"Neues aus der Anstalt" - das ist der Titel der neuen Kabarett-Sendung im ZDF mit Georg Schramm und Urban Priol. Im Interview mit ZDFonline-Moderatorin Mirjam Weichselbraun sprach Urban Priol über das Konzept der Sendung, seinen Kollegen und das Wesen der Satire.
Dass die Sendung live aus München kommt, ist natürlich reiner Zufall. Wer konnte schon vorher ahnen, was sich im Januar in der bayerischen Staatspartei abspielen würde. "Wir werden viel über mögliche Patienten reden", sagt Urban Priol, der Mann, der seine Finger in die Steckdose steckt, wenn er sich frisieren will. Jedenfalls legt dies das Aussehen seiner Haartracht nahe.
"Es werden einige eingewiesen, es werden einige umgewiesen, und es werden einige ausgewiesen. Georg Schramm und ich haben da einige, die wir behandeln, und über die wir auch verhandeln", so Urban Priol. Dazu gehören die Stoibers, Merkels, Müntes und Westerwelles der Republik, derer sich Parodisten und Kabarettisten als Gäste annehmen - einmal im Monat, direkt nach dem "heute journal". Zehn Folgen sind für dieses Jahr geplant.
Georg Schramm, bekannt als säuerlich-leidender Rentner Dombrowski, oder auch als freundlicher Bundeswehr-Offizier mit Silbenverschluck-Sprachfehler, und er werden sich schon aneinander abarbeiten, glaubt Priol. Schramm jedenfalls hat versprochen, in der Sendung nicht zu lachen. Mal sehen, ob er es durchhält. "Notizen aus der Provinz", moderiert von Dieter Hildebrandt, war die letzte Kabarettsendung im ZDF, sie wurde 1979 eingestellt. 1980 machte Hildebrandt mit dem "Scheibenwischer" in der ARD weiter.
Erfolgsdruck? "Zum Glück hab' ich ja schon auf 3sat einiges gemacht in den letzten dreieinhalb Jahren", sagt Urban Priol dazu. "Aber ich muss zugeben, wir waren im Ski-Urlaub, also Wandern, und ich hab' angefangen, jede Nacht davon zu träumen. Der Druck ist schon da." Kabarett ist immer auch ein Balanceakt. Manches geht, manches nicht. Dessen ist sich Urban Priol wohl bewusst.
Helfen wird sicher die Anwesenheit von Dieter Hildebrandt als Premierengast. Priol: "Als er 'Notizen aus der Provinz' gemacht hat, war ich 15 oder 16, und das hat mich so in den Bann gezogen - ich glaube, er ist schon wesentlich mit dafür verantwortlich, dass ich in diesem Satire-Bereich gelandet bin." "Neues aus der Anstalt" kommt live direkt nach dem "heute journal", da darf die Aktualität auf keinen Fall zu kurz kommen. Zwar wurden in den letzten Tagen schon Texte vorbereitet, die am Sonntag noch mal durchgegangen werden, erzählt Priol. Aber dann ist schnelle Reaktion gefragt. Trotzdem: Vorbereitung ist alles. "Nur rausgehen und sagen: Hoppla, ich erzähl' jetzt was, das geht meistens schief."
Über Edmund Stoiber hat sich Urban Priol in den letzten Tagen besonders gefreut: "Da konntest Du ja morgens um 10 Uhr schon wieder den Text wegschmeißen oder hast mittags um drei schon wieder was umgeschrieben. Aber das macht's ja auch spannend, und das hält einen frisch und jung." Nachrichtensendungen schaut Priol wie am Fließband: "Das geht schon mit dem 'morgenmagazin' los. Da komm' ich schon oft in Wallung." Parallel Zeitungen lesen und Radio hören, das ist das Tagesgeschäft eines politischen Kabarettisten.
Passanten aufgepasst: "Ich hör' auch immer gern, was die Leute reden - und daraus verdichtet sich das dann", verrät Urban Priol. Rot, Schwarz, Links, Rechts, Ost, West - das sind die klaren Schnittmuster vergangener Tage, derer sich die Kabarettisten bedienen konnten. Urban Priol sagt: "Jetzt ist alles global. Das macht es spannender, man muss in anderen Zusammenhängen denken." Und bei der Großen Koalition achtet er am liebsten auf die ersten Anzeichen innerer Opposition.