Für Menschen wie Detlef Wandt ist der Weg zur Arbeit eine besondere Herausforderung: Der Schweriner arbeitet in Eindhoven in den Niederlanden. Zwei Mal pro Woche fährt er deshalb quer durch Deutschland, sechs Stunden lang. Und immer nachts, wen weniger los ist auf den Straßen. Pendler wie Detlef Wandt sind längst kein Einzelfall: rund 360.000 Meschen pendeln allein von Ost nach West.
"Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!", hieß es vor 20 Jahren auf den Plakaten von DDR-Bürgern, die ultimativ die Einführung der D-Mark im Osten forderten. Die Statistik belegt, viele Jahre nach Vollendung der Einheit, dass viele Arbeitnehmer ihr berufliches und damit auch finanzielles Glück nach wie vor im Westen suchen müssen. Der Einführung von D-Mark und Euro zum Trotz.
Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zufolge gibt es weiter einen großen Pendlerstrom von Ost nach West. Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit hat ermittelt: Im Jahr 2005 etwa fuhren 366.000 Beschäftigte aus Ostdeutschland zum Arbeiten in den Westen, nur 77.000 Westdeutsche traten den umgekehrten Weg an. Damit pendelten per Saldo 290.000 Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt.

Für Detlef Wandt aus Schwerin hat sein Pendlerdasein viele Einschnitte bedeutet: Seine Freundin sieht der Trockenbauer nur noch am Wochenende. Die Wochentage verbingt er im fernen Eindhoven in den Niederlanden. Und zweimal in der Woche fährt er vom Wohn- zum Arbeitsort stundenlang durch die Nacht. Sogar einen Flüssiggas-Tank hat er sich einbauen lassen, damit die Fahrtkosten nicht ganz so hoch sind.
Wandt nimmt viel auf sich für den Job - und er liegt damit im Trend: Insgesamt nimmt die Mobilität bei allen Qualifikationsgruppen zu. Hochqualifizierte weisen über alle Jahre die höchsten Pendlerquoten auf - in Ost wie West. Auch das zeigt die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.
In den regionalen ökonomischen Auswirkungen unterscheidet sich das Pendeln deutlich von der Abwanderung. Ein Auspendler trägt mit seiner Güternachfrage zur Stärkung der lokalen Wirtschaft am Wohnsitz bei. Erhöht sich die Arbeitsnachfrage am Wohnort, können Auspendler von lokal ansässigen Firmen als Arbeitskräfte abgeworben werden, sie verstärken somit den Arbeitskräftepool einer Region. Die Abwanderung von gut qualifizierten Beschäftigten schwächt dagegen die Region meist dauerhaft.