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13. Februar 2012
 

Philosophisches Quartett

 
25.03. und 13.05.2012
Rückblick: Das Philosophische Quartett vom 28.03.2010 Nachtprogramm

Philosophisches Quartett: Vernetzte Welt

[Video]

Vernetzte Welt

Revolution der Anteilnahme?

Zu Gast bei Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski sind diesmal der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer und der Literaturwissenschaftler Prof. Hans Ulrich Gumbrecht. Sie diskutieren über die erstaunliche Spendenbereitschaft der Bevölkerung, die sich gerade nach den verheerenden Katastrophen der jüngsten Vergangenheit gezeigt hat. Woher könnte diese Großherzigkeit rühren und: Handelt es sich bei ihr um eine länger währende Erscheinung oder nur um ein kurzes Aufflackern von Nächstenliebe?

 
 
 

Unvergessen sind sie, wie eingebrannt in das kollektive Gedächtnis der Völker. Schreckliche Naturkatastrophen forderten in den vergangenen Jahren hunderttausende Tote, verwüsteten ganze Landstriche und brachten unermessliches Leid über die Menschen, die mit dem Leben davongekommen waren. Jüngstes Beispiel: das gewaltige Erdbeben, das jüngst Haiti heimsuchte oder etwa der große Tsunami vom zweiten Weihnachtstag 2004, der die Küsten rund um den Indischen Ozean traf.

 
Menschen suchen nach Überlebenden in den Trümmern eines zerstörten Hauses. Quelle: ap
ap
Auch das Erdbeben in Haiti hat eine Welle der Hilfsbereitschaft provoziert.
 

Global vernetzte Gäste

Diese Katastrophen haben aber auch gezeigt, wie das todbringende Wüten der Natur sofort eine wahre Woge der Mitmenschlichkeit auslöste. In bis dahin unbekanntem Maß eilten nicht nur Staaten und Staatengemeinschaften, sondern Bürger in fast allen Teilen der Welt massenhaft zu Hilfe, um den Betroffenen nicht nur Trost, sondern Geld zur Linderung der Not zu spenden. Viele hundert Millionen Euro und Dollar, vom Kleinstbetrag der Rentnerin bis zur Großspende betuchter Unternehmer und Künstler kamen in kurzer Zeit zusammen - eine fast unglaubliche Explosion der spontanen Anteilnahme. Wie ist dieser nie zuvor erlebte und geradezu revolutionäre Ausbruch von Anteilnahme möglich?

 
ZDF
 

Ist unsere Welt nun endgültig zum "globalen Dorf" geworden? Darüber diskutieren im "Philosophischen Quartett" des ZDF mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski zwei Gäste, die global denken und weltweit vernetzt sind: Joschka Fischer, der ehemalige deutsche Außenminister und heutige Unternehmensberater, und der deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftler und politische Beobachter von der Stanford University, Prof. Hans Ulrich Gumbrecht.

Infobox

Buchtipps

Tipp von Rüdiger Safranski:

Henning Ritter
Nahes und fernes Unglück
Gebundene Ausgabe, 223 Seiten
C.H. Beck, 2005
ISBN 340652186X
19,90 Euro

Tipp von Peter Sloterdijk:

Jeremy Rifkin
Die empathische Zivilisation
Gebundene Ausgabe, 468 Seiten
Campus Verlag, 2010
ISBN 3593385120


Die jüngsten Werke der Gäste:

Joschka Fischer
I'm not convinced - Der Irakkrieg und die rot-grünen Jahre
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten
Kiepenheuer & Witsch, 2010
ISBN: 3462040812

Hans Ulrich Gumbrecht
Diesseits der Hermeneutik
Broschierte Ausgabe, 190 Seiten
Erscheint im April 2010
Edition Suhrkamp
ISBN: 3518123645

Auf dem Weg zur "Weltinnenpolitik"?

Natürlich: Wir kommunizieren im Netz rund um den Globus, wir werden in Echtzeit informiert; Internet und digitale Medien lassen Zeitgrenzen fallen, Distanzen schrumpfen. Entfernungen sind inzwischen entfernt worden. Was ihnen näher kommt, geht den Menschen nahe. Wegsehen, das geht heutzutage nicht mehr. Die Suggestion einer großen Bühne, auf der wir alle agieren und zugleich alle ins Geschehen verwickelt sind, ist übermächtig. So kann eine neue Kultur der Empathie entstehen, eine Art Tele-Nachbarschaft, die sich im Guten wie im Bösen zeigt. Heute stellen nicht nur die Dänen zu ihrer höchst unliebsamen Überraschung fest, dass sie im Karikaturenstreit gemeinsame Grenzen mit islamischen Ländern haben, die keine Landkarte verzeichnet.

 
Mohammed-Karikatur in Dänischer Zeitung. Quelle: dpa
dpa
Nachteil der schrumpfenden Distanzen: Missliebige "Nachbarn", die eigentlich weit entfernt wohnen.
 

Und wenn bei Flutwellen und Erdbeben das ferne Unglück Millionen und Abermillionen nicht betroffener Menschen ohne zu Zögern zu tätiger Hilfe bewegt: Ist dann die Zeit des großen Verstehens, der allgemeinen Empathie angebrochen? Werden dann alle Menschen Brüder, setzt es Impulse in die Politik - oder bleibt es bei bloßer Bewirtschaftung der Emotionen? Fördert die Vernetzung so etwas wie "Weltinnenpolitik"? Es muss sich wohl noch zeigen, ob wir tatsächlich auf dem Weg von der Wahrnehmungsgesellschaft zur Verantwortungsgemeinschaft sind. Oder werden wir uns bald mit neuen Techniken vom Leibe halten, was uns eigentlich angehen sollte?

 
 

Sendungsinformationen

Sonntag, 28.03.2010 00:00 - 01:00 Uhr Nachtprogramm

VPS 28.03.2010 23:55

Länge: 60 min

Gesprächsreihe, Deutschland, 2010

  • 16 zu 9
  • Livestream