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21. November 2009
 

heute-Nachrichten

 
Harald Schmidt. Quelle: ZDF
Harald Schmidt moderiert im heute-journal

Schmidts Knochenjob im ZDF

Harald Schmidt moderierte das "heute-journal"

von Hubert Krech

Premiere im ZDFheute-journal: Der Kabarettist und Entertainer Harald Schmidt hat einen Teil der Moderation übernommen. "Das war sehr anstrengend", sagte Schmidt nach der Sendung, "ich habe mich mal wieder überschätzt." In seiner eigenen Sendung könnten Fehler als "Kult verklärt" werden, in einer Nachrichtensendung gehe das aber nicht. Möglich wurde das kurze Intermezzo, weil sich Schmidt in seiner Sendung als Urlaubsvertretung fürs heute-journal beworben hatte.

 
 
 
 

"Das ist der Job für mich!", hatte Schmidt in seiner Late-Night-Show Anfang März gesagt. In der Zeitung hatte er gelesen, dass die Urlaubsvertretung für Marietta Slomka und Claus Kleber frei geworden war. "Ich habe viel Zeit, ich bin nicht ausgelastet mit dieser kleinen Sendung hier: ZDF, hier ist meine Bewerbung!"

"Verwende nur bekannte Buchstaben"

"Das war Eins A, fünf Sterne", lobte heute-journal-Chef Claus Kleber die "Schnuppermoderation" des Fernsehstars. Und auch der Entertainer war mit sich zufrieden: "Es war ganz schön anstrengend, aber es war ein wunderbarer Tag beim ZDF." Schmidt sprach die einleitenden Sätze zu einem Beitrag über den neuen Kinofilm "Hochstapler" - in seiner bekannten süffisanten und ironischen Art, inklusive Mimikspiel.

 

Den ganzen Nachmittag über formulierte Harald Schmidt an seinem Text: "Ich versuche nur Buchstaben zu verwenden, die ich auch kenne", witzelte er im Interview mit ZDFonline. Aus dem Gag mit der kurzen heute-journal-Moderation - wird daraus etwa ein Flirt mit dem ZDF? Immerhin war Harald Schmidt im Januar auf dem "Traumschiff" und übernahm eine kleine Rolle in "Unser Charly".

 

Flirt mit dem ZDF?

Tatsächlich äußerte er sich bei seinem Besuch im ZDF über die "erkaltete Liebe" mit der ARD. "Von meinen eigenen Worten distanziere ich mich aber gleich wieder", scherzte Schmidt, indem er Tonfall und Dialekt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger nachahmte.

 

Der Job von Claus Kleber bleibt aber wohl sicher, denn Harald Schmidt bekannte, dass ihm die nachrichtliche Arbeit totz des Spaßes nicht so recht liege: "Ich sage nur: Schuster, bleib bei deinen Leisten! Wenn ich Fehler mache, kann ich das als Kult und Satire verklären, aber in einer Nachrichtensendung geht das nicht." Dass das ZDF den Spaß mitgemacht habe, fand er "klasse": "Das zeigt das Standing der Sendung, dass Sie so etwas machen und auch überstehen."

 

"Das wird der Hammer"

Gut gelaunt kam Harald Schmidt schon am Nachmittag auf dem Lerchenberg an: "Keine Aktion der letzten Zeit hat so viel Aufsehen erregt wie meine Schnupper-Moderation beim ZDF", sagte Schmidt zur Begrüßung zu Claus Kleber: "Die Leute sprachen mich an, jetzt auch noch im Zug und im Taxi: 'Lesen Sie mal gute Nachrichten vor, Schmidtchen.'"

Welche Rolle Schmidt bei der Live-Sendung übernehmen sollte, das wurde in der Nachmittags-Konferenz des heute-journals besprochen: Der letzte Beitrag sollte von ihm anmoderiert werden: "Ich werde nur wenige Sätze sagen, aber das wird der Hammer. Ich werde die Geschichte der Nachrichtensendungen neu schreiben", war sich Schmidt sicher.

Auf dem "Terrorismus-Experten-Stuhl"

In der Konferenz lobte er das heute-journal als "beste Nachrichtensendung" im deutschen Fernsehen - "das meine ich wirklich so! Mit Claus Kleber und Marietta Slomka hat das ZDF zwei Moderatoren, die Starqualitäten haben." Und auch Gundula Gause und Heinz Wolf seien perfekte Co-Moderatoren auf Augenhöhe.

 
Harald Schmidt in der heute-journal-Konferenz. Quelle: ZDF
ZDF
Harald Schmidt in der heute-journal-Konferenz

Nach der Redaktionskonferenz ging es ans Arbeiten: Schmidt bekam Zeit, sich den Text für seine Moderation zu überlegen - er bezog dafür extra ein Büro. Und natürlich musste Harald Schmidt zur Probe ins Nachrichtenstudio: "Mann, das ist ja viel kleiner als es im Fernsehen aussieht, im Fernsehen sieht das so spacig aus, aber so in Wirklichkeit..." Und dann nahm er Platz auf dem Moderationsstuhl links außen. "Ich nenne den Platz immer gern den Terrorismus-Experten-Stuhl - weil hier immer Elmar Theveßen sitzt."

 

Lampenfieber war dem Entertainer nicht anzumerken, im Rampenlicht ist er eben zu Hause, aber "Demut und Respekt" fühle er angesichts der Aufgabe schon: "Ein völlig neues Gefühl für mich."