Wladimir Klischko und David Haye kämpfen am Samstag nicht nur um drei Titel, sondern auch darum, welche Art Profiboxer die erfolgreichere ist. Klitschko gibt sich als gebildeter Gentleman, Haye provoziert als großspuriger Prolet mit fiesen Ideen.
Für Klitschko ist Boxen Sport, das Haye-Lager sieht Boxen als "Krieg zu Unterhaltungszwecken". Adam Booth - langjähriger Trainer und Manager des WBA-Schwergewichtsweltmeisters David Haye formuliert es so: "Da werden zwei unterschiedliche Tiere im Ring aufeinandertreffen, zwei ganz unterschiedliche Kreaturen - aber sie sind beide außergewöhnlich gut." Am Samstag (Kampfbeginn ca. 22.45 Uhr / RTL) im Hamburger Volkspark gehe es darum, wer besser sei in dem, was er tue.
Das, was Booth heute einen "Meisterstreich in Sachen Marketing" nennt, begann 2009 mit einem Artikel in einem britischen Magazin. Dort wurde Haye mit dem blutigen, abgetrennten Kopf des IBF- und WBO-Weltmeisters Wladimir Klitschko abgebildet.

Der Ukrainer und sein älterer Bruder Vitali zeigten sich reichlich erzürnt, und Haye ließ sich die Szene, diesmal mit den Köpfen beider Klitschkos in den Händen, auf T-Shirts drucken. Daraufhin stieg er, obwohl bis dahin lediglich Cruisergewichts-Weltmeister in drei Klassen ohne jede Reputation im Schwergewicht, zum Herausforderer Nummer eins der Klitschkos auf.
"Das hat mich in die Situation gebracht, dass ich zwischen Klitschko und Walujew wählen konnte", sagt Booth. Haye ließ zunächst zwei schon angesetzte Klitschko-Kämpfe platzen, einmal wegen einer angeblichen Verletzung und einmal, weil ihm das Vertragsgebaren der Klitschkos nicht passte.
Wladimir Klitschko bringt einen Tag vor der WM im Schwergewicht 13,5 Kilogramm mehr auf die Waage als David Haye. Klitschko wiegt 110, Haye 96,5 Kilo. Das erbrachte am Freitag das öffentliche Wiegen.
Der Grund für den großen Gewichtsunterschied: Haye ist sieben Zentimeter kleiner als der 1,98 Meter große Klitschko.
Dann stieg er gegen den russischen 2,13-Meter-Mann Nikolai Walujew in den Ring und wurde WBA-Weltmeister. Diesen Titel hat er inzwischen zweimal verteidigt. "Jetzt haben wir den Klitschko-Kampf zu ganz anderen Bedingungen bekommen", sagt Booth nicht ohne Stolz.
Hinzu kommen die Einnahmen aus zwei Titelverteidigungen. Finanziell gesehen, hätte Haye, der seine Karriere vor seinem 31. Geburtstag am 13. Oktober beenden will, es nicht geschickter anstellen können.
Und, so Booth, auch die Klitschkos profitierten schließlich von Hayes Gebaren. "Sie mögen sich über ihn ärgern, oder vorgeben sich zu ärgern, aber ich bin mir sicher, dass sie das Geld trotzdem zur Bank tragen."
Doch kann Haye Klitschko sportlich betrachtet gefährlich werden? Oder hat er, wenn er seinen Gegner als "Weichei" beschimpft, den Wladimir Klitschko vor Augen, der vor Jahren bittere K.o.-Niederlagen kassierte? Übersieht Haye, dass Klitschko zuletzt dominanter war denn je?

Adam Booth gibt zu, dass der Wladimir von heute der beste Wladimir sei, den es jemals gegeben habe. "Die drei Knock-out-Niederlagen haben ihn gelehrt, diszipliniert auf seine Deckung zu achten und so kontrolliert zu boxen, dass er zwar Schläge austeilt, dabei aber nicht selbst getroffen wird."
David Haye selbst sagt: "Ich weiß, dass Wladimir besser ist als jeder, gegen den ich bisher gekämpft habe. Ich kenne seine Fähigkeiten. Wenn ich ihm erlaube, sie anzuwenden, kann das katastrophal werden."
Und wie will er ihn schlagen? "Ich kann mich nicht auf einen Fechtkampf mit ihm einlassen, die Arme dieses Typen sind doppelt so lang wie meine. Man kann bei ihm auch nicht einen harten Schlag landen, und er fällt um. Du musst sein Herz brechen."
Damit, so glaubt Haye, hat er längst angefangen. Mit Hilfe der T-Shirts. Mit seiner neuen Smartphone-App, einem Box-Spiel, dessen Ziel es ist, einer Klitschko verdächtig ähnlichen Figur den Kopf von den Schultern zu hauen. Damit, dass er am Montag eine halbe Stunde zu spät zur Pressekonferenz kam und Klitschko den Handschlag verweigerte.
Adam Booth ist überzeugt: "David ist der Falsche für Wladimir, im Ring und außerhalb, Davids Emotionen, seine Art zu reden, zu denken und zu handeln, das alles passt nicht zu dem, was Wladimir mag." Klitschko wiederum hält dagegen: "Für seine Mätzchen muss David büßen."
Für mich bist du nur Bitchko!
(20. April 2009 bei einer Pressekonferenz in London)
Ich konnte die Knebel-Verträge der Klitschko-Seite nicht unterzeichnen. Da kann ich gleich meine Seele dem Teufel verkaufen.
(Am 23. Juli 2009 nach der Absage des Kampfes mit Vitali)
Warum Brüder? Ich sehe sie eher wie Bruder und Schwester.
(20. März 2010 in der "Süddeutschen Zeitung")
Es ist mir egal, ob sie im Boxring gegeneinander kämpfen oder auf dem Hinterhof des Hauses ihrer Mutter. Hauptsache, sie tun es!
(3. April 2010 / Haye fordert einen Ausscheidungskampf der Klitschko-Brüder für einen Fight mit ihm)
Er hat das Herz einer Hyäne. Er sucht sich das alte, tote Fleisch, also alte Boxer wie Lamon Brewster, aus. Er wartet, bis jemand anderes diese Boxer tötet, dann kommt er und isst die Reste.
(Am 9. März 2011 in der "Sport-Bild" über Wladmir Klitschko)
Wladimir wird nie wieder boxen wollen - und auch nicht mehr können.
(16. Juni 2011 im "Stern)