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21. März 2010
 

Sport

 
Jack Culcay. Quelle: imago
Jack Culcay

Boxen im Zweiten

Rocky vor Augen, Ali im Sinn

Jack Culcays Debüt soll der Auftakt
zu einer großen Profikarriere sein

von Alex Westhoff

Seinen ersten Profikampf hat Amateurweltmeister Jack Culcay mit Bravour bestanden. In Schwerin besiegte er den Tschechen Jindrich Kubin klar nach Punkten. Zuvor hatte Culcay aber noch mal in die Box-Lehre gehen müssen.

 
 
 
 

Es sieht aus, als ob Jack ein wenig zu ihm herüberschauen würde: zu Rocky. Zumindest auf den Postern in der zugigen Boxschule Culcay im südhessischen Pfungstadt. Da hängt Jack Culcay direkt neben dem Filmplakat von "Rocky III - The Greatest Challenge". Die größten Herausforderungen - dem 24 Jahre alten Darmstädter stehen sie in seiner Boxkarriere noch bevor.

 

In zwei Jahren fit für den WM-Titel

Am 19. Dezember gab Culcay, der sich im September zum ersten deutschen Amateurweltmeister seit 14 Jahren krönte, in Schwerin sein Debüt als Profi. Sein Wechsel aus dem Amateurlager in den zuletzt so gebeutelten Hamburger Universum-Stall hat genau einen Grund: "Es gibt nichts Wichtigeres für Universum und Jack als ihn zum Profi-Weltmeister zu machen", sagt Trainer Michael Timm.

 

Infobox

ZDF SPORTextra. Quelle: ZDF

Boxen im Zweiten

Samstag, 23.15 Uhr: Brähmer - Suchotsky live
danach: Zbik - Della Rosa (live) und Culcay - Kubin (Aufzeichnung)
Reporter: Günter-Peter Ploog
Moderation: Alexander von der Groeben

 Quelle: ZDF
ZDF
Michael Timm

Der breitschultrige Universum-Coach mit der Vorliebe für prägnante Ansagen hat schon Felix Sturm und Ina Menzer zu Weltmeisterehren geführt. Nun soll er Jack Culcay fit machen für den WM-Titel. Zwei bis drei Jahre will sich das Gespann dafür Zeit geben. Denn die Umstellung sei "enorm", sagt der Deutsch-Ecuadorianer mit den südhessischen Wurzeln. Die Fäuste werden fester getaped, die Handschuhe sind dünner, die Schläge härter, die Kämpfe länger, der Ring kleiner, der Kopfschutz fehlt und der Oberkörper ist frei - der Amateurweltmeister muss also zunächst wieder Lehrling sein.

 

Schutz vor den "Bomben"

"Das Sparring war schon eine Augenweide", sagt Timm. "Er hat viel Potential." Die Boxschule Culcay ist ein Familienbetrieb. Fußboden, Sandsäcke und Boxbirnen sind in dem schlichten Gym in Rot gehalten. Neben dem hoffnungsvollen Profinewcomer üben, schlagen und stöhnen an diesem Vormittag auch Freizeitsportler. Gegenüber von "Rocky", nahe Jacks üppiger Pokalsammlung und den Medaillen an der Wand, blickt der junge Muhammad Ali von einem Poster auf die Schwitzenden.

Zitat

„Bei den Profis kommen andere Bomben durch den Ring geflogen als bei den Amateuren. Das wird er zu spüren bekommen.“

Michael Timm

Der Ali-Stil, das war es, was Jacks Vater Roberto Culcay seinem Sohn im jahrelangen gemeinsamen Training zu vermitteln versuchte: leicht, tänzelnd, die Deckung auch mal hängen lassend. So hat es der Halbmittelgewichtler (bis 69,8 Kilogramm) weit gebracht. Profitrainer Timm hat für hängende Fäuste naturgemäß kein Verständnis: "Bei den Profis kommen andere Bomben durch den Ring geflogen als bei den Amateuren. Das wird er zu spüren bekommen."

 

Der Papa in der Ringecke

Vater Roberto, der sich in Ecuador früher als Fußballer und Boxer verdingte, wird künftig loslassen, das Kommando weitestgehend abgeben müssen an den 47 Jahre alten Timm. Der heimat- und familienverbundene Jack Culcay wird zwar weiter in der Heimat wohnen bleiben und weiterhin zwei Mal täglich in der Pfungstädter Boxschule trainieren - die letzten sechs Wochen vor einem Kampf allerdings wird sich "Gold-Jack", wie er nach seinem WM-Sieg in Mailand genannt wurde, in der Hamburger Universum-Zentrale vorbereiten.

 

"Wir müssen weiter machen in seinem Stil. So hat er es gelernt. Wir schaffen all das, was kommt", sagt Roberto Culcay, der nach dem Umzug nach Deutschland einst in der Wohnung der Familie in einem Darmstädter Problemviertel einen Sandsack unter der Decke befestigte. Konflikte zwischen ihm und Timm über die Richtlinienkompetenz scheinen programmiert.

Die Nervosität steigt

"Timm ist ein super Trainer, das habe ich gleich am ersten Tag gemerkt", sagt Jack und stützt sich nach einer Runde Schattenboxen auf die Ringseile. Immerhin: Roberto wird auch bei den Profikämpfen seines Sohnes mit in der Ringecke stehen. Das war immer so und das wird auch so bleiben. Jack wünschte es so. "Einen Papa habe ich auch noch nicht mit in der Ringecke gehabt", sagt Timm schmunzelnd.

 

Vater Roberto, ein sanft wirkender Mann in antiquierten Turnschuhen, spricht nur in der Wir-Form. Und damit meint er nicht nur Jack und sich, sondern die ganze Familie. "Unser Ziel ist, eine gute Zukunft zu haben", so Roberto Culcay, der nach dem Umzug nach Deutschland und der Trennung von seiner deutschen Frau plötzlich in einem fremden Land fünf Kinder alleine durchbringen musste.

 

Mit Hip-Hop in die Halle

Die gute Zukunft scheint im Hause Culcay bereits angebrochen. Der Boxschule haben Jacks Erfolge einen großen Zulauf beschert, der 27 Jahre alte Bruder Mike hat als Bundesligaboxer auch Ambitionen ins Profilager zu wechseln und gehört als Sparringspartner fest zu Jacks Entourage. Und auch die 21-jährige Schwester Manuela trainiert wie wild auf ihre Chance als Profiboxerin hin. "Ich versuche manchmal, ihr etwas beizubringen", sagt Jack

 
 
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