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12. Februar 2012
 

ZDFneo

 
Arzt mit Weinflasche. Quelle: ZDF
Wenn Genuss zur Sucht wird, ist die Grenze überschritten.

neoDokus

Halbgötter in Not

Wenn Ärzte Hilfe brauchen

Ärzte genießen in der Regel großes Ansehen, nicht selten ein hohes Einkommen. Der Preis dafür ist jedoch vielfach Dauerstress: Wochenend- und Bereitschaftsdienst, Nachtarbeit, 20-Stunden-Schichten in den Kliniken. Dazu kommt die enorme mentale Belastung, der nicht alle Ärzte gewachsen sind. Manche flüchten sich in die Alkoholsucht. 20.000 deutsche Ärzte sollen betroffen sein.

 
 
 

Infobox

Sendedaten

Sehen Sie die Doku am Mittwoch, 17. März um 19 Uhr in ZDFneo.

Der Bochumer Internist Horst P. bekämpft seine Überbelastung mit Valium, das er sich selbst intravenös spritzt. Als seine Ehe zerbricht und er seine 13-jährige Tochter verliert, kommt massiver Alkoholkonsum hinzu. In seiner Praxis bemerken die Patienten seine Schnapsfahne, Kollegen weigern sich bald darauf, ihre Patienten an ihn zu überweisen.

Spritze am Arm. Quelle: ZDF
ZDF
Drogen intravenös und Alkohol satt ...

Zwei Flaschen Wodka intus

Der Bonner Arzt Michael F., ebenfalls Internist, wird durch seinen Beruf ebenfalls zum Alkoholiker. Auch er leidet unter körperlicher und seelischer Überbelastung, hat früh den Tod seines Vaters, als Erwachsener den Tod seines Bruders zu verkraften. Auf dem Höhepunkt seiner Sucht trinkt er täglich zwei Flaschen Wodka, behandelt Patienten mit drei Promille Alkohol im Blut. Seine Ehefrau jedoch hilft ihm aus dieser schweren Krise.

 

Soviel Glück hat Franz S. nicht. Sein arbeitsintensiver Berufsalltag als Leiter einer Klinik macht ihn zum Gewohnheitstrinker, nach kurzer Zeit steht er mitten in der Nacht auf, um sich eine Flasche Wein einzuverleiben. Am Alkoholismus zerbricht seine Ehe, seine Frau verlässt ihn, er verfällt in Depressionen.

Zitat

„Wenn Sie den Eltern erklären, dass ihr Kind es nicht schaffen wird, nehmen Sie diese Gedanken zwangsweise mit nach Hause.“

Dr. S.

Hohes Risiko für Suchtkrankheiten

Mehr als 20.000 deutsche Ärzte sollen laut der deutschen Ärztekammer suchtmittelabhängig sein - durchschnittlich doppelt so viele wie in der Normalbevölkerung. Diese Statistik ist kein Zufall, der Arztberuf birgt überdurchschnittlich hohe Risiken für Suchtkrankheiten: "Wenn Sie einen Patienten sterben lassen müssen, weil Sie nichts mehr für ihn tun können, oder den Eltern erklären, dass ihr Kind es nicht schaffen wird, nehmen Sie diese Gedanken zwangsweise mit nach Hause", sagt der ehemalige Klinikleiter Doktor S.

 

Professor Mundle von der Oberbergklinik Schwarzwald sieht einen Knackpunkt in den fehlenden Auszeiten von Ärzten: Wo eigentlich besonders lange Regenerationsphasen nötig wären, ist das Gegenteil der Fall. Je weniger Zeit zum Abschalten zur Verfügung steht, desto schneller müssen Dinge gelingen - die Hauptursache dafür, dass ein Arzt zur Flasche oder zu Medikamenten greift. Der nahezu uneingeschränkte Zugriff der Mediziner auf Arzneimittel verstärkt diesen Effekt.

 

Leben nach der Sucht

Ärzte, die sich Hilfe holen und ihre Sucht aktiv angehen, haben gute Genesungschancen. Doktor F. und Doktor P. haben ihre Krankheit überwunden und arbeiten heute therapeutisch mit suchtkranken Menschen. Doktor S. ist seit elf Jahren trocken und arbeitete bis 2007 in seinem Beruf als Chefarzt.

 
 
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