Peinliche Partyfotos, Berichte über Liebesbeziehungen, politische Ansichten - was früher als privat galt, geben inzwischen immer mehr Menschen freizügig im Internet in so genannten Social Networks einer breiten Öffentlichkeit preis. Experten jedoch warnen eindringlich vor einem Missbrauch der Daten.
Was im Internet gespeichert wird, bleibt meist für immer erhalten und kann schnell zum Verhängnis werden. Das musste auch die Magdeburger Studentin Melanie erfahren. Eines Tages erzählen ihr Kommilitonen, dass unter ihrem Namen anzügliche Fotos und vulgäre Kommentare im Internet kursieren. Wie sich herausstellt, war ein Unbekannter über das Internetportal StudiVZ, das Millionen von Studenten in Deutschland nutzen, an Daten und Fotos von Melanie gelangt und hatte daraus ein gefälschtes Internetprofil gebastelt.

Melanie meldet den Missbrauch sofort den Betreibern. Es vergehen Tage, bis StudiVZ die Seite löscht. Doch der Unbekannte lädt die Seite immer wieder neu. Melanie ist machtlos.
Von solchen Gefahren ahnen die meisten Community-Fans nichts. Bedenkenlos dokumentieren sie ihr Leben und das ihrer Freunde im Netz. Und es werden immer mehr. Allein im vergangenen Dezember hatte beispielsweise das Portal StudiVZ 153 Millionen Besuche; 5,3 Milliarden Mal wurde die Homepage aufgerufen.
Mittlerweile ist auch die erste deutsche Personensuchmasche auf dem Markt. Yasni heißt sie und mit ihrer Hilfe kann jeder Internetnutzer in Sekundenschnelle alle Daten die über ihn und über andere im Netz kursieren, recherchieren. So nutzen auch immer mehr Personalberater das Internet, um sich über künftige Mitarbeiter zu informieren. Leichtsinniger Umgang mit persönlichen Daten und Dokumenten kann so unter Umständen irgendwann zum Karrierekiller werden.
Jede Information, die im Internet verfügbar ist, sei Image prägend, erklärt Sörge Drosten von der Personalberatung Kienbaum. Er gibt zu bedenken: Nicht jede Information, die man jetzt im Internet haben möchte, sei vielleicht noch in fünf bis zehn Jahren erwünscht. Doch dann sei sie oft nicht mehr zu tilgen.
"Das Internet vergisst grundsätzlich nichts", sagt auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Scharr, und bringt einen Vorschlag des Medienrechtsexperten Prof. Viktor Mayer-Schönberg ins Spiel: Daten, die im Internet veröffentlicht werden, sollten mit einer Art Verfallsdatum versehen werden, das der Nutzer individuell bestimmen könne. So wären bestimmte personenbezogene Daten nach einer gewissen Zeit nicht mehr recherchierbar, so Scharr.