Hauptnavigation:

Sie sind hier:

12. Februar 2012
 

ZDF.reportage

 
sonntags, 18.00 Uhr
Gesundheitskarten der Versicherer. Quelle: ap
Zusatzkosten: Krankenkassen langen zu

Gesundheitssystem

Düstere Prognosen für den Gesundheitsfonds

Experten rechnen mit einem Minus von vier Prozent

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen ist äußerst angespannt. Das Bundesversicherungsamt rechnet in seinen Prognosen für 2010 mit einem Defizit von vier Milliarden Euro im Gesundheitsfonds. Diese prekäre Finanzlage hat bereits jetzt bei ersten Kassen zu einem Zusatzbeitrag geführt. Auch deshalb wird der Ruf nach drastischer Ausgabenbegrenzung im Gesundheitswesen immer lauter.

 
 
 
 

Auf der Ausgabenseite der Krankenkassen möchte auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ansetzen. Er will noch in diesem Jahr Maßnahmen zur Kostensenkung der gesetzlichen Krankenkassen durchsetzen. Pharmaexperten bestätigen ein enormes Einsparpotenzial, vor allem bei Medikamenten.

 

Der Arzneiverordnungsreport 2009 belegt: Durch den Einsatz sogenannter Generika, also Nachahmermedikamenten mit identischen Wirkstoffen, könnten bis zu 3,4 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Aber auch an anderen Stellen fordern Ärzte, Forscher und Kassen erhebliche Ausgabenkürzungen.

 

Preistreiber Medikamente und Verwaltung

Jährlich zahlen Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Bund rund 150 Milliarden Euro in den Gesundheitsfonds ein. Allein die Aufteilung dieser Gelder auf mehr als 200 gesetzliche Krankenkassen verursacht Verwaltungskosten von rund zehn Millionen Euro. Der größte Teil des Geldes aus dem Gesundheitsfonds wird für Krankenhausbehandlungen ausgegeben. Im Jahr 2008 beliefen sich die Kosten dafür auf knapp 53 Milliarden Euro, was rund 35 Prozent der Gesamtausgaben entspricht.

 

Gleich dahinter kommen schon Arzneimittelkosten von knapp 30 Milliarden Euro, also mehr als 19 Prozent des Gesamtbudgets. Ärztliche Behandlungen beliefen sich auf knapp 26 Milliarden und weitere acht Milliarden Euro wurden für zahnärztliche Leistungen ausgegeben. Die restlichen 35 Milliarden Euro wurden für Maßnahmen wie Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen, Krankengeld, Heilmittel und häusliche Krankenpflege ausgegeben.

 

Kostenexplosion muss verhindert werden

Um den Anstieg der Gesundheitskosten zu begrenzen fordern Kassen und Politiker nun Arzthonorare, Krankenhausbudgets und vor allem Medikamentenkosten zu kürzen. Es fehlen zudem zentral festgelegte Preisgrenzen, wie es in anderen Ländern üblich ist. Dadurch kann die Pharmaindustrie in Deutschland Preise für patentgeschützte Medikamente völlig autonom festlegen. So stiegen im letzten Jahr die Ausgaben für Medikamente um weitere 5,9 Prozent. Zudem bemängeln Kritiker, dass Ärzte oft zu viele und vor allem zu teure Medikamente verschrieben. Häufig könnten diese durch billigere Generika ersetzt werden.

 

Dementsprechend haben Experten insgesamt ein Sparpotenzial von mindestens 6,1 Milliarden Euro errechnet. Dazu müssten allerdings die oft kritisierten "paradiesischen" Zustände für Pharmakonzerne eingedämmt werden. Eine Regulierung der Medikamentenpreise, wie es sie in anderen EU-Ländern gibt, wäre ein möglicher Ausweg um eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu verhindern.

 
 
  • del.icio.us
  • digg
  • facebook
  • twitter
  • myspace
  • mrwong
  • webnews
  • yigg