Auf einem alten Flughafengelände, nur wenige Kilometer von Holland entfernt, bekommen LKW-Fahrer ein spezielles Training. Auf dem Gelände werden den Fahrern die Grenzen ihrer Fahrzeuge aufgezeigt. Für viele Fahrer sind die Ergebnisse überraschend.

Der Niederländer Koos de Keijzer fährt seit 20 Jahren LKWs, unter anderem auch Gefahrgut. Auf dem Übunsplatz soll er nach einer präzisen Einweisung von TÜV-Mitarbeiter Volker Schacht einen Fahrsicherheitstest absolvieren, um zu lernen, wie sein Fahrzeug in bestimmten Situationen reagiert.
Volker Schacht weiß, dass jeder Autofahrer zumindenst schon einmal davon gehört hat, dass der Bremsweg sich ums Vierfache verlängert, wenn die Geschwindigkeit verdoppelt wird. Aber kaum jemand weiß, wie das in der Realität aussieht. Und das ist das Problem. Beim Bremstest lässt er de Keijzer bei nasser Fahrbahn daher zunächst mit nur 25 km/h fahren und bremsen. Wie zu erwarten, rutscht der Wagen nur wenige Meter weit.

Dann verlangt Schacht die doppelte Geschwindigkeit. De Keijzer soll bei 50 Stundenkilometern voll in die Eisen steigen. Das Ergebnis: Der Wagen rutscht fast 60 Meter weit. Im Ernstfall könnte das zu verheerenden Auffahrunfällen führen. Volker Schacht rät daher allen Fahrern, in unsicheren Situationen lieber zehn Stundenkilometer langsamer zu fahren. Gas geben kann man immer noch, aber in einer Gefahrensituation aus einer überhöhten Geschwindigkeit wieder herauszukommen, ist äußerst schwierig.
Nachdem die Fahrer die Folgen von zu hohen Geschwindigkeiten regelrecht erfahren haben, stehen heikle Kurvenmanöver an. Auch hier sollen die Fahrer die Gewalten spüren. Kaum einer glaubt zunächst, dass alleine drei Stundenkilometer zu viel ausreichen, um einen LKW zum Kippen zu bringen. Erst auf dem Übungsplatz können die Fahrer es mit sehen und selbst erfahren.

Geübt wird mit Spezialausrüstung: Der Übungstruck ist ein 40-Tonner mit überdimensionalen Stützrädern. Mit diesem Spezialgefährt muss Koos de Keijzer eine kurvenreiche Strecke bewältigen. Kernstück des Parcours ist eine Kurve, die immer enger wird. Schon bei nur 40 km/h droht der Tanklaster, in der Kurve zu kippen. Nur die Stützräder verhindern das Umkippen des Kolosses.

Auch beim zweiten Manöver, einer rechts-links-Kurve, wird klar: Nur wenige Stundenkilometer zu viel haben unkontrollierbare Folgen. Es sind diese kontrollierten Grenzerfahrungen, die auch bei den täglichen Touren nicht mehr in Vergessenheit geraten. Natürlich, so weiß auch Volker Schacht, ist ein Training kein Allheilmittel. Erfahrerne Fahrer wissen, dass auf der Straße viele Dinge zusammenkommen, die man nicht in der Hand hat. Jeden Unfall werden diese Weiterbildungen also nicht verhindern können. Dennoch helfen sie, die Straßen für uns alle sicherer werden zu lassen.