Das englische Dorf Argleton: Beim Online-Kartendienst Google Maps ist es problemlos zu finden, in Wirklichkeit aber gar nicht vorhanden. Solche Kartenfehler häufen sich bei Google Maps, sagen Kritiker. Auch deutsche Karten sind nicht immer richtig.
Taizo ist Webdesigner und wohnt in Kirishima irgendwo im Süden Japans. Sein größter Wunsch: "Ich würde gerne einmal Argleton besuchen." So jedenfalls steht es in einer Nachricht, die der 34-Jährige kürzlich über Twitter in die Welt posaunte. Taizos Wunsch wird niemals in Erfüllung gehen. Denn die englische Ortschaft Argleton, 17 Kilometer nördlich von Liverpool, ist eine virtuelle Geisterstadt. Es gibt sie nur bei Google Maps.
Mike Nolan von der Edge-Hill-Universität im nahen Ormskirk hat den Fehler bei Google Maps entdeckt. "Ich bin in der Gegend aufgewachsen", erzählte er dem britischen "Guardian". Der falsche Eintrag sei ihm deshalb sofort aufgefallen. Er kenne die Gegend genau. Dort gebe es weder Straßen noch Häuser - nur einen Acker. "Ich glaube, ein Fußweg führt quer über diesen Acker - aber das ist auch schon alles."
Schaltet man bei Google Maps von der Landkarten- auf die Satellitenansicht um, wird klar: Mike Nolan hat Recht. Argleton existiert tatsächlich nicht. Dort wo die Ortschaft liegen sollte, gibt es auf Googles gestochen scharfen Satellitenbildern nur Felder, Hecken und Wiesen. Denselben Kartenfehler findet man im Übrigen auch auf Google Earth, dem virtuellen Globus der Suchmaschinenfirma - kein Wunder. Beide Dienste benutzen dasselbe Kartenmaterial. Es stammt von der niederländischen Firma Tele Atlas.
Im Mitmachweb brodelt derweil die Gerüchteküche. Eine der vielen Theorien, die in Blogs gehandelt werden, unterstellt, die falsche Ortschaft sei von der holländischen Firma bewusst in das Kartenmaterial eingefügt worden, um Urheberrechtsverstöße nachweisen zu können. Benutzt jemand einen Kartenausschnitt unerlaubt, könne die Herkunft des Kartenmaterials mit Hilfe solcher Falscheinträge nachgewiesen werden.
Tele Atlas gibt den Fehler zu, bestreitet aber, die falsche Ortschaft bewusst eingetragen zu haben. Eine Erklärung, wie das falsche "Argleton" in die echte Landkarte kommen konnte, hat man in den Niederlanden aber nicht. "Ich weiß wirklich nicht, wie diese Anomalie in unsere Datenbank geraten ist", erklärte ein Sprecher des niederländischen Unternehmens.
Auch bei Google gibt man sich ratlos. Die Landkarten von Google Maps seien ganz überwiegend korrekt, heißt es bei Google lapidar. Weitere Kommentare lehnte die Suchmaschinenfirma ab. Dabei zeigt schon ein Blick ins deutsche Hilfeforum von Google Maps, dass Googles Landkarten auch sonst mit Fehlern gespickt sind.
Zum Beispiel in Berlin. Hier macht Google Maps die "Abajstraße" zum "Platanenhof". Merkwürdigkeiten auch bei der Suche nach "Nennsdorf", einem kleinen Ort in Thüringen, südlich von Jena. Der Ort wird zwar gefunden. Doch die niederländischen Kartenlieferanten haben das thüringische Dörfchen kurzerhand in "Netzkater" umgetauft.
Beschwerden helfen wenig. Google verweist bei Kartenmängeln stets auf Tele Atlas. Fehler mögen bitte dort gemeldet werden. Die Niederländer scheinen mit Fehlermeldungen aber eher lax umzugehen. "Leider kümmert sich bei Tele Atlas niemand um die Aktualisierung (falscher Karten)", beschwert sich Forumsnutzer Michael, einer von vielen frustrierten Google-Maps-Nutzern, die sich im Hilfeforum zu Wort melden.
Auch Jörg F. aus Bamberg hat sich mehrfach bei Google und Tele Atlas beschwert. Seine Firma werde von niemandem mehr gefunden, weil Google den falschen Straßennamen verwende, schimpfte der Bamberger. "Der Name der benachbarten Straße wurde einfach übernommen und bei Verwendung der Suchfunktion landet man im nächsten Ort, fünf Kilometer weiter." Seine vier Beschwerden blieben ohne Erfolg.