Paul Cleave: Das Haus des Todes
Annette Spohn
Bereits auf den ersten Seiten wissen wir, wer der Mörder ist. Und wir wissen, wer die Guten sind. Cole gegen Tate und Schroder. Nun gut. Was soll man da noch weiter lesen und sich die Umsetzung der Rachegefühle eines Verrückten antun? Was soll da noch Spannendes kommen? Der geneigte Krimileser zögert – vollkommen zu Unrecht."Das Haus des Todes" hat noch vieles zu bieten, nicht nur Verbrechen, sondern viel Nachdenkenswertes über Schuld und Unschuld, über Rache und Vergeltung – und letztlich über unser modernes System der Bestrafung.Die wichtige Dinge verjähren nicht
Gut und Böse lassen sich für Cole zwar ganz eindeutig definieren, für uns Leser werden die gängigen Definitionen jedoch zunehmend fragwürdig. Wer für gut gehalten wird, muss es noch lange nicht sein. Wer durchweg böse scheint, hat menschliche Züge. Alle Taten kehren irgendwann zu einem zurück. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben verjähren nicht.Caleb Coles Rechnung ist lang und eigentlich sollte sie in einer Nacht beglichen werden. Doch dieses Pensum ist selbst für ihn nicht zu schaffen. Zu sehr hat er unter den Jahren im Gefängnis zu leiden gehabt. Seine Rache wirkt zwar zunächst wie Besessenheit, je mehr man aber von seinem Beweggrund erfährt, desto weniger ist man überrascht. Und man stellt erstaunt fest, dass einem der mordende Protagonist nicht mehr unsympathisch ist, ja dass man sogar ein gewisses Verständnis aufbringt, auch wenn sein Racheakt indiskutabel bleiben muss.

