Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, hatte nicht weniger vollbracht, als die Welt vom Kopf auf die Füße zu stellen. Seine Erkenntnisse von der Entstehung der Arten, seine Theorie der natürlichen Auslese erschütterte gründlich so manches festgefügte Weltbild und den biblischen Schöpfungsmythos.
Bis heute ist der Streit um die Gültigkeit der Darwinschen Beobachtungen von Evolution und der Abstammungslehre des Menschen nicht ausgestanden: Noch immer behaupten Bibelgläubige und "Kreationisten", nicht die Natur, sondern ein Schöpfer habe mit einem "intelligent design" in sechs Tagen die Welt erschaffen (und am siebten Tag dann geruht). Eine noch absurdere Umdeutung Darwins ist der so genannte Sozialdarwinismus, die Übertragung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf gesellschaftliche Verhältnisse.
Kann aber Darwins Theorie der natürlichen Auslese, der geschlechtlichen Selektion, dazu genutzt werden, das Sozialverhalten des Menschen zu erklären?
Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski diskutieren im "Philosophischen Quartett" des ZDF mit ihren Gästen über die verhängnisvolle Irrlehre des "Sozialdarwinismus". Soll es naturgegeben sein, dass der Stärkere sich durchsetzt? Wie weit ist es dann bis zum Herrenmenschentum und zum Rassenwahn? Es debattieren der Wissenschaftshistoriker und Darwin-Forscher Prof. Dr. Ernst Peter Fischer, sowie der Philosoph und Erfolgsautor Dr. Richard David Precht.
Tipp von Rüdiger Safranski:
Charles Darwin
Mein Leben
Insel-Verlag
Tipp von Peter Sloterdijk:
Charles Darwin
Nichts ist beständiger als der Wandel.
Briefe 1822 - 1859
Insel-Verlag
Bücher der Gäste:
Ernst Peter Fischer
Der kleine Darwin.
Alles, was man über Evolution wissen sollte.
Pantheon 2009
Richard David Precht
Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Goldmann 2007
Richard David Precht
Liebe.
Ein unordentliches Gefühl.
Goldmann
(Erscheinungsdatum: 6.3.2009)
Wo bleiben heute Ethik und Moral, wo Anstand und common sense? Wurde nicht bis zur Wirtschaftskrise gern das Überleben der Stärksten propagiert? Da lässt sich die Darwinsche Anpassung auch als Konkurrenzkampf denken: als Wettbewerb um das beste Produkt, um die bessere Idee, die bessere Ideologie, um den besseren Menschen - alle gegen alle.
Mit diesem "Kampf ums Dasein" wäre man gedanklich wieder in die Falle der Sozialdarwinisten gegangen, die Natur gegen Kultur ausspielen. Wie weit gewisse Denkmuster der Darwinschen Theorien womöglich aber doch bedenkenswert sein könnten in unserer Zivilisation, wird im "Philosophischen Quartett" ebenso diskutiert, wie die Frage nach den Grenzen, nach den bizarren und gefährlichen Irrwegen in der Sozio-Biologie und Bio-Ethik.
Das "Philosophische Quartett" wird am 8. März um 17:00 in Phoenix wiederholt.
Das nächste "Philosophische Quartett" präsentiert das ZDF am Sonntag, 19. April 2009.