Vor acht Jahren war sie wegen einer Korruptionsaffäre ins Exil geflüchtet - nun ist die frühere pakistanische Regierungschefin Benazir Bhutto zurückgekehrt. Unter dem Jubel hunderttausender Anhänger kündigte sie an, wieder regieren zu wollen.
Ungeachtet der Todesdrohungen des Terrornetzwerks El Kaida hat sich Bhutto in der Hafenstadt Karachi im Süden des Landes von hunderttausenden Anhängern feiern lassen. Sie erklärte, sie kehre nach acht Jahren im Exil "mit einer Botschaft des Wandels und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Demokratie zurück". Kurz vor ihrem Abflug hatte sie betont: "Wir brauchen Demokratie in Pakistan."
Ihre Rückkehr war möglich geworden, weil Staatschef Pervez Musharraf per Dekret die gegen sie erhobenen Korruptionsvorwürfe für nichtig erklärte. Der schwächelnde Präsident hofft, mit Hilfe Bhuttos an der Macht bleiben zu können.
Bhutto traf an Bord einer Maschine aus Dubai in Karachi ein. Auf der Gangway hielt sie kurz auf der letzten Stufe inne, bevor sie unter Tränen nach acht Jahren wieder pakistanischen Boden betrat. Gekleidet war die 54-Jährige in eine traditionelle Tunika in grün sowie weiße Hosen und weißen Schal - die Landesfarben Pakistans.

Ihr jubelten nach Angaben der Polizei 250.000 Anhänger zu. Nach Angaben der von ihr auch aus dem Exil heraus weiter geführten Pakistanischen Volkspartei (PPP) waren es eine Million Menschen, die sich in Karachi versammelt hatten.
Zu ihren Zielen sagte die Politikerin: "Wir wollen Extremisten isolieren und ein besseres Pakistan aufbauen." Die Todesdrohungen von El Kaida hätten sie nicht von der Rückkehr abhalten können. "Ich will nicht über das Risiko nachdenken", betonte Bhutto, deren Bruder 1996 in Karachi erschossen und deren Vater 1979 durch die damaligen Militärmachthaber gehenkt worden waren. "Ich denke an die Chance für mein Volk."
Wegen der Drohungen von El Kaida glich Karachi einer Festung: 20. 000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um die Oppositionspolitikerin zu beschützen. Nach ihrer Ankunft begab sich die erste Frau, die jemals in einem islamischen Land die Regierung führte, auf eine Prozession zum Mausoleum von Staatsgründer Mohammad Ali Jinnah. Dafür war ein Lastwagen extra umgebaut und komplett mit schusssicheren Scheiben ausgerüstet worden. Doch Bhutto blieb nicht hinter diesen Scheiben, sie stellte sich demonstrativ davor, um ihre Anhänger zu grüßen.
Bhutto war zwischen 1988 und 1990 sowie zwischen 1993 und 1996 Regierungschefin in Pakistan. Anschließend hatte sie sich mit dem Gang ins britische Exil einer Strafverfolgung wegen Korruption entzogen. Ein von Musharraf unterschriebenes Dekret, das für Politiker in den Jahren 1985 bis 1999 eine Strafverfolgung wegen Korruption ausschließt, soll nun den Weg für eine Machtteilung zwischen dem geschwächten Präsidenten und Bhutto ebnen.
Derzeit prüft aber der Oberste Gerichtshof Pakistans, ob das Dekret verfassungswidrig ist. Die pakistanische Regierung hatte Bhutto aufgefordert, ihre Rückkehr zu verschieben und bis zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs über die Verfassungsmäßigkeit ihrer Amnestie zu warten.
Der Oberste Gerichtshof muss ebenfalls noch über die Rechtmäßigkeit von Musharrafs Sieg bei der Präsidentschaftswahl am 6. Oktober entscheiden. Der Staatschef musste in den vergangenen Monaten mit ansehen, wie seine Popularität in der Bevölkerung rapide sank. Er hofft nun, durch eine Machtteilung weiter an der Spitze des Staates stehen zu können. Bhutto soll dabei neue Regierungschefin werden.
Benazir Bhutto wurde am 21. Juni 1953 geboren. Ihr Vater, Pakistans damaliger Präsident und Ministerpräsident Zulfikar Ali Bhutto, schickte seine älteste Tochter zum Studium nach Oxford und Harvard. Nach dem Militärputsch von 1977 wurde er hingerichtet.
Unter der Herrschaft von General Zia ul Haq wurde Bhutto mehrere Male verhaftet. 1984 ging sie das erste Mal ins Exil. Zwei Jahre später kehrte sie zurück und führte Massendemonstrationen für die Wiederherstellung der Zivilregierung an. 1988 führte Bhutto ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) zum Wahlsieg und wurde die erste Ministerpräsidentin eines islamischen Staates.
Schon bald aber geriet sie mit der militärischen Elite aneinander. Nach 20 Monaten wurde ihre erste Regierung unter Korruptionsvorwürfen entlassen. 1993 wurde Bhutto wiedergewählt. 1996 wurde ihr Bruder Murtaza bei einer Schießerei mit der Polizei in Karachi getötet. 1999 ging sie nach Korruptionsvorwürfen erneut ins Exil.
Bhutto ist mit einer Kampfansage an die islamischen Extremisten gekommen, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben. "Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und El Kaida am meisten fürchten", schrieb sie in ihrer Autobiographie.