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Die Geschichte eines Sommers

David Ballantynes "Sydney Bridge Upside Down"

Ein Sommer in den 60er Jahren in Calliope Bay – am anderen Ende der Welt. Dort lebt der dreizehnjährige Harry mit seinem kleinen Bruder Cal und seinem einbeinigen Vater. In Calliope Bay kennt jeder jeden. Geheimnisse gibt es eigentlich nicht. Und - wie sich herausstellt – dann doch. 

David Ballantyne: "Sydney Bridge Upside Down" / Quelle: Hoffmann und Campe

"Sydney Bridge Upside Down"

(10.09.2012 Quelle: Hoffmann und Campe)

von Annette Spohn

Harry erzählt uns die Geschichte eines Sommers, in dem die drei Männer vergeblich auf die Rückkehr der Mutter warten, die sie verlassen hat und - so erfährt man im Laufe des Buches - mit dem ehemaligen Lehrer von Harry in der Stadt ein neues Leben angefangen hat. Eine bittere Erkenntnis für alle drei - vor allem für Harrys Bruder, der seine Mutter schmerzlich vermisst. Dies alles schildert Harry, teils abgeklärt, teils fatalistsich, immer wieder melodramatisch – eben so, wie nur Kinder die Welt sehen können.

Fragwürdiges Erwachsenwerden

Der Sommer wird bald bestimmt vom Besuch der hübschen Cousine Caroline. Eine Städterin, die den Sommer auf dem Land und mit den beiden Jungs verbringen will. Für Harry bedeutet das die ersten Erfahrungen mit Sexualität - und die Erkenntnis, dass das Erwachsenwerden ein recht fragwürdiger Prozess ist. Die Jugendlichen in Calliope Bay verleben einen unvergesslichen Sommer, größtenteils fern der Erwachsenen. Ein Aufwachsen, so wie es heute kaum unvorstellbar ist - auch wenn es alles andere als stets rosig und wunderbar zugeht. Mal gibt es Langeweile, mal sehr harte Auseinandersetzungen zwischen den Kindern; Unfälle, Verbote, die "natürlich" nicht eingehalten werden (Lieblingsspielplatz der Kinder ist eine eigentlich unbetretbare verfallene ehemalige Schlachterei). Schließlich eine Tragödie, als Harrys Emotionen mit ihm "durchgehen".

Zeitreise ans neuseeländische Ende der Welt

"Sydney Bridge Upside Down" ist lockere Lektüre, mit einem Spannungsbogen, der niemals zu viel verrät. Auch nicht über die amourösen Verwicklungen der wunderbaren Cousine Caroline aus der großen Stadt … Nicht zuletzt lädt dieser im Original schon 1968 erschienene Roman ein zu einer unterhaltsamen Zeitreise ans neuseeländische Ende der Welt. Dies auch dank der Übersetzung des Schriftstellers Gregor Hens.

David Ballantyne: Sydney Bridge Upside Down, 1968/2012, Hoffmann und Campe

04.09.2012

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