Stefanie Heidbrink
Martin Scorsese, David McKenzie, Feo Aladag, Ridley Scott – die Liste lässt sich verlängern – sie alle haben ihre Filme mit Richters Musik aufgewertet. Er kann es sich mittlerweile aussuchen, mit wem er zusammenarbeitet und welches Projekt er mit seiner Musik schmückt.Und das Sympathische und Erstaunliche daran: Max Richter ist auf dem Boden geblieben. Vielmehr genießt er den durchaus luxuriösen Umstand, dass er sich mit Inhalten beschäftigen kann, die ihn wirklich interessieren: „Wenn ich zwei Jahre an einer Sache arbeite und komponiere, dann wünsche ich mir, dass es etwas ist, was mir persönlich wichtig ist und worüber ich durch meine Musik sprechen möchte - eine soziale oder politische Situation zum Beispiel, die ich in meiner Musik dann näher beleuchten und zum Ausdruck bringen kann.""Ich möchte Geschichten erzählen“
Seine klassische Ausbildung und seine Vorliebe für elektronische Musik zeigen sich in all seinen Kompositionen. Die Einflüsse von Philip Glass, Brian Eno, Kraftwerk und Future Sound of London, mit denen er ein Album produziert hat, sind unverkennbar. Er kombiniert elektronische Elemente mit klassischen Streicher- und Pianoarragements. Seine vier Solo-Alben zeigen einen Musiker, der es versteht, klassische und elektronische Musik mit einer Selbstverständlichkeit zu kombinieren, dass daraus ein neues musikalisches Genre entsteht - mal verspielt, aber immer tiefgründig und emotional. „Elektronische Musik sollte heutzutage einfach zu der Palette eines jeden zeitgenössischen Komponisten meines Alters gehören, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert, da ist das ganz normal. Für mich gibt es die Trennung zwischen klassischer und elektronischer Musik nicht mehr. Es sind einfach neue Wege, sich musikalisch auszudrücken. Und ich möchte mit meinen Kompositionen Geschichten erzählen.“Mit seinen Klanginstallationen und der Zusammenarbeit mit Wayne Mc Gregor, für dessen Ballettaufführung „Infra“ in der Royal Opera in London er die Musik lieferte, hat Richter seinen Radius vielfältig erweitert. Im September ist in der Reihe „Recomposed“ der Deutschen Grammophon sein neuestes Werk erschienen – eine Neukomposition von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, eingespielt mit Daniel Hope und dem Konzerthausorchester Berlin. Anfang November startet „Lore“ in den deutschen Kinos, das neueste Filmprojekt, zu dem er die Musik liefert.

