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19. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
Farmville. Quelle: ZDF,A. Locker

Goldene Nase mit grünem Daumen

Facebook-Spiel "Farmville" mit Risiken

von Anatol Locker

In nur sechs Monaten avancierte "Farmville" zum beliebtesten Facebook-Spiel aller Zeiten. Doch hinter der putzigen Fassade steckt eine Geschäftsidee, die knallhart die Daten der Spieler nutzt - und sie im schlimmsten Fall sogar abgezockt.

 
 
 
 

"Da regen sich alle über Killerspiele auf, dabei ist Farmville viel gefährlicher", stöhnt "Farmville"-Spieler Knut G., "Das macht ja süchtig wie Crack!" So wie Knut G. geht's derzeit vielen Spielern: In nur sechs Monaten avancierte "Farmville" zum beliebtesten Facebook-Spiel aller Zeiten. 65 Millionen bestellen weltweit ihre virtuellen Felder. Farmvilles Betreiberfirma Zynga gehört zu den erfolgreichsten Start-Ups der Spieleindustrie: schon "Mafia Wars", "Vampire Wars" und "Poker" liefen erfolgreich auf Facebook und MySpace.

 

Bauern-Tamagotchi für Facebook

"Farmville" ist eine einfache Echtzeit-Simulation. Das Spiel erlaubt Facebook-Mitgliedern, einen virtuellen Bauernhof zu bewirtschaften. Man pflanzt Getreide, Beeren und Bäume. Ist die Saat reif, wird abgeerntet und kassiert. Da "Farmville" in Echtzeit abläuft, müssen die Spieler täglich nach dem Rechten sehen: Eine Art Tamagotchi für Erwachsene, sozusagen.

 

Vom sauer verdienten Geld kauft der Spieler im virtuellen Marktplatz Samen, Bäume, Tiere, Gebäude, Fahrzeuge und mehr Land. Schneller geht's, wenn er bereit ist, echtes Geld zu investieren. Für 10 US-Dollar bekommt er 55 "Farm-Cash" oder 15.800 "Farm-Coins" - womit sich schneller neuer Schnickschnack für Farmville kaufen lässt.

 

Bauer sucht Nachbarn

"Farmville" wäre nicht so erfolgreich, könnte man es nicht mit Freunden spielen. Social-Media-Experte Benedikt Köhler meint dazu: "Social-Gaming könnte man als 'Familien-Spieleabend' beschreiben. Man spielt nicht gegen einen Computer, sondern gegen Menschen, die man kennt. Da diese Freundesnetzwerke zum Teil sehr groß sind, wird zu jeder Zeit irgendwo gespielt."

 
Farmville. Quelle: ZDF,A. Locker
ZDF,A. Locker
"Farmville": Facebook-Spiel mit Suchtfaktor

So kann man sich gegenseitig helfen, virtuelle Bäumchen schenken und auf die Farm des Freundes aufpassen, während der im Meeting sitzt. Und das bekommen die anderen mit. "Fast jeder Spielzug, jeder Erfolg ist für die eigenen Facebook-Kontakte sichtbar. Auf diese Weise bleibt das Spiel immer präsent und hat einen hohen Aufforderungscharakter", so der "Director Digital Strategy und Research" bei Ethority weiter.

 

Personalisierte Werbung und Abofallen

Nachteile hat die Sache auch, findet Köhler: "Die Grenze zwischen Social Gaming und Social Spam ist schmal. Wenn ich keine Lust auf einen Schafkopf-Abend habe, gehe ich nicht dahin. Das kann bei Social Gaming schwierig werden. Auch der hohe Suchtfaktor von Spielen, die in Echtzeit und mit echten Kontakten gespielt werden, kann in einzelnen Fällen zum Problem werden".

 

Was die meisten nicht wissen: Wer "Farmville" oder andere Spiele auf Facebook zockt, gibt dem Betreiber mit einem Mausklick sein gesamtes soziales Netzwerk preis. Und mit diesen Daten wird Kasse gemacht: Sie werden für personalisierte Werbung ausgewertet.

 

"Fishville" - "Farmville" unter Wasser

Zynga verdient etwa ein Drittel seines Geldes mit Anzeigen, die in ihren Spielen geschaltet werden. Das zweite Drittel kommt durch In-Game-Käufe, der Rest durch Firmen, die die gesammelten Daten für Marktforschung nutzen. Auch die Gutgläubigkeit der Spieler wird ausgenutzt: Amerikanische Facebook-User berichten, dass sie im Glauben, mit einem kleinen Quiz einer Fremdfirma "Farmville"-Cash zu verdienen, in Abofallen getappt sind.

 

Außerdem fällt auf, wie eng Facebook und Zynga vernetzt sind. "Andere Spieleanbieter fallen immer weiter zurück", konstatiert der kritische Techcrunch-Blogger Michael Arrington, "Zynga bekommt einfach die meisten Werbeeinnahmen." Und sollte "Farmville" eines Tages nicht mehr attraktiv sein, steht schon das nächste Spiel in den Startlöchern. "Fishville" startete vor wenigen Tagen - Farmville unter Wasser, sozusagen.