Imperium: Schon die bloße Nennung des Begriffs lässt so manchen Zeitgenossen erschauern. Imperien werden in Verbindung gebracht mit imperialistischen Expansions- und Beutekriegen, mit brutaler Ausbeutung, Unterjochung und gnadenlosem Auslöschen ganzer Kulturen. Doch ist dieser schlechte Ruf gerechtfertigt?
Vom Imperium Romanum über das Spanische Weltreich zieht sich eine blutige Spur durch die Geschichte bis hin zu den Verheerungen durch totalitäre Regime wie die Nazi-Terrorherrschaft oder das Sowjet-Imperium mit den Massenmorden Stalins. Selbst die Vereinigten Staaten sehen sich seit ihrem Vietnam-Desaster bis hin zum Irak-Krieg immer wieder mit ernsten Fragen nach der ethischen Legitimität ihrer Kriegspolitik konfrontiert.
Auf der anderen Seite haben Imperien aber auch unserer Zivilisation wichtige Impulse gegeben. Was wäre aus Europa geworden ohne die Ausbreitung des Römischen Reichs und die Durchdringung der eroberten Gebiete mit den Errungenschaften der römischen Hochkultur? Und: Erst die Allianz zweier Imperien, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, konnte die Welt vom Nazi-Terror befreien. Die politische Klugheit der Amerikaner hat Westeuropa in eine Ära der Sicherheit und des Wohlstands versetzt. Vor allem der Bundesrepublik Deutschland hat sie zur Rolle des verlässlichen freiheitlich-demokratischen Faktors in der Mitte des Kontinents verholfen.
Sind heute nur noch Imperien in der Lage, eine Welt zu retten, die vom Terrorismus bedroht ist? Darüber diskutieren Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski im "Philosophischen Quartett" mit zwei intimen Kennern der Materie: mit Joschka Fischer, dem Außenminister und Vizekanzler der Regierung Schröder, und dem Berliner Politologen und bedeutenden Imperien-Forscher Herfried Münkler.
3sat
21.02.2008,
02.40 Uhr
Phoenix
24.02.2008,
13.00 Uhr
Nach der spektakulären Zeitenwende, dem Zerfall des kommunistischen Ostblocks, ist Russland dabei, sich seinen Anteil an der Bestimmung des Weltgeschicks neu zu erwerben, China hat sich geöffnet und spielt zunehmend die Rolle einer Weltmacht, die USA sind das mächtigste Land der Erde. In einer global vernetzten Welt haben nationale, gar nationalistische Bestrebungen kleiner oder mittlerer Mächte wohl so gut wie keine Möglichkeit mehr, sich strategisch zu Machtfaktoren aufzuschwingen.
Die europäischen Nationen haben in einem langen und noch lange nicht beendeten Prozess daraus Konsequenzen gezogen. Nun kommt alles darauf an, ob sich die Europäische Union als weltpolitischer Partner der großen Mächte kraftvoll und auf Augenhöhe in die Lösung der drängenden Fragen von Freiheitsgewinnung und -bewahrung, von Friedenssicherung und angemessener Verteilung der globalen Ressourcen einbringen kann.
Büchertipps von Rüdiger Safranski:
Alan Posener
Imperium der Zukunft
Pantheon Verlag, 2007
Broschierte Ausgabe, 224 Seiten
11,95 Euro
Ralph Bollmann
Lob des Imperiums
WJS Verlag, 2006
Gebundene Ausgabe, 208 Seiten
18,00 Euro
Tipp von Peter Sloterdijk:
Christopher Alan Bayly
Die Geburt der modernen Welt
Campus Verlag, 2006
Gebundene Ausgabe, 700 Seiten
59,90 Euro
Aktuelle Bücher der Gäste:
Joschka Fischer
Die rot-grünen Jahre
Kiepenheuer und Witsch, 2007
Gebundene Ausgabe, 450 Seiten
22,90 Euro
Herfried Münkler
Imperien
Rowohlt Verlag, 2007
Broschierte Ausgabe, 331 Seiten
9,90 Euro