Sylvie Kürsten
In seinem solschenyzin-artigen Gefängnis-Tagebuch „Ein Lied und hundert Lieder“ (2009) hat sich Liao Yiwu seine Erfahrungen aus vier Jahren Haft und Folter von der Seele geschrieben. Gegen das Vergessen.Den Unterdrückten verleiht er eine Stimme
Und auch in seinem neuesten Buch „Die Kugel und das Opium“ kehrt Yiwu abermals zu seinem Lebens-Thema zurück: Er, der sich selbst gern als „Tonband seiner Generation“ bezeichnet, hat die kollektiven Erinnerungen der damaligen Dissidenten gesammelt – ebenfalls gegen das Vergessen. In Deutschland, seiner Wahl-Exilheimat seit 2011, wird Liao Yiwu nun mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt, weil er, so die Begründung der Jury, als „unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ablegt für die Verstoßenen des modernen China“ , weil der „den Entrechteten und Unterdrückten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht“.In China dagegen sind die Bücher des 53-jährigen verboten, weil er „Geschichten fabriziere, um Sympathien und Unterstützung zu bekommen“, so das chinesische Außenministerium.

