von Linda-Rabea Heyden
Obwohl so etwas wie ein Wissenschaftscomic keine Neuheit mehr ist, hat Harder mit "Alpha" die Idee davon, was im Comic möglich ist, auf eigene Weise neu ausgelotet, augenzwinkernd und genauso erkenntnisreich. Im März bekam er dafür beim Festival von Angoulême den Preis für das "wagemutigste Werk". Nun wurde das im Carlsen Verlag erschienene Album mit dem wichtigsten deutschen Comic-Preis, dem Max und Moritz-Preis, ausgezeichnet.Die ewige Frage
Lange bevor im 19. Jahrhundert wissenschaftlich nach der Entstehung der Welt und dem Ursprung des Lebens geforscht wurde, haben Menschen immer wieder Antworten auf diese Frage gesucht. Jens Harder verknüpft die unterschiedlichen Ideen vom Universum in seinem Werk auf überraschende Weise. Seine einfarbigen Buntstiftzeichnungen mit klarer Kontur erinnern zunächst an Illustrationen aus naturwissenschaftlichen Lehrbüchern. Aber immer wieder setzt er Bilder von Schöpfungsmythen aus aller Welt dazwischen. Und so finden sich Zitate von Dürer, Magritte und Michelangelo neben Höhlenmalereien, antiken Vasen und Hieroglyphen. Das überrascht - ist doch zu jener Zeit noch kein Mensch geboren, um seine Spuren zu hinterlassen. Doch selbst hier macht Harder noch nicht Halt: Auch moderne Stadtansichten, Bilder von der Mondlandung oder Donald Duck bekommen einen Platz in der schier unüberschaubaren Geschichte namens Evolution.Wer "A" sagt ...
Und: Seine Zeit- und Gedankensprünge zeigen, wie das Vergangene bis ins Heute seine Spuren hinterlässt. "Alpha" zeigt Evolution als Geschichte. Eine Geschichte, die nicht nur zur Entstehung des Menschen geführt hat, sondern auch als Geschichte, die sich der Mensch von seiner Entstehung macht. Am Ende tauchen dann tatsächlich die ersten Menschen auf - und damit die Frage, wie es nun wohl weiter geht. Jens Herder sagt übrigens nicht nur "Alpha", längst arbeitet er am zweiten Teil: "Beta ... Civilization".

