Bei den gewalttätigen Krawallen am Rande der Anti- G8-Demonstration am Samstag in Rostock sind Polizeiangaben zufolge 146 Polizisten verletzt worden, 25 davon schwer. Wie viele Demonstranten verletzt wurden, sei nicht bekannt, sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg. Mehrere Personen seien festgenommen worden. Die Polizei sprach von mehreren tausend gewaltbereiten Autonomen bei der Großdemonstration, an der insgesamt 25.000 Menschen teilgenommen hätten. Die Veranstalter nannten dagegen eine Gesamtzahl von rund 80.000 Teilnehmern.
An den gewalttätigen Krawallen in Rostock am Samstag waren nach Angaben der Polizei "mehrere tausend militante Autonome" beteiligt. Diese Gruppe habe bereits kurz nach dem Start des Protestzuges vom Hauptbahnhof zum Stadthafen einen geschlossenen "Schwarzen Block" gebildet, aus dem heraus später Einsatzkräfte attackiert worden seien, teilte die Polizei mit.
Die Polizei habe nach dem Start der Demonstrationszüge zur Abschlusskundgebung am Stadthafen im Rostocker Zentrum "auf Deeskalation" gesetzt, hieß es. Beide Züge hätten sich ohne unmittelbare Polizeibegleitung auf den angemeldeten Routen bewegt. Aus dem von militanten Autonomen gebildeten Block sei es dann auf der Strecke vom Hauptbahnhof zum Stadthafen zunächst zu Steinwürfen auf das Gebäude einer Sparkasse gekommen.
Am Stadthafen sei die Lage "eskaliert", als aus dem "Schwarzen Block" heraus militante Autonome Polizeibeamte in ihrem Dienstfahrzeug angegriffen hätten. Das Fahrzeug sei schwer beschädigt, die Insassen verletzt worden. Anschließend seien von Anwohnern geparkte Fahrzeuge umgestürzt und teilweise in Brand gesetzt worden.
Die Einsatzkräfte seien mit Stöcken, Steinen und zerbrochenen Gehwegplatten "in bisher nicht gekannter Brutalität" attackiert worden, hieß es weiter. Diese Angriffe hätten erst durch den Einsatz von Wasserwerfern abgewehrt werden können
Am Samstagabend dann habe die Polizei mit einem massiven Aufgebot die Lage in den Griff bekommen. Die Polizei forderte friedliche Demonstranten dringend auf, sich von den Gewalttätern auch räumlich zu distanzieren.
Bei den Krawallen in der Innenstadt wurde Scheiben eingeworfen, außerdem wurde von Dutzenden zerstörten oder ausgebrannten Autos berichtet. Die Schäden an öffentlichen Einrichtungen durch die schweren Krawalle sind nach Aussage der Stadtverwaltung "vermutlich eher gering". Nach einer ersten Schätzung gehe die Stadt von einer Schadenshöhe von weniger als eine Million Euro aus, teilte Stadtsprecher Ulrich Kunze, mit.
Kurz vor dem G8-Gipfel in Deutschland haben am Samstag in London mehrere tausend Demonstranten zum Kampf gegen die Armut aufgerufen. Sie forderten den scheidenden britischen Premierminister Tony Blair und die anderen Regierungschefs auf, in Heiligendamm ihre Hilfe-Versprechen vom Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles zu erfüllen. Die Menschen in Afrika warteten noch auf die Hilfe.
Insgesamt demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 25.000 Globalisierungskritiker am Samstag in Rostock gegen den kommende Woche anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm.
Die Demonstration unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" war von zahlreichen Gruppen aus dem In- und Ausland organisiert worden, darunter das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Umweltorganisation Greenpeace, Gewerkschaften, Parteien und kirchliche Verbände. Auf Spruchbändern wandten sich die Demonstranten gegen die Existenz von Atomwaffen und die Irak-Politik der USA.
Zudem warfen sie den Industriestaaten eine Ausbeutung der Dritten Welt vor und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Insgesamt sollen nächste Woche bei den Protesten und zum Schutz des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm 16.000 Polizisten eingesetzt werden. Den Demonstranten untersagten die Behörden unter anderem, Flaggen oder andere Symbole zu verbrennen, sowie Dosen oder Glasflaschen dabei zu haben.
Zahlreiche Polizeihubschrauber waren im Einsatz und kreisten über den Demonstrationszügen. Auf zwei Routen durchquerten die Demonstranten die Stadt.
Die Veranstalter der Großdemonstration in Rostock distanzierten sich von den Gewalttätern. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Angriff auf Personen", sagte Attac-Aktivist Werner Rätz am Samstagabend. Die Auseinandersetzungen seien "überhaupt nicht im Sinne der Veranstalter".
Eine solche Eskalation sei in den Planungen für nicht möglich gehalten worden. "Wir hatten in der Tat die Eskalationsdynamik unterschätzt." Jetzt gehe es darum, die Lage zu beruhigen. Für die kommenden Tag wagte Rätz keine Prognose. Beide Seiten müssten versuchen, die "emotionalisierende Situation" in den Griff zu bekommen.
Der G8-Gipfel in Heiligendamm