Hilka Sinning
Er verwandelte seine Modelle in ätherische Elfen, wie mit Spinnenweben behangen, in barocke Amazonen aus anderen Jahrhunderten, in gepanzerte Kreuzritterinnen oder bizarre Vogelfrauen. Kritiker und Journalisten befanden einstimmig: McQueen war der phantasievollste, kreativste Kopf der internationalen Modeszene.Er war ein Mann voller tragischer Widersprüche: menschenscheu und rüpelhaft in einem, größenwahnsinnig und depressiv zugleich.Dem Stress nicht gewachsen
Er war jemand, der von Umsätzen nichts wissen wollte und sich nur im Schneideratelier wohl fühlte, der von dem Pariser Traditionsunternehmen Givenchy als Chefdesigner angestellt und schon nach ein paar Kollektionen wieder entlassen wurde - er war nicht geschäftstüchtig genug. Dem Stress, immer neue sensationelle Kollektionen liefern zu müssen, war er am Ende nicht mehr gewachsen.Er wollte Kunst machen in einem beinharten internationalen Mode-Business, das sich aber letztlich nur für Umsätze interessiert. Im Februar 2011, ein paar Tage nach dem Tod seiner Mutter, brachte McQueen sich in London um.
"Love looks not with the eyes"
Erst nach seinem Tod erfährt McQueen alle künstlerischen Ehren, die sich ein Designer wünschen kann. Seine Kreationen werden in renommierten Museum ausgestellt und in prächtigen Bildbänden abgedruckt.Vielleicht liegt darin die Tragik seines Lebens: Erst im Tod erfüllt sich sein Traum. Die französische Fotografin ANNE DENIAU hat Alexander McQueen 13 Jahre lang hinter den Kulissen seiner Moden-schauen beobachtet und seine Arbeitsweise dokumentiert. Ihr Fotoband LOVE LOOKS NOT WITH THE EYES gibt Einblick in seinen unorthodoxen Arbeitsstil, seine Obsessionen, seine aberwitzige Welt. "Aspekte" stellt den neuen Bildband vor. Zu Wort kommen die Fotografin Anne Deniau und der Hamburger Modejournalist Dirk van Versendaal.

