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22. März 2010
 

Sport

 
Ägyptische Fußballfans. Quelle: ap
Entsetzte ägyptische Fans.

Fußball - WM-Qualifikation

Der Traum ist aus -
Entsetzen in Ägypten

Fans der "Pharaonen" nach der Niederlage
gegen Algerien am Boden zerstört

von Julia Gerlach, Kairo

Ägypten liegt nach der verpassten WM-Qualifikation gegen Algerien in tiefer Depression. In Algerien hingegen feierten die Fans bis zum Morgen. Beim Duell der nordafrikanischen Rivalen ging es um mehr als nur Fußball.

 
 
 
 

"Das war die Nakda - die Katastrophe", sagt Mustapha Mounir, mittlerer Angestellter, steigt in sein Auto und knallt die Tür zu. Übellaunig macht er sich heute Morgen auf den Weg in sein Büro. "Nakba", dieser Begriff ist eigentlich für die Niederlage der Araber im Krieg gegen Israel 1967 reserviert. Doch ungefähr genauso niedergeschlagen ist die Stimmung in Ägyptens Hauptstadt Kairo am Tag nach dem 0:1 gegen den Erzrivalen Algerien und dem damit verbundenen Verpassen der WM 2010.

 

Ganz Kairo im Fußballrausch

Dabei hatte es so schön begonnen. Am vergangenen Samstag hatte Emad Meteb in der Nachspielzeit das 2:0 gegen Algerien geschossen und den "Pharaonen" im vollbesetzten Stadion von Kairo den Gleichstand in der Gruppe beschert. In den folgenden Tagen schien es in Ägypten bereits ausgemachte Sache, dass sich die Nationalelf zum ersten Mal seit 1990 für eine Fußball-WM qualifiziert.

 

Im Radio liefen patriotische Lieder, per SMS verschickten Mobilfunkanbieter Aufforderungen zum gemeinsamen Gebet und in den Zeitungen wurde die Rivalität mit Algerien angeheizt. Am Abend des Spiels lag ganz Kairo im Fußballrausch. In Straßencafés und vornehmen Restaurants, in Sportvereinen und coolen Lounges, überall waren Leinwände aufgebaut. Arm und Reich, die ganze Nation war vereint vor dem Fernsehbildschirm.

Die Stadt bebt

Die Begeisterung schwoll an und ganz Kairo erbebte, als Ahmed Al Muhammadi in der 31. Minute vor dem Tor in Ballbesitz kam. "Oh, nein!" stöhnt Hassan auf, als der Ball von den Handschuhen von Algeriens Keeper Fawzi Chaouta abprallt. Der Automechaniker sitzt in einem Café im Armenviertel "Al Arab". Die Stühle des Cafés stehen bis auf die Straße. Aber wer will an so einem Abend schon Auto fahren?

"Ya Rab - oh lieber Gott!" ertönt es aus tausenden Kehlen, als der Algerier Antar Yahia vom VfL Bochum in der 40. Minute das 1:0 schießt. Im altehrwürdigen Maadi-Sport-Verein hat sich die religiöse Mittelschicht versammelt. Rania nutzt die Halbzeitpause um sich eine Cola zu holen und ein schnelles Gebet zu sprechen. Sie hat schwarz-weiß-rote Herzen auf die Wange geschminkt und trägt ein modisches Lagen-Kopftuch ebenfalls in den Farben der Nation.

 

Hoffnung auf ein Wunder

Bis zum Schluss bleibt die Hoffnung auf ein Wunder, doch mit dem Abpfiff macht sich ungläubige Trauer breit. Der TV-Moderator versucht die Zuschauer zu trösten, indem er die Erinnerung an Ägyptens Jahrtausende alte Geschichte und die Vorreiterrolle des Landes unter Präsident Gamal Abdel Nasser beschwört. Doch wer will sich das schon in so einem Moment anhören? Hassan jedenfalls rollen die Tränen über die stacheligen Wangen.

 
Algerische Fans feiern die geglückte Qualifikation zur WM 2010. Quelle: ap
ap
Freude in Algerien
 

In Algerien füllen sich da schon die Straßen zur Party des Jahrzehnts. Seit 1986 wartet man auf die Teilnahme an einer WM. Auch das sudanesische Omdurman verwandeln Fans zur weiß-grün-roten Party-Zone. Die trauernden Ägypter werden von Sicherheitskräften auf direkten Weg zum Flughafen begleitet, so dass die Nacht ohne größere Gewalt bleibt.