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20. November 2009
 

Ijon Tichy: Raumpilot

 

Ijon Tichy - Raumpilot

Ich hab mich wie ein Schneekönig gefreut, als ich gelesen habe, dass das ZDF eine solche Produktion gemacht hat.
Ich bin schon lange ein Fan von LEM, dementsprechend enttäuscht bis verbittert war ich gestern Abend.
Vorweg: ich hab nix gegen Trash-Humor, freu mich grundsätzlich wenn der Rentnersender ZDF mal was "wagt" und finde die technische Umsetzung völlig o.K.
Leider will sich dennoch keine Freude einstellen, denn gerade bei Lem liebe ich den Wortwitz und die Intelligenz der Sprache. In den Sterntagebüchern spricht Tichy zu uns als absolute Ausnahmeerscheinung. Ein gebildeter, geschulter, eloquenter Wissenschaftler und erfahrener Raumfahrer, der allerdings (!) bizarre und z.T. auch "trashige" Erlebnisse hat. Ja, es wird beschrieben, wie er sich in seiner Rakete etwas zu essen macht u.s.w.. Dabei bleibt Tichy doch trotzdem der gebildete Mann, den man auch auf anderen Planeten schätzt und kennt.
In der ZDF Serie wird der Charakter in erster Linie durch die furchtbare Mischung von "Fantasiepolnischdialekt" absolut verhunzt (was ich im Übrigen fast schon rassistisch finde). Tichy stellt sich als dösender Idiot dar, der kaum kommunizieren kann. Ich nehme ihm den Raumfahrer nicht ab, eher den Dauerkiffer, der seinen Geist für immer in Watte gepackt hat (obwohl das wahrscheinlich eher auf die Produzenten der Serie zutrifft). Tichy wirkt eher dämlich als intelligent oder/und sympathisch. Ihn vom Wohnzimmer aus im Unterhemd durchs "Fenster" durchs Weltall zu steuern, mag man trashig oder sogar "kultig" finden.
ich aber finde es eher doof.
Für den sehr verehrten aber leide verstorbenen Herrn Lem ist diese Sendung jedoch wahrlich keine Ehrung.
Die Sterntagebücher lassen viel Raum für freie Erzählung und eine Darstellung und "frei nach den Motiven von Lem" kann ich durchaus akzeptieren. Ich glaube aber, dass Herr Lem durchaus andere Motive hatte. Insbesondere die Freude an der Sprache macht die Texte von Lem so lesens- und liebenswert. Dieser Aspekt wird ins Gegenteil verkehrt.
Auch wenn Grundideen von Lem, was die eingentlichen Erlebisse (z.T. Planetenbesuche u.s.w.) vielleicht ganz gut umgesetzt wurden, so stimmt zumindest für meinen Geschmack die Grundlage des Ganzen damit nicht mehr. Möglicherweise würde das ganze funktionieren, wenn man sich der klugen Sprache des Herrn Lem bedient hätte und diese z.T. mit dem Sprecher aus dem Off realisiert hätte, der auch mal Originaltext von Lem nutzt.
Worterfindungen waren eine Spezialität von Lem, leider offensichtlich keine Spezialität der Autoren der Serie.
Schade, als Lem-Fan werde ich die Serie nicht weiterempfehlen, denn Menschen, die die Serie toll finden, werden von Lem Texten sicher eher abgeschreckt sein und Menschen, die die Serie so sehen wie ich, werden keine Lust haben, ein Lem-Buch in die Hand zu nehmen.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, wie ich hier im Forum lese.
Ich finde den Trend furchtbar, bestehende Kultur aus der Vergangenheit zwanghaft "zeitgemäß" umsetzen zu wollen (s. schlechte Coverversionen ehemals toller Songs, Neuverfilmungen alter Meisterwerke u.s.w., meistens geht es in die Hose, aber das Zielpublikum weiss es ja nicht besser...).
Schade ZDF, Chance vertan, trotz toller Grundidee.

 

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