Die Geschichte von Jesu Geburt kennt die ganze Welt. Lukas schreibt, Kaiser Augustus habe wegen einer Volkszählung jeden in seine Heimatstadt beordert. Deshalb zogen Joseph und die schwangere Maria von ihrem Wohnort Nazareth nach Bethlehem.
Da Maria und Joseph in dem überfüllten Ort keine Herberge fanden, suchten sie Schutz in einem Stall. Dort gebar Maria ihren ersten Sohn.
Die Niederkunft einer Jungfrau war für die Menschen damals ein gängiges Motiv, Symbol für die göttliche Herkunft des Kindes. Auch Gautama Buddha, Alexander der Große, der Friedenskaiser Augustus und andere herausragende Persönlichkeiten hatten dem Glauben nach überirdische Väter. An der jungfräulichen Geburt des Jesuskindes jedoch kamen bereits in der Antike Zweifel auf.
"Die philosophischen Streiter gegen das Christentum - etwa Celsus im 2. Jahrhundert - haben behauptet, Jesus sei ein uneheliches Kind, der Vater sei ein syrischer Söldner gewesen. Genau der gleiche Vorwurf ist im Talmud (dort steht etwas über einen gewissen Jesus Panthera). Auch Ben Strada, der Name, der in diesem Zusammenhang fällt, ist Panthera. Wie man das kombiniert, ist natürlich eine Sache der Phantasie. Ein Historiker könnte sagen, vielleicht haben wir hier eine Spur des Vaters von Jesus, wenn wir denn annehmen, dass er einen menschlichen, natürlichen Vater hatte."
Ein Mann mit dem Namen Panthera hat gelebt. Soviel steht fest. Seinen Grabstein haben Archäologen in Bingerbrück bei Mainz auf einem Soldatenfriedhof gefunden. Er stammt aus dem 1. Jahrhundert. Dass Panthera, der 40 Jahre in der römischen Armee diente, tatsächlich der Vater von Jesus ist, halten die meisten Forscher für antichristliche Polemik.

Angreifbar sind die biblischen Geschichten um die Person Jesus immer, weil es den Evangelisten nicht auf historische Genauigkeit ankam: So wählten sie Bethlehem, die Heimat von König David, zum Geburtsort Jesu. Denn die Propheten des Alten Testaments hatten vorher gesagt, dort werde der Erlöser geboren. Davon abhängig ist der zeitliche Rahmen, nämlich das Jahr Null. Berechnungen schieben das Ereignis allerdings auf das Jahr vier vor der Zeitenwende.
Auch die Legende vom strahlenden Stern, der den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zum Kind im Stall wies, hält einer näheren Prüfung nicht stand. Astrophysiker identifizieren das biblische Himmelszeichen als Naturphänomen aus dem Jahr sieben vor Christus - und zwar als Coniunctio Magna. Eine spektakuläre Konstellation im Sternbild der Fische, die sich nur alle 794 Jahre wiederholt. Kosmische Zeichen begleiteten schon immer die Geburt außergewöhnlicher Menschen. Überirdisches Licht hüllte Buddha ein, bei Alexander dem Großen fiel Feuer vom Himmel.
Die göttliche Abstammung großer Helden provoziert nicht selten eine Bedrohung ihres Lebens. Die Mär jedoch, dass König Herodes den kleinen Jesus töten wollte, ist wissenschaftlich widerlegt. Einen organisierten Kindermord gab es nicht. Doch in der biblischen Überlieferung liefert Herodes den handfesten Grund für die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten. Josef stand in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes, denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen".