Ein neuer Fußball-Wettskandal hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum europäische Ausmaße. 200 Spiele sollen betroffen sein, darunter 30 in Deutschland, wo 15 Haftbefehle vollstreckt wurden. Partien der 2. und 3. Liga sind ins Visier der Fahnder geraten.
In Deutschland sollen zusätzlich 18 Spiele der Regionalliga, fünf der Oberligen sowie zwei U19-Begegnungen manipuliert worden sein. Sämtliche Spiele stammen aus dem Jahr 2009. Das gab die Staatsanwaltschaft am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt.
Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern betroffen sein. Neben Deutschland sind dies Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich. Hinzu kommen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele aus der laufenden Saison, sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM.
Die Tätergruppe mit insgesamt über 200 Verdächtigen soll seit Beginn des Jahres Sportler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle bestochen und Wettgewinne in Höhe von mehreren Millionen Euro bei europäischen und asiatischen Wettanbietern erzielt haben.
Die Europäische Fußball-Union UEFA zeigte sich zufrieden über die Ermittlungsresultate. "Andererseits sind wir aber auch zutiefst betroffen. "Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball jemals gegeben hat", sagte Peter Limacher, UEFA-Experte für die Bekämpfung von Spielmanipulationen.
Da Spiele der aktuellen Europapokalsaison betroffen sind, sind Konsequenzen für den laufenden Spielbetrieb möglich. "Wir müssen erst die Täter ermitteln, dann können wir sagen, welche Konsequenzen es gibt", sagte Limacher.
Erst zu Beginn dieses Jahres hat die UEFA das Frühwarnsystem gegen Wettbetrug (BFDS) eingeführt und zuletzt 40 Spiele auf mögliche Manipulationen untersucht und Sportgerichtsverfahren eingeleitet. Dabei handelte es sich ebenfalls um Begegnungen der Champions League sowie des damaligen UEFA-Pokals.
Dass aber ein Großteil der Betrügereien auf dem Wettmarkt nicht durch die Frühwarnsysteme erkannt wurden, wirft ein schlechtes Licht auf die Bemühungen der Fußballverbände. "Die Frühwarnsysteme können nicht jede Form von Wettbetrug aufdecken", beschrieb Limacher den problematischen Kampf gegen die Wett-Mafia.
15 Verdächtige wurden in Deutschland verhaftet, darunter auch Ante S. . Der sei am Donnerstag in Berlin festgenommen worden, erklärte Rechtsanwalt Stefan Conen. Der 33-jährige S. war als mutmaßlicher Drahtzieher des Manipulationsskandals um Schiedsrichter Hoyzer 2005 vom Landgericht Berlin zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden.
Mehr als 50 Durchsuchungsbeschlüsse in sechs deutschen Bundesländern sowie der Schweiz, Österreich und Großbritannien wurden vollzogen. Es wurden Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von mehr als einer Million gesichert.
Laut Staatsanwaltschaft ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Zahl der Tatverdächtigen als auch die Anzahl der betroffenen Spiele durch weitere Ermittlungen erhöhen wird. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden zur Identität der beteiligten Personen sowie der betroffenen Mannschaften derzeit keine Auskünfte erteilt.