Die Teilnahme an freien Software-Projekten empfinden viele Programmierer als Bereicherung. Inzwischen profitieren auch künstlerische Projekte, wie der Trickfilm "Elephants Dream" von dem Prinzip.
Es war wie ein modernes Märchen: 1981 schließt der 26-jährige Bill Gates das Geschäft seines Lebens ab - seine Kleinstfirma Microsoft lizenziert das Computersystem MS DOS an IBM und kassiert damit pro verkauftem PC mit. Er etabliert ein Monopol, wird Milliardär - und auch zur Hassfigur vieler Computernutzer, die gezwungen sind, sein System einzusetzen.
Im Jahr 2006 ist DOS längst durch Windows ersetzt - und auch Programmiererkarrieren sehen anders aus. In Holland lebt der Deutsche Eric Auer. Der 29-Jährige hat sich den Spaß gemacht, mit vielen Gefährten weltweit DOS nachzubauen - als "FreeDOS". Version 1 ist gerade erschienen.
Amerikaner, Kanadier, Briten, Spanier und Chinesen haben an dem Projekt mitgearbeitet. Denn das Free in FreeDOS bedeutet "Freie Software", Open Source nennen es manche und das heißt, jeder kann sich beteiligen. "Freie Software ist eigentlich Software, wo man sich selbst hilft", erklärt Eric Auer, "und die Entwicklung kann auch sehr viel schneller gehen als in Firmen, wo das alles top secret abläuft." Insbesondere die internationale Komponente empfände er als sehr bereichernd: "Normalerweise würde ich ja nicht mit jemandem aus Russland oder Australien zusammenarbeiten".
Nützlich ist das alte System in Neuauflage für Kleinstrechner, für alte Rechner, für alle, die noch mal die alten Spiele aufleben lassen wollen. Diesen Nutzen stellen die Programmierer freier Software kostenlos zur Verfügung, denn darum geht's: Wissen weitergeben: "Geld ist nicht alles", sagt Auer: "Man baut irgendetwas, was man nett findet. Wenn es für andere Leute auch noch nützlich ist, dann ist das doch ein Bonus."
Erfunden haben das Prinzip der freien Software 1983 einige Unix-Hacker - Linux heißt ihr freies System heute und der Oldenburger Martin "Joey" Schulze ist einer der wichtigsten deutschen Programmierer. Debian GNU/Linux nennt sich der Linux-Ableger, den er mit mehr als 1000 Mitprogrammierern weltweit betreut. 26 Rechner hat der Mittdreißiger zuhause in einem kleinen Zimmer am Laufen. Doch es gehe nicht allein um Technik: "Es ist auch schon Verständnis und Enthusiasmus für die Philosophie. Dafür, dass man ein System schafft, das andere benutzen können - und zwar nicht nur die, die es sich leisten können. Dass man etwas für die Allgemeinheit schafft, dass man tatsächlich etwas Gutes schafft. "
Möglich machen diese Zusammenarbeit freie Lizenzen - Vertragswerke, die dafür sorgen, dass jeder Zugang hat, aber keiner den anderen übervorteilen kann. Martin "Joey" Schulze schildert die Vision: "Die Menschheit produziert sehr viel Wissen. Dieses Wissen sollte auch allen zur Verfügung stehen, egal ob sie arm sind oder reich."
Freie, faire Zusammenarbeit über das Internet - ein Prinzip, das auch in anderen Bereichen Einzug hält. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist ein Beispiel, Juristen tun sich im Weblog Groklaw zusammen und jetzt haben erstmals auch Filmemacher so gearbeitet - unter ihnen der junge Künstler Andreas Goralczyk aus Basel. Der 21-Jährige hat mit anderen internationalen Künstlern den Trickfilm "Elephants Dream" geschaffen. Eine fantastische Welt voller liebevoller Details, in der zwei puppenartige Figuren durch eine riesige Maschine wandern.

"Open Movie" nennen sie diesen Film, denn das Konzept wurde offen mit der Community diskutiert - und das Endprodukt wurde ebenfalls komplett freigegeben. Jeder kann sich sogar die ursprünglichen 3-D-Dateien holen und dem Film etwa ein neues Ende verpassen - und könnte das Ganze dann sogar selbst verkaufen.
Goralczyk hat nichts dagegen, im Gegenteil: "Es ist eben das Witzige, dass so viele Leute Meinungen beisteuern können, Vorschläge liefern und dass wir auch sehen, was andere Leute mit unserem Grundgerüst anfangen können. Das können die Leute eben nicht mit dem durchschnittlichen Hollywoodfilm."
Er hält diese Art der Zusammenarbeit für ein zukunftsweisendes Konzept: "Ich denke, Open Source ist ziemlich grundlegend, wenn es darum geht, Inhalte zu entwickeln. Ich denke, das wird in Zukunft noch sehr viel weiter gehen - nicht nur im Bereich Computer, sondern in allen Lebensbereichen." Die einstigen Karrieren der Monopolisten scheinen, verglichen mit dieser Vision, schon fast Geschichte.
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