Mit dem massiven Gewalteinsatz hat die Militärjunta in Myanmar die Proteste gegen ihre jahrzehntelange Herrschaft offenbar unterdrückt. Augenzeugenberichten zufolge herrschte in den Straßen der größten Städte am Samstag gespannte Ruhe.

Den Berichten zufolge demonstrierten etwa 300 Menschen in Rangun.
Zu Gesprächen über ein Ende des gewaltsamen Vorgehens der Regierung gegen die Demonstranten traf der UNO-Gesandte Ibrahim Gambari im ehemaligen Birma ein. Vor seiner Abfahrt zum Regierungssitz Naypyidaw besprach sich Gambari mit örtlichen UNO-Mitarbeitern. Zunächst war unklar, ob Gambari mit dem Militärherrscher Than Shwe zusammentreffen würde.
Auch war unklar, ob er die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi treffen darf. "Wir haben nicht so viel Hoffnung, aber es ist derzeit unser größter Trumpf", erklärte der Außenminister Singapurs, George Yeo, am Rande der UNO-Vollversammlung in New York. "Wenn er nichts erreicht, kann die Situation ziemlich fürchterlich werden."
Die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Verbündeten des südostasiatischen Landes, China und Japan, forderten die Militärjunta auf, die Stabilität im Land friedlich wiederherzustellen. Er hoffe, dass alle Seiten Zurückhaltung übten, sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Gordon Brown.
Sanktionen gegen das Regime in Rangun hat China bislang abgelehnt. Nach staatlichen Angaben kamen bei den Protesten seit Mittwoch zehn Menschen ums Leben. Brown erklärte, die Zahl könne wesentlich höher liegen, Dissidenten sprechen von bis zu 200 Todesopfern.
Die buddhistischen Mönche, die eine führende Rolle bei den Demonstrationen geführt hatten, waren am Samstag in ihren Klöstern eingeschlossen. "Ich denke nicht, dass wir noch eine Chance haben, zu gewinnen", sagte eine junge Frau, die an einer großen Demonstration am Donnerstag teilgenommen hatte. Sie wurde dabei von ihrem Freund getrennt und hat ihn seitdem nicht mehr gesehen. "Die Mönche gaben uns Hoffnung." Ein anderer Passant sagte: "Die Menschen sind in einem Zustand von Angst und Hass. Vor ein paar Tagen waren alle noch freundlich. Jetzt will niemand mehr mit Fremden reden." Seinen Namen wollte der Passant nicht genannt wissen.
Soldaten standen sowohl in Rangun als auch in Mandalay Wache vor den Klöstern und blockierten die umliegenden Straßen mit Stacheldrahtsperren. Am Samstag blieben Geschäfte und öffentliche Parks leer. Kaum jemand schien sich auf die Straße zu wagen. Die Junta hat zudem den öffentlichen Zugang zum Internet unterbrochen, was internationale Kritik ausgelöst hat.
EU-Chefdiplomat Javier Solana appellierte an China, zur Beendigung des Blutvergießens in Myanmar beizutragen. "Alle Staaten, die Einfluss auf die Entscheidungen der birmanischen Machthaber nehmen können, müssen jetzt handeln. Dies gilt selbstverständlich besonders für die unmittelbaren Nachbarn wie China", sagte er laut "Bild am Sonntag".
Die USA verhängten derweil Einreiseverbote über fast 40 Führungsmitglieder der Junta und ihre Familienangehörigen. Diese Maßnahme sei "eine Antwort auf die Repression des Regimes in Myanmar gegen die eigene Bevölkerung", teilte das US-Außenministerium mit.
Die von den Einreiseverboten betroffenen Mitglieder von Militär und Regierung in Myanmar sowie ihre Angehörigen erhielten ab sofort keine Visa mehr für die USA, erklärte das Außenministerium in Washington. Die Verbote würden in den kommenden Tagen womöglich ausgeweitet: Betroffen sein würden alle Personen, "die eine Verantwortung haben für die aktuellen Angriffe auf unschuldige Zivilisten oder andere Menschenrechtsverletzungen". Erst am Donnerstag hatten die USA die Vermögen von 14 myanmarischen Regierungsmitgliedern auf Eis gelegt.
Hunderte Menschen wurden in den vergangenen Tagen verhaftet. In der Nacht zum Samstag wurde nach Angaben von Angehörigen auch die Oppositionspolitikerin Win Mya Mya abgeführt. Sie ist ein prominentes Mitglied der Nationalen Liga für Demokratie, der Partei von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi.