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22. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
Kreuz der Autobahnkapelle bei Engen im Hegau. Quelle: imago

Kindesmissbrauch: Offenbar dutzende Verdachtsfälle bei Katholiken

Bischofskonferenz erwägt Änderungen der Priester-Ausbildung

In den Missbrauchskandal an Jesuiten-Schulen ist auch ein dritter Pater verwickelt. Wie die Jesuiten mitteilten, war er in den 70er Jahren in Hannover als Jugendseelsorger eingesetzt. Der katholische Orden befürchtet eine Ausweitung des Skandals.

 
 
 

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des "Spiegel" unter allen 27 deutschen Bistümern. Antworten erhielt das Nachrichtenmagazin demnach von 24 Bistümern. Aktuell stehen den Angaben zufolge mindestens zehn Kirchendiener unter Missbrauchsverdacht.

30 potenzielle Opfer gemeldet

Für Aufsehen gesorgt hatte zuletzt ein Skandal um sexuellen Missbrauch an deutschen Jesuiten-Schulen, der von Enthüllungen am Berliner Canisius-Kolleg ausging. Verantwortlich sein sollen drei Pater, die jahrzehntelang als Lehrer und Jugendseelsorger tätig waren. Sie arbeiteten außer an dem Gymnasium in der Hauptstadt auch in Hamburg, St. Blasien im Schwarzwald sowie in Göttingen, Hildesheim und Hannover.

 

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Bislang meldeten sich bundesweit etwa 30 potenzielle Opfer der Beschuldigten, die ihre Taten teilweise einräumten. Die Leitung der Jesuiten gab zu, dass der deutsche Orden schon in den 80er Jahren Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle hatte. Die Ordensführung habe keine Anzeigen erstattet und versucht, das Problem intern zu regeln.

 

Bischöfe: Leitlinien überdenken

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz erwägt Änderungen in der Ausbildung und Begleitung der Priester. "Wir müssen uns fragen, ob die Leitlinien der Bischöfe von 2002 zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch durch Geistliche bereits optimal umgesetzt werden", sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, der "Frankfurter Rundschau". "Vielleicht muss die Prävention trotz aller Fortschritte noch besser werden."

Er warnte allerdings auch vor "angstgeprägten oder von Ressentiments geleiteten Überreaktionen". Bisher kenne er noch keinen Vorschlag "zur Erweiterung unserer Richtlinien wegen fundamentaler Mängel". Wo Studenten und Priester noch nicht ausreichend unterstützt würden, "in ihre sittliche Weiterentwicklung auch die Sexualität einzubeziehen, müssen wir nach Verbesserungen suchen", sagte Langendörfer weiter. In der Fortbildung der Geistlichen sei es wichtig, einen offenen Austausch über schwierige Situationen möglich zu machen. Langendörfer, der selbst Jesuit ist, zeigte sich bestürzt über die jüngsten Fälle von Kindesmissbrauch: "Ich erlebe ein Gesicht meines Ordens, das es für mich bislang nicht gab und das mich sehr erschreckt."

 

Von Gemmingen: Kein Generalverdacht

Der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, warnte vor einem Generalverdacht gegen seinen Orden. Es sei aber gut, dass die Fälle aufgedeckt würden, sagte von Gemmingen der Zeitung "Heilbronner Stimme". Zugleich nahm er einen der beschuldigten Patres in Schutz: "Ich stehe zu ihm. Der hat gesündigt", sagte von Gemmingen.

 
 
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