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13. Februar 2012
 

blickpunkt

 
 
Rückblick: blickpunkt vom 08.11.2009
In den Himmel schauen war verboten. Mario Röllig im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen.

20 Jahre Mauerfall

blickpunkt - Die Reportage

Es ist noch nicht vorbei - Mauer-Opfer klagen an

Drei Menschen, drei Schicksale und eines haben sie alle gemeinsam: Sie lebten in der DDR und wollten ihr Land verlassen. Die DDR wollte aber niemanden gehen lassen. Und auch die sogenannten sozialistischen Bruderländer sorgten dafür, dass kein DDR-Bürger in den Westen kam. Viele Fluchtversuche wurden vereitelt. Unter den Folgen leiden die Menschen noch heute. Jeder auf seine Art.

Der Film handelt von Menschen und ihren Angehörigen, die zwar längst in der Freiheit leben, aber die immer noch gefangen sind in den Erinnerungen gescheiterter Fluchtversuche, stundenlangen Verhören und langen Nächten in winzigen Zellen. Und auch heute noch - 20 Jahre nach dem Fall der Mauer - müssen sie kämpfen. Sie ärgern sich über Behörden, die ihnen Entschädigungen verweigern, die ihr Leid nicht anerkennen wollen. Auch wenn die Mauer längst verschwunden ist, für die Opfer, die Betroffenen, ist es noch nicht vorbei.

Sabine Friedrich träumte von einem freien Leben. Mit ihrem damaligen Freund reiste sie 1988 in die Tschechoslowakei, wollte nach Österreich fliehen. An der Grenze wurden sie festgenommen und an die DDR ausgeliefert. Es folgten Monate im Gefängnis, ein Strafverfahren wegen Republikflucht und anschließend ein Jahr Arbeitslager in Dessau. Eine Opferrente bekommt sie dafür nicht, sie verdiene zuviel, teilten ihr die deutschen Behörden mit. Sie findet das ungerecht.

Auch Mario Röllig erhält keine Opferrente. Mindestens ein Jahr muss man in der DDR inhaftiert gewesen sein, damit die Bundesrepublik Deutschland Maueropfern eine Rente zubilligt. Er saß "nur" ein paar Monate - zu wenig für den Gesetzgeber. Dabei war er Gefangener im berüchtigten Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Dort erlitt er Isolation und seelische Folter und das alles, weil er die DDR 1987 wegen einer "großen Liebe" verlassen wollte.

Ganz anders die Geschichte der Familie Schachtschneider. Dass sein Sohn "als Verbrecher" beerdigt wurde, kann Olaf Schachtschneider bis heute nicht verstehen. Sein Sohn Frank starb 1988 an der bulgarischen Grenze, vermutlich wollte er in die Türkei flüchten. Die genauen Todesumstände wurden den Eltern von den Behörden jahrelang vorenthalten. Erst durch die Recherchen des Politikwissenschaftlers Stefan Appelius gibt es Klarheit: Bulgarische Grenzsoldaten haben Frank den Schädel eingeschlagen, die Verantwortlichen sind dafür niemals zur Rechenschaft gezogen worden. Bis heute gilt Frank Schachtschneider als im Ausland verstorbene Person, wurde weder als Opfer anerkannt noch rehabilitiert.

Film von Daniela Sonntag und Bernd Weisener
 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 08.11.2009 13:02 - 13:30 Uhr

VPS 08.11.2009 13:02

Länge: 28 min

Reportage, Deutschland, 2009

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