Keiner gewinnt gegen Bayer Leverkusen, zumindest keine Mannschaft aus der Bundesliga. Marco Kurz, Trainer des 1. FC Kaiserslautern, kann erzählen, wie es geht. Er hat die Werkself mit seinem FCK in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals mit 2:1 besiegt.
ZDFonline: Sind Sie von Bundesliga-Trainern schon um Rat gefragt worden, wie man Bayer Leverkusen schlägt?
Marco Kurz: Nein, es hat sich noch keiner gemeldet. Und ich denke, dass auch keiner von ihnen meinen Rat benötigt.
ZDFonline: Was hat der 1. FC Kaiserslautern bei dem Pokalsieg gegen Leverkusen richtig gemacht?
Kurz: Als Außenseiter hat man in einem Pokalspiel immer die Chance, einem besseren Gegner Paroli zu bieten. Wir haben an die Sensation geglaubt und sind alle mit positiven Gedanken ins Spiel gegangen. Das ist ganz wichtig. Meine Mannschaft hatte außerdem eine sehr gute Form, wir waren praktisch komplett und wir hatten ein Heimspiel.
ZDFonline: Der Gegner muss aber auch mitspielen.
Kurz: Natürlich muss man auch auf kleinere Schwächen des Gegners hoffen. Bei Leverkusen fehlten damals Spieler wie Renato Augusto oder Sami Hyypiä. Toni Kroos war zu dem Zeitpunkt noch nicht in der jetzigen Form. Wir sind in diesem Spiel mit Unterstützung des Publikums über uns hinausgewachsen und hatten auch das Quäntchen Glück. Das haben wir aber auch erzwungen und sind nicht unverdient als Sieger vom Platz gegangen.
ZDFonline: War für Sie die Extraklasse von Leverkusen trotz der Niederlage ersichtlich?
Kurz: Wir haben uns natürlich intensiv auf das Pokalspiel vorbereitet und Leverkusen vorher beobachtet. Dabei haben wir fast keine Schwächen festgestellt. Das ist einfach eine phantastische Mannschaft.

ZDFonline: Auch dank Toni Kroos?
Kurz: Ich kenne Kroos aus meiner Münchner Zeit schon lange und habe ihn da auch öfter bei der zweiten Mannschaft der Bayern spielen sehen. Über seine Qualität muss man nicht diskutieren. Aber es hat sich wieder gezeigt, dass ein junger Spieler Unterstützung braucht und auch Fehler machen darf. So hat er in Leverkusen seine Form gefunden und ist mit den Aufgaben gewachsen. In München ist die Erwartungshaltung von Anfang an immer sehr groß.
ZDFonline: Sie haben mit dem FCK eine ähnlich gute Serie hingelegt und nur eines der ersten 16 Saisonspiele verloren.
Kurz: Wir hatten eine etwas unruhige Vorbereitung, in der die Leistung stimmte, aber nicht die Ergebnisse. Dann sind bis Saisonbeginn noch neue Spieler zu uns gestoßen und wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert.
| Der 24. Spieltag | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schalke 04 | - | Dortmund | 2:1 | (0:0) | ||
| M'gladbach | - | SC Freiburg | 1:1 | (0:0) | ||
| Mainz 05 | - | Werder Bremen | 1:2 | (1:1) | ||
| VfL Bochum | - | Nürnberg | 0:0 | (0:0) | ||
| VfB Stuttgart | - | E. Frankfurt | 2:1 | (2:1) | ||
| Hertha BSC | - | Hoffenheim | 0:2 | (0:1) | ||
| Leverkusen | - | 1. FC Köln | 0:0 | (0:0) | ||
| Hannover 96 | - | Wolfsburg | 0:1 | (0:0) | ||
| B. München | - | Hamburger SV | 1:0 | (0:0) | ||
ZDFonline: Was kann eine so lange Erfolgsserie in einer Mannschaft bewirken?
Kurz: Selbstvertrauen und Sicherheit wachsen bei den Spielern, das erhöht die Qualität. Diese Qualität gilt es aber immer wieder aufs Neue abzurufen: Die Laufbereitschaft muss höher als beim Gegner sein, die Gier und der Hunger nach Erfolg muss bei den eigenen Spielern immer größer sein. Wichtig ist auch, dass im Training der Druck durch die Ersatzspieler hoch gehalten wird. Das steigert ebenfalls die Qualität und fördert die Entwicklung einer Mannschaft.
ZDFonline: Bei Ihrer Mannschaft lief es zuletzt nicht so rund mit nur einem Punkt aus den drei Spielen.
Kurz: Wir befinden uns jetzt in einer anderen Ausgangsposition als zu Beginn der Hinrunde. Wir werden von der Konkurrenz ganz anders begutachtet, jeder will gegen Kaiserslautern gewinnen. In der Hinrunde hatte noch keiner mit uns gerechnet. Wir haben die jüngste Mannschaft der 2. Liga, die sich jetzt finden und wachsen muss. Unsere Ausrichtung hat sich in der Rückrunde auch etwas geändert. Durch die Verpflichtung von Pierre de Wit spielen wir offensiver durchs Zentrum. Das muss sich einspielen.
ZDFonline: Noch mal zurück zu Leverkusen: Kann die Mannschaft bis zum Ende in der Bundesliga ungeschlagen bleiben?
Kurz: Ich bin ein großer Fan dieser Mannschaft und der Leichtigkeit, mit der sie auch Spiele gewinnt, die nicht so gut laufen. Sie hat eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend und ist unglaublich spielstark. Sie kann es schaffen, am Ende ganz oben zu stehen, aber das werden wir wie immer erst ganz genau am 34. Spieltag wissen.