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21. November 2009
 

heute-Nachrichten

 
Angela Merkel auf dem Katholikentag. Quelle: ap
Angela Merkel auf dem Katholikentag.

Merkel wirbt
für Gottesbezug

Tausende beim Katholikentag in Saarbrücken

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich weiter für einen Gottesbezug in der EU-Verfassung einsetzen. "Ich persönlich glaube, dass wir an dem Thema dran bleiben sollten", sagte sie am Donnerstag auf dem 96. Deutschen Katholikentag in Saarbrücken.

 
 
 
 

Bei der Veranstaltung "Mehr als Euro und offene Grenzen - die EU als Friedesprojekt" warb die Kanzlerin für mehr Vertrauen in die Europäische Union, auch jenseits von großen Projekten wie der gemeinsamen EU-Währung.

 

Werben für Europäische Union

In Europa gehe es immer wieder um die Frage des Vertrauens und die damit verbundene Abgabe von nationalen Kompetenzen. Die EU müsse in einer globalen Welt möglichst mit einer Stimme sprechen, mahnte Merkel. Sie selbst vertraue in Europa. "Je weiter ich von Europa weg bin, desto mehr werde ich zur Europäerin."

 

Einen ausdrücklichen Gottesbezug oder einen Verweis auf das christliche oder jüdisch-christliche Erbe Europas gibt es im Verfassungsentwurf nicht. Stattdessen wird auf das kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas verwiesen. Das Verfahren zur Ratifizierung der EU-Verfassung erlitt durch das "Nein" der Franzosen und Niederländer einen schweren Rückschlag.

 

Kampf der Arbeitslosigkeit

Merkel warnte auch vor Gleichgültigkeit angesichts der Massenarbeitslosigkeit. "Das Schlimmste ist, wenn man das nicht mehr als Problem empfindet, dass wir zu viele Arbeitslose in Deutschland haben", sagte Merkel bei einem Besuch auf der "Kirchenmeile". Dort sprach sie auch mit Vertretern der kirchlichen Initiative "Aktion Arbeit" zu Gunsten schwer vermittelbarer Jugendlicher.

 

Als zwei besonders große Problem-Gruppen nannte sie die über 50- Jährigen, die trotz ihrer Berufserfahrung praktisch keine Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz mehr hätten, und die Jugendlichen. Über die derzeitige große Lücke bei Ausbildungsplätzen werde das Kabinett noch einmal beraten, sagte die Kanzlerin und verwies auf den am Montag bevorstehenden "Tag der Ausbildung". "Wir fühlen uns gefordert."

 

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Deutscher Katholikentag

Deutscher Katholikentag Deutsche Katholikentage heißen die Treffen, bei denen sich die Kirche mit ihren Verbänden und Institutionen über mehrere Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Katholikentage finden in der Regel in geraden Jahren an wechselnden Orten statt. Seit 1848 gehen von den Katholikentagen immer wieder Impulse für Kirche und Gesellschaft aus, etwa für die Entwicklung einer katholisch-sozialen Bewegung, für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg oder für die Integration Heimatvertriebener. In nationalsozialistischer Zeit gab es keine Katholikentage. Zuletzt prägte die Jugend mit ihrem Eintreten für Frieden, Umweltschutz und ökumenische Fragen die Treffen.

 

Wurzeln und Werte

Am Morgen hatte Merkel am zentralen Katholikentags-Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt teilgenommen und sich anschließend in das Goldene Buch der Stadt Saarbrücken eingetragen. Bei ihrem Rundgang informierte sich die Kanzlerin auch über die Arbeit des katholischen Hilfswerks Misereor, das Projekte in der Dritten Welt unterstützt, und den Katholischen Deutschen Frauenbund.

 

Merkel, Tochter eines protestantischen Pfarrers, hatte bereits im vergangenen Jahr den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover besucht und dort die Bedeutung ihrer christlichen Wurzeln und Werte auch für ihre Politik betont.

 

Der am Vorabend eröffnete Katholikentag nahm am Donnerstag seine inhaltliche Arbeit auf. Das Christentreffen steht unter dem Motto "Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht" und stellt vor allem soziale Fragen in den Mittelpunkt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) spricht über eine familiengerechte Politik. Als weitere Themen stehen am Donnerstag die Ökumene und die Rolle der Frau in der Kirche im Mittelpunkt.

 

Kein Platz für Hasenhüttl

Keinen Platz im offiziellen Programm gibt es für den Saarbrücker Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl, den wegen einer Eucharistiefeier mit evangelischen Christen suspendierten Priester und Ökumeneverfechter. Er wird am Rande des Katholikentages auftreten, und auf Einladung katholischer Basisgruppen mit den evangelischen Theologen Johanna Haberer und Fulbert Steffensky über die Zukunft der Ökumene diskutieren.

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Zahlen, Daten und Fakten zum Katholikentag

Die Zahl der Dauerteilnehmer gibt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mit 24.400 an. Insgesamt werden bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag 40.000 Gäste erwartet. Die Kosten für den Katholikentag in der Landeshauptstadt sind mit 6,7 Millionen Euro veranschlagt. Davon fließen 1,25 Millionen Euro an Landesmitteln und eine gleich große Summe vom gastgebenden Bistum Trier. Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) steuert eine Million Euro bei, der Bund 400.000 Euro. An Spenden und Teilnehmerbeiträgen sowie durch Sponsoring kamen 2,1 Millionen Euro zusammen.