
"Meine Mutter ist ein deutsche Spionin", sagt während des Zweiten Weltkriegs der englische Junge Keith zu seinem Freund Stephen und setzt damit eine schnell in bitteren Ernst umschlagende Detektivgeschichte in Gang. Dem Briten Michael Frayn ist mit "Das Spionagespiel" eine sehr spezielle Mischung aus Krimi, Geschichtsschreibung und Entwicklungsroman gelungen.
Mitten im Krieg spielen zwei Kinder Krieg: Im harmlosen Nachbarn erkennen Keith und Stephen einen Mörder, im Boden unter ihnen vermuten sie Geheimgänge, und ein leer stehendes Haus kommt ihnen höchst verdächtig vor. Doch auf einmal entwickelt ihr Spiel eine unheimliche Dimension: Keiths schöne, kultivierte Mutter hat nämlich tatsächlich etwas zu verbergen ...
Stephen ist der Ich-Erzähler, der als älterer Herr wieder an den Ort des für die Jungen so spannenden sommerlichen Geschehens vor den Toren Londons zurückkehrt. Ob die vornehme Mrs. Hayward tatsächlich für die Nazis spioniert oder ein anderes Geheimnis zu verbergen hat, wird ganz am Ende enthüllt. Raffiniert wechselt Frayn als Erzähler vom heranwachsenden Jungen zum erfahrenen Mann, der zurückblickt.
Der Autor: Michael Frayn wurde 1933 in London geboren. Er studierte Philosophie in Cambridge und war Reporter und Kolumnist beim "Guardian" und beim "Observer". Er ist außerdem als Übersetzer unter anderem von Tschechow und auch als Dramatiker erfolgreich.
Bekannt geworden ist der Autor vor allem durch sein Theaterstück "Kopenhagen" über das geheimnisumwitterte Treffen der Physiker Niels Bohr und Werner Heisenberg 1941 zum Bau der Atombombe. Michael Frayn hat auch das 2003 in London uraufgeführte Stück "Demokratie" über Willy Brandt und Günter Guillaume geschrieben - ebenfalls eine Spionagegeschichte.
Michael Frayn
Das Spionagespiel
Aus dem Englischen von Matthias Fienbork
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
Carl Hanser Verlag
ISBN: 3-446-20455-5
Euro 19,90
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