vom Verein "Unter Hamburg" um die Genehmigung bemüht, den Bunker in Pöseldorf zu erkunden. Nun bekam er endlich die langersehnte Erlaubnis.
Bis heute steht die Bunkeranlage unversehrt und zugemauert auf dem Gelände des ehemaligen Budge-Palais. Aus den Erkundungsgängen versprechen sich die Bunkerforscher Aufschlüsse über das Leben und Überleben der Nazi-Führungselite während des Feuersturms. Es ist eine spannende Expedition in längst vergangene Zeiten - mitten in Hamburg.

Seit 1938 diente das Budge-Palais, heute Sitz der Musikhochschule, dem Reichsstatthalter und Gauleiter Karl Kaufmann als Regierungssitz und NSDAP-Zentrale. Im Rahmen des Bunkerbauprogramms der Nazis wurde im Garten des Anwesens ein persönlicher Luftschutzbunker mit allem erdenklichen Komfort erbaut. Er hat eine Länge von 22 Meter, eine Breite von 14 Meter und ist 5, 20 Meter hoch. Der eigentliche Bunker besteht aus zwei Röhren mit gewölbter Decke.

Das Bauwerk hat zwei Eingänge mit Gasschleusen und neun Räume, darunter Telefonzentrale mit einer Direktverbindung nach Berlin und ein Maschinenraum. Die Stromversorgung wurde mit zwei unabhängigen Generatoren und einer Tankanlage sichergestellt. Der Notstromdieselmotor von "Junkers" ist bis heute erhalten - samt der Bedienungsanleitung. Weiter war die Anlage ausgestattet mit einem Trinkwasserbehälter und Heizkörpern.

Im Krieg war der Bunker Stabsquartier für die komplette Nazi-Führungsriege der Stadt Hamburg. Während sich die meisten Menschen in einfache Luftschutzkeller retten mussten und für Dreiviertel der Bevölkerung keine Schutzräume vorhanden waren, bot der Bunker an der Alster besonderen Komfort und Sicherheit.
Im Bunker liefen die Nachrichten über die Bombenangriffe zusammen. Die Flieger kamen meist nachts und die verantwortliche NS-Führungselite von Hamburg war bis zum Kriegsende in dem Spezialbunker unter dem meterdickem Beton vor den Spreng- und Brandbomben sicher, während viele Hamburger Stadtviertel ausbrannten und in Trümmern versanken. Über 35.000 Menschen starben innerhalb weniger Stunden in der Flammenhölle, 900.000 Menschen wurden obdachlos und flüchteten innerhalb von 48 Stunden, nach dem Feuersturm, aus der Hansestadt.